Königsfelder Festspiele
Ein Mord hält die königliche Familie in Atem

Windisch Nach vier Jahren gibts Im Sommer 2012 ein neues Königsfelder Festspiel: Es heisst«Unternehmen Paradies». Das Thema: Die Ermordung des Königs Albrecht I. in Windisch durch seinen eigenen Neffen.

elisabeth feller
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Der Komponist Peter Siegwart (li) und der Choreograf Felix Duméril. EF.

Der Komponist Peter Siegwart (li) und der Choreograf Felix Duméril. EF.

König Albrecht I. brach 1308 von Baden in Richtung Rheinfelden auf, um dort seine Gattin Elisabeth zu treffen. Er hat sie nie getroffen. Denn auf dem Weg dorthin wurde er in Windisch von seinem Neffen Johann von Schwaben kaltblütig ermordet. Darauf beschliessen Albrechts Witwe Elisabeth und die Tochter Agnes am Tatort ein Kloster zu gründen – Königsfelden.

Das ist ein Stoff, der geschaffen ist für ein spartenübergreifendes, spannendes Spiel in der Klosterkirche. Dort geniesst die Institution Königsfelder Festspiel seit 1973 in mehrjährigen Abständen Gastrecht. 2008 thematisierte sie den Mord an Albrecht I; 2012 «interessiert uns das Danach» – Ernst Rothenbach, Präsident des Organisations-Komitees, bringt es so auf den Punkt: «Elisabeth und Agnes wollten, dass Albrecht ins Paradies kommt. Das war ein riesiges Unternehmen. Auch wir haben ein Unternehmen gegründet, um das ‹Unternehmen Paradies› zu wagen.» Das Projekt ist eine perfekte Ergänzung zum Jubiläumsprogramm des Museums Aargau unter dessen Obhut die Königsfelder Kirche steht: Das Museum erinnert von 2010 bis 2012 an die Gründung des Klosters Königsfelden.

Zehnte Königsfelder Festspiele

Beim zehnten Königsfelder Festspiel erneut mit von der Partie ist Peter Siegwart, Komponist und musikalischer Leiter. Nicht mehr dabei ist jedoch der Choreograf Philipp Egli. Der einstige Tanz-Chef des Theaters St. Gallen wird neues Mitglied der Masken-Truppe Mummenschanz. Ein Glücksfall, dass Felix Duméril, ehemals Ballettchef am Theater Bern, die Choreografie übernimmt. Wie lässt sich das «Unternehmen Paradies» vorstellen? Peter Siegwart weiss aus Erfahrung, «dass da erst einmal nichts ist. Weder Musik, noch Drehbuch. Alles muss neu geschaffen werden.» Siegwart wird auch diesmal auf eine bewährte Kombination zurückgreifen: Alte Musik (beispielsweise von Monteverdi und Bach) mischt er mit Musik, die er selbst komponiert.

Mikrokosmos einer Familie

Verfährt Peter Siegwart bei den Texten nach demselben Muster? Nein. Historische Schriften werden durch Gedichte von Klaus Merz kontrastiert, «aber», betont Siegwart, «die Aufführung muss wortlos enden, mit Tanz.» Wie die tänzerische Umsetzung aussehen wird, wird sich weisen. Duméril kommt vom klassischen Ballett, ist aber ebenso sehr mit modernen Stilen vertraut. Das müssen auch die etwa 10 Tänzerinnen und Tänzer sein, die – auf Einladung von Duméril – am 11. März in Zürich vortanzen werden.

Felix Duméril mag starke Persönlichkeiten, die den «Mikrokosmos einer Familie» in starken Bildern vermitteln können. Er will jungen Tänzern in Königsfelden eine Chance geben und mit ihnen ein «Fest-Spiel» kreieren – fern von jeder Routine an festen Theaterhäusern. Solches schätzt ein überregionales Publikum. Kein Wunder hofft das OK auf gut ausgelastete Vorstellungen in der Kirche, in der eine Tribüne mit 350 Plätzen aufgebaut wird. Rund 800000 Franken beträgt das Budget für «Unternehmen Paradies»; aus dem Lotteriefonds steuert der Kanton Aargau 100000 Franken fix und 150000 Franken à fonds perdu bei.