Bezirksgericht Brugg

Ein Spurwechsel mit teuren Folgen: Drei in Unfall involvierte Autolenker standen vor Gericht

Zum Unfall kam es auf der Seebli-Kreuzung. Bild: Google Street View

Zum Unfall kam es auf der Seebli-Kreuzung. Bild: Google Street View

In einen Unfall auf der Seebli-Kreuzung in Lupfig waren ein Autofahrer und zwei Autofahrerinnen involviert – kürzlich standen sie vor dem Bezirksgericht Brugg.

Dieser Fall kann sich jederzeit und überall ereignen: Vor einem Lichtsignal wird einem Autolenker bewusst, dass er die falsche Spur erwischt hat. Kurzerhand wechselt er auf die andere Fahrbahn. In der Regel geht ein solches Manöver glimpflich aus. In Lupfig ist es an einem späteren Nachmittag Anfang Juli 2017 aber zu einer Kollision gekommen, in die ein Autofahrer sowie zwei Autofahrerinnen involviert waren.

Vor dem Bezirksgericht Brugg standen kürzlich zwei Beschuldigte, eine Strafklägerin sowie zwei Verteidiger und zwei Dolmetscherinnen. Fahrlässige Körperverletzung und Verletzung der Verkehrsregeln lautete der Vorwurf im Fall des Autofahrers, der die Spur gewechselt hatte, fahrlässige Körperverletzung im Fall der einen Autofahrerin.

Ereignet hatte sich der Unfall auf der Seebli-Kreuzung. Ein 30-jähriger gebürtiger Türke aus dem Kanton Zürich war von Brugg auf dem Zubringer Hausen unterwegs und spurte links ein in Richtung Autobahneinfahrt. Als die Ampel auf Grün wechselte, lenkte er sein Fahrzeug auf die rechte Spur, heisst es in der Anklageschrift. Dabei kollidierte er mit einem neben ihm stehenden Auto einer 41-jährigen Türkin aus dem Kanton Aargau.

Beim Aufprall zog sie sich Prellungen zu

Diese erschrak, drückte gemäss Anklageschrift versehentlich auf das Gaspedal und prallte ins Heck des vor ihr anfahrenden Autos. Dessen Lenkerin trat nun als Strafklägerin auf. Denn ihr Wagen wurde nach vorne über die Kreuzung gestossen und knallte frontal in einen Kandelaber.

Die Lenkerin erlitt Prellungen und litt unter Nackenschmerzen. Sie habe unter Schock gestanden, liess die Portugiesisch sprechende Frau übersetzen bei der Befragung durch Einzelrichter Sandro Rossi. Ihr Auto sei schrottreif gewesen.

Für die Staatsanwaltschaft stand fest: Der beschuldigte 30-jährige Türke hat pflichtwidrig gehandelt. Er hätte gar nicht die Spur wechseln dürfen. Zumindest hätte er mit einem Blick in den Seitenspiegel und durch die Scheibe sicherstellen müssen, dass die rechte Fahrbahn frei ist.

Die 41-jährige Türkin im Auto neben ihm wiederum hätte die Kollision mit dem Wagen der Strafklägerin vor ihr vermeiden können. Sie wäre laut Staatsanwaltschaft verpflichtet gewesen, die Geschwindigkeit ihres Fahrzeugs dem vor ihr fahrenden Auto anzupassen und einen Abstand zu wahren.

Fehlverhalten da, Fehleinschätzung dort

Gemäss ihrem Verteidiger aber war es nicht möglich, die Kollision zu verhindern. Seiner Mandantin könne kein Vorwurf gemacht, kein pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen werden. Weder sei der Abstand zu gering, noch sei sie zu schnell unterwegs gewesen.

Hauptverursacher des Unfalls sei der 30-jährige Autofahrer, ohne dessen Fehlverhalten – der Spurwechsel – der Unfall nicht passiert wäre. Seine Mandantin sei durch die seitliche Kollision nach vorne gespickt worden und die Autofahrerin vor ihr habe zudem ohne Grund gebremst. Kurz: Die Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.

Der Verteidiger des 30-jährigen Türken bestritt nicht, dass sein Mandant die Fahrspur wechseln wollte. Der Beschuldigte fühle sich moralisch schuldig und bedaure den Unfall. Der Verteidiger kehrte den Spiess aber um, sprach von einer Unaufmerksamkeit und Fehleinschätzung der 41-jährigen Türkin auf der rechten Fahrspur.

Mittlerweile liegt das schriftliche Urteil vor. Die Strafklägerin, deren Auto über die Kreuzung gestossen worden war, zog ihren Strafantrag zurück und schloss mit den beschuldigten Autofahrern eine Vereinbarung. Diese zahlen ihr 300 Franken respektive 500 Franken für den erlittenen Schaden.

Beide werden verurteilt bezüglich der Verletzung der Verkehrsregeln und müssen sich neben einer Busse zur Hälfte an Verfahrenskosten, Anklagegebühr und Kosten für die Verteidigung beteiligen. Für die Autofahrer kommen so mehrere tausend Franken zusammen.

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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