Brugg
Ein «Taxidienst» zum Flughafen mit üblen Folgen

Wegen des Vorwurfs der mehrfachen groben Verletzung von Verkehrsregeln hatte sich ein 46-jähriger Automobilist vor dem Bezirksgericht Brugg zu verantworten. Das Urteil steht noch aus.

Louis Probst
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«Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, so gefahren zu sein», sagt der Beschuldigte (Symbolbild).

«Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, so gefahren zu sein», sagt der Beschuldigte (Symbolbild).

«Ich zerbreche mir heute noch den Kopf darüber, was da wirklich abgelaufen ist», meinte der Beschuldigte in der Befragung durch Gerichtspräsidentin Franziska Roth. Vorgeworfen wurde dem 46-ährigen Mann mehrfache grobe Verletzung von Verkehrsregeln. Dafür beantragte die Staatsanwaltschaft eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 210 Franken sowie eine Busse von 1400 Franken.

Gemäss Anklageschrift war der Beschuldigte mit seinem Personenwagen auf der Autobahn A3, auf der Höhe von Schinznach-Bad, auf der Überholspur in Fahrtrichtung Zürich, bei einer Geschwindigkeit von rund 105 km/h während einer Dauer von 10 bis 15 Sekunden einem Personenwagen im Abstand von «ca. einem Meter» gefolgt und hatte diesen Wagen dann rechts überholt.

Der Fahrer des überholten Fahrzeuges erstattete bei der Polizei Anzeige. In der Folge war der Beschuldigte zu einer saftigen Busse verurteilt worden. Weil er Einsprache gegen den Strafbefehl erhob, kam es zur Einzelrichterverhandlung vor dem Bezirksgericht Brugg.

«Ich habe an diesem Tag meine Tochter und eine ihrer Kolleginnen zum Flughafen Kloten gebracht», erklärte der Beschuldigte vor Gericht. «Eigentlich hatten wir genügend Zeit, um rechtzeitig am Flughafen zu sein. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, so gefahren zu sein. Das ist nicht mein Fahrstil.»

Der Beschuldigte räumte ein, dass ihm vor neun Jahren, wegen einer massiven Übertretung der Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn, der Führerausweis entzogen worden sei. «Das hat sehr weh getan», meinte er.

Auf die Frage der Gerichtspräsidentin, ob denn allenfalls die Anwesenheit zweier junger Damen im Auto seinen Fahrstil beeinflusst hätte, entgegnete er jedoch ruhig: «Ich glaube nicht, dass ich meine Tochter beeindrucken muss.»

Die Schilderung des Autofahrers, der ihn angezeigt hatte, hätte ihn schon etwas geschockt, erklärte der Beschuldigte. «Ich bin 46 Jahre alt. Das ist nicht mein Fahrstil. Ich frage mich auch, wie der Anzeiger denn wissen will, wie ich über eine so lange Strecke, wie er sagt, so gefahren sein soll. Ich will einen Freispruch.»

Bevor jedoch ein Urteil gefällt wird, soll jetzt der Autofahrer, der Anzeige erstattet hat, als Zeuge einvernommen werden. Zudem sollen, wie Gerichtspräsidentin Roth erklärte, weitere Abklärungen in Bezug auf das Verkehrsaufkommen und die Witterungsverhältnisse im fraglichen Zeitpunkt getroffen werden, nachdem in den Aussagen der beiden Autofahrer «viele Widersprüche» bestehen würden.