Brugg

Ein spezieller Tag für Friedrich Theodor Fröhlich

Rudolf Lutz und Noemi Sohn Nad, Sopran, in der Stadtkirche.

Rudolf Lutz und Noemi Sohn Nad, Sopran, in der Stadtkirche.

Zu Ehren des Brugger Komponisten veranstaltete der Kulturverein Fröhlich-Konzerte Brugg einfühlsame Anlässe.

Zum vierten Fröhlich-Tag gab es drei Konzerte an einem Tag. Den Abschluss bildete ein Konzertabend, zu dem rund 40 Besucher in die Stadtkirche Brugg kamen. Trotz Maskenpflicht genossen sie die erfrischenden, aber auch effektvollen Melodien des Brugger Komponisten Friedrich Theodor Fröhlich (1803 bis 1836). Nicht nur Lieder, auch Briefe, Improvisationen am Flügel und Lyrik waren Teil des Konzertprogramms. Vereins­präsidentin Barbara Vigfusson wählte aus einer Vielzahl von Briefen und Lyrik aus und wurde dabei von ihrem Mann, Johannes Vigfusson, unterstützt. Er weiss, dass Friedrich Theodor Fröhlich lange verkannt wurde, heute aber als der bedeutendste Schweizer Komponist der Frühromantik angesehen wird.

Die Sopranistin Noemi Sohn Nad eröffnete mit ihrer hellen, klaren Stimme den Abend und sang «Neun deutsche Lieder» auf Texte von Wilhelm Wackernagel. Es war eine Erstaufführung. Sohn Nad wurde von Pianist Rudolf Lutz am Flügel begleitet. Zwischen den einzelnen Liedern las Schauspielerin und Sprecherin Heidi Maria Glössner aus Fröhlichs Briefwechsel mit seinem Freund, dem Germanisten Wackernagel aus den Jahren 1818 bis 1836 vor.

Und der Aargauer Schriftsteller Klaus Merz trug mit Gedanken eines Mannes im Alter von Fröhlich in Form früher Lyrik zum Abend bei. Seinen Worten folgten musikalische Improvisationen von Rudolf Lutz. Bei allem wirkte es, als ob Friedrich Theodor Fröhlich höchst persönlich darüber wachte, denn rechts im Kirchenschiff stand das Bild des Komponisten.

Im umfangreichen Programmheft sind sämtliche Liedtexte abgedruckt. Es verrät über Fröhlich, dass er, wenn es nach den Wünschen seiner Eltern gegangen wäre, eher Jurist werden sollte. Trotzdem setzte er sich durch und studierte «Tonsatzkunst» grösstenteils in Berlin, wo er bis 1830 blieb. Wegen seines ausbleibenden Erfolgs als Komponist kehrte er in die Schweiz zurück.

Lyrische Texte von Klaus Merz zwischen den Liedern

Heidi Maria Glössner las von der Kanzel Fröhlichs Brieftexte, während Sohn Nad immer wieder eines seiner «Neun deutschen Lieder» sang. Nach den «Wiegenliedern» wurde in Sätzen wie «Getreuer, ich denke, Du verstehst, wie ich’s meine» deutlich, wie wichtig für Friedrich der Gedankenaustausch mit Wackernagel war. Er hielt die modernen Werke der damaligen Zeit für «Eselsdreck» und kämpfte selbst aber mit dem «Sauerteig des Lebens». Klaus Merz flicht seine lyrischen Texte zwischen die Lieder, in denen er unter anderem die Tasten des Klaviers mit einem Gebiss verglich. Der Pianist Lutz griff dieses Bild auf und setzte es musikalisch um.

Fröhlichs zahlreiche Kompositionen werden in der Universitätsbibliothek Basel aufbewahrt. Da sie vor allem in handschriftlicher Form vorliegen, bedarf es immer wieder des Engagements der Internationalen Fröhlich-Gesellschaft, um seine Aufzeichnungen in moderne Notenschrift zu übertragen. Nur so kann die interessierte Öffentlichkeit auch heute noch vom Schaffen des Brugger Künstlers erfahren und einen Abend wie diesen geniessen. Der Künstler setzte übrigens im Oktober 1836 mit einem Sprung in die Aare seinem Leben ein Ende. Am Sonntag, der auf seinen Todestag folgt, wird Fröhlich jähr- lich geehrt. Der ursprünglich geplante anschliessende Apéro wurde coronabedingt abgesagt.

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