Windisch
Ein Königsfelder Kleinod verschwindet – aber nur vorläufig

Weil die Aussenrestaurierung bevorsteht, sind die Archiv- und Schatzkammer des ehemaligen Klosters Königsfelden dieser Tage eingerüstet worden – ein ungewohnter Anblick.

Edgar Zimmermann
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Eingehüllt: Die früher in der Klosteranlage eingebaute Archiv- und Schatzkammer nördlich der Klosterkirche. NN

Eingehüllt: Die früher in der Klosteranlage eingebaute Archiv- und Schatzkammer nördlich der Klosterkirche. NN

Edgar Zimmermann

Das Giebelhäuschen wirkt unscheinbar. Lange Zeit war es als Agneskapelle oder -zimmer bezeichnet worden. Doch aus den Urkunden geht hervor, dass Königin Agnes östlich der Kirche ein kleines Haus bewohnt hatte.

Gleichwohl hat das nördlich der Klosterkirche stehende Giebelhäuschen im Gebiet des ehemaligen (Männer-)Franziskanerklosters eine besondere Bedeutung: Es handelte sich um die ehemalige Archivkammer, in alten Schriften auch als Schatzkammer bezeichnet.

Arbeiten dauern rund 5 Wochen

Als diese Klostergebäude um 1869 abgebrochen wurden, blieb nur dieser Bauteil verschont. Er ist neben der Klosterkirche der einzige erhalten gebliebene bauliche Zeuge im nördlichen Bereich aus der Klosterzeit, weshalb er besonders wertvoll ist.

Um 1872 erhielt er aus Schutzgründen ein Satteldach mit Treppengiebel aufgesetzt; letzterer wurde 1949 entfernt. Das heutige Bild eines freistehenden Gebäudes trügt, es handelte sich ursprünglich um einen Gewölberaum, der im Erdgeschoss des Klosterflügels integriert war: als wohl kunstvollster und massivster Raum.

Dieser Tage ist das kleine Bauwerk rundum eingerüstet und eingepackt worden. Wie der Leiter der Denkmalpflege Aargau, Reto Nussbaumer erklärte, wird eine Aussenrestaurierung ausgeführt, welche Fassade und Dach umfasst. Die Arbeiten werden rund fünf Wochen in Anspruch nehmen. Nicht einbezogen wird der Innenraum. Die reichen Wand- und Deckenmalereien waren 1952 umfassend gereinigt, fixiert und grosszügig ergänzt worden; 2012 wurden sie erneut gereinigt.

Zu sehen sind 27 bei der Schlacht von Sempach (1386) gefallene österreichische Ritter sowie Herzog Leopold III, die in Königsfelden beigesetzt worden waren. Geschmückt sind die Gewölbefelder auch mit Blumenmotiven und Pflanzenornamenten. In der Archiv- und Schatzkammer waren zur Klosterzeit wohl die Urkunden und weitere Akten aufbewahrt worden. Ob auch die wertvollen Schätze hier lagerten, kann nicht schlüssig nachgewiesen werden.

Deshalb verwendet man seitens der Denkmalpflege heute den allgemeineren Begriff Archivgewölbe, so Nussbaumer. Königsfelden war aber wie eine Domkirche reich ausgestattet, so mit Kelchen, Kruzifixen, Reliquien, Statuen, Messgewändern und Kleinodien.

Allein aus Ungarn soll Agnes um die 800 Kleinodien mitgebracht haben. In der Reformationszeit wurden die Gegenstände nach Bern verbracht, wo das Edelmetall eingeschmolzen, der Rest verkauft wurde. Erhalten blieb nur ein sehr kleiner Teil des Königsfelder Schatzes.

Das eindrückliche Archivgewölbe kann nach erfolgter Aussenrestaurierung beim Besuch der Klosterkirche wieder besichtigt werden (Schlüssel verlangen).

Quellen Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau/Kloster Königsfelden. Brugger Neujahrsblätter 1950 und 1954. Geschichte von Windisch (von Max Baumann).

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