Hausen

Ein Meisterwerk antiker Baukunst macht Platz für die Zukunft

Das 40 Meter lange Teilstück wird nach der Dokumentation durch die Kantonsarchäologie abgebrochen.

Das 40 Meter lange Teilstück wird nach der Dokumentation durch die Kantonsarchäologie abgebrochen.

Die römische Wasserleitung in Hausen muss dem Neubau der Stiftung Domino weichen. Diesen Freitag kann sie noch besichtigt werden. Die Kantonsarchäologie Aargau veranstaltet eine öffentliche Grabungsführung.

Mit dem Spatenstich für den Neubau Romeo der Stiftung Domino in Hausen letzte Woche sind nun die Tage des Teilstücks der römischen Wasserleitung, die quer durch die Parzelle verläuft, gezählt. Auf der Fläche – einer der letzten Landreserven von Hausen – wird spätestens in zweieinhalb Wochen mit dem Bau eines Wohn- und Atelierhauses mit 47 Betreuungsplätzen für Menschen mit Behinderung begonnen. Der Neubau mit seiner Tiefgarage führt zu einem Verlust des antiken Bauwerks auf einer Strecke von über 40 Metern. Um diesen Abschnitt der antiken Wasserleitung vor der Zerstörung zu dokumentieren und Gesteins- und Mörtelproben zu entnehmen, führt die Kantonsarchäologie Aargau derzeit Grabungen durch.

Leitung führte Trinkwasser ins Legionslager Vindonissa

Anders als eine zweite Leitung, die noch heute Wasser führt und im Untergeschoss der Sanavita-Alterssiedlung in Windisch zu besichtigen ist, befindet sich diese Leitung noch auf allen Abschnitten im Originalzustand und ist somit archäologisch und historisch besonders wertvoll. Der Verlauf beider Leitungen wurde bereits 1778 weitgehend kartografiert.

Mit einer Länge von über drei Kilometern und einem Gefälle von 4,5 Promille lieferte die mittlerweile trockengelegte Leitung vor rund 2000 Jahren Trinkwasser über eine Aquäduktbrücke beim heutigen Harmonie-Kreisel ins Legionslager Vindonissa. Gespiesen wurde sie vermutlich durch den aufgestauten Süssbach im Gebiet Guggerhübel bei Lupfig. Dann durchquerte sie Hausen, wo sie bei Bauvorhaben bereits wiederholt zum Vorschein kam und zum Teil zerstört wurde.

Um auch der Bevölkerung das Bauwerk zugänglich zu machen, veranstaltet die Kantonsarchäologie Aargau am Freitag, um 18 Uhr, eine öffentliche Grabungsführung. Jürgen Trumm, Leiter Ausgrabungen Vindonissa, wird dabei vor Ort sein. Der Anlass richte sich primär an die Einwohner von Hausen, aber auch Auswärtige seien herzlich willkommen, sagt Trumm auf Anfrage.

Im neuen Gebäude, das voraussichtlich 2022 bezogen werden kann, soll übrigens an die römische Wasserleitung erinnert werden. Denkbar sei etwa eine Info-Tafel mit Verlaufsplan und weiterführenden Links via QR-Code. (pbr)

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