Zusammenarbeit
Ein Schloss in China und die Aargauer Habsburg gehen eine Partnerschaft ein: Der Direktor des Museums erklärt warum

Das Schloss Habsburg und das Schloss Zhangbi gehen eine Partnerschaft ein. Marco Castellaneta, der Direktor des Museums Aargau, erklärt die Absicht dahinter.

Michael Hunziker
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Schloss Zhangbi liegt in der Provinz Shanxi. Auf Schloss Habsburg begann der Aufstieg der Dynastie der Habsburger.

Schloss Zhangbi liegt in der Provinz Shanxi. Auf Schloss Habsburg begann der Aufstieg der Dynastie der Habsburger.

Bilder: zvg/Museum Aargau

Um die 8000 Kilometer trennen sie – und doch sind sie neuerdings eng verbunden: Das chinesische Schloss Zhangbi und Schloss Habsburg beschliessen eine Partnerschaft. Geplant ist eine Zusammenarbeit über die Kontinentsgrenzen hinweg, ein Austausch im kulturellen und touristischen Bereich.

Auf Schloss Habsburg begann der Aufstieg der einflussreichen Dynastie der Habsburger. Der Grundstein wurde um 1030 gelegt. Heute gehört die geschichtsträchtige Stätte zum Museum Aargau. Das gut erhaltene – berühmte wie bedeutende – Schloss Zhangbi liegt in der Provinz Shanxi. Die Anlage mit der über 1600-jährigen Geschichte, den militärischen, religiösen und gesellschaftlichen Funktionen, verfügt im Untergrund über ein zehn Kilometer langes Tunnelsystem auf drei Ebenen.

Die Geschichte startet im Weltverband der Schlösser

Zusammengefunden haben die Schlösser nicht etwa durch den Besuch des chinesischen Vizepräsidenten Wang Qishan im Aargau im Januar 2019, sondern durch den Weltverband der Schlösser, der World Castle Association (WCA). Dieser verfolgt das Ziel, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das kulturelle Erbe zu erhöhen, die Schlösser grundsätzlich stärker zu positionieren. Es handelt sich um die erste formelle Partnerschaft zwischen einem chinesischen und einem Schweizer Schloss.

Werden nun scharenweise Besucher aus Asien erwartet auf Schloss Habsburg? Werden Beschriftungen und Broschüren ergänzt, Führungen in chinesischer Sprache stattfinden? Marco Castellaneta, Direktor Museum Aargau, winkt ab. Äusserlich werde sich nichts ändern und es gehe bei dieser Partnerschaft auch nicht um eine kurzfristige Besucherpromotion im asiatischen Markt. «Das Schloss Habsburg soll künftig vielmehr die ihm aufgrund seiner geschichtsprägenden Rolle entsprechende internationale Position bekommen.»

Auch das chinesische Partnerschloss spiele eine prägende Rolle in der Geschichte seiner Region und seines Lands, finde im Binnenmarkt eine hohe Beachtung. «Davon wollen wir lernen», sagt Castellaneta, der sich ebenfalls als Präsident des Schweizer Schlösserverbands sowie als Vizepräsident des Weltverbands der Schlösser engagiert. «So werden wir uns auch im Bereich der Vermittlung und der Angebotsentwicklung austauschen, um gegenseitig vom Wissen zu profitieren.»

Mit über 40 Anlagen ist Aargau ein Schlösserkanton

Gleichzeitig mit der internationalen Partnerschaft hat Museum Aargau letzte Woche die Aufnahme von Schloss Habsburg in die europäische «Via Habsburg» bekannt gegeben. Die Route erstreckt sich über knapp 1000 Kilometer von Frankreich bis Österreich. 84 Institutionen aus den Bereichen Kultur, Kunst und Tourismus sind derzeit dabei. Das Museum Aargau ist seit diesem Jahr auch mit den weiteren Schlössern – Lenzburg, Hallwyl und Wildegg – sowie mit dem Kloster Königsfelden neu Mitglied.

Schloss Habsburg sei somit auf einer der wichtigsten europäischen Plattformen für den Kulturtourismus vertreten, erklärt Marco Castellaneta. «Auch hier geht es darum, dass das Schloss seinen berechtigten Platz in Europa bekommt und einer breiteren Zielgruppe ausserhalb der Schweiz bekanntgemacht wird.» Die prestigeträchtigen Verbindungen seien eine grosse Chance, zeigt sich ebenfalls SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler überzeugt. Schlösser, Burgen und Ruinen seien faszinierend und bieten einen wunderbaren Einblick in die Vergangenheit. Und mit über 40 Burgen und Schlössern dürfe sich der Aargau stolz als Schlösserkanton bezeichnen, fährt der Kulturdirektor fort. Er freue sich, dass «unser» Schloss Habsburg weiter an internationaler Ausstrahlung gewinnen werde.

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