Wer mit Karoliina Elmer, Gastkuratorin des Brugger Heimatmuseums, über den Schweizer Landschaftsmaler Adolf Stäbli sprechen will, muss das Aargauer Kunsthaus aufsuchen (siehe Box). Dort ist soeben eine grosse Stäbli-Ausstellung eröffnet worden. Ihr Titel «Meine Malerei ist Erlebnis, nicht Erfindung» ist Programm. Wer sich Zeit nimmt für 39 Gemälde, drei Skizzenbücher, 18 Zeichnungen – inklusive zweier grossformatiger, grandioser Kohlezeichnungen – wird merken, was damit gemeint ist.

Stäbli war ein Meister im Beschwören von Stimmungslandschaften: seien es solche aus dem Aargau oder dem deutschen Harz. Bedrohliche Wolken, die Gewitter ankünden; undurchdringlich erscheinende Regenwände; Wege, die scheinbar ins Nichts führen und immer wieder – Bäume: Solche, die gerade oder schief, vom Sturm gepeitscht, in der Landschaft stehen. Man ist baff; bewundert die bildkompositorischen Eigenheiten von Stäblis Gemälden und freut sich. Nicht allein darüber, dass im Aargauer Kunsthaus Werke aus einheimischen und ausländischen Museen gezeigt werden, sondern auch zwei aus dem Brugger Rathaussaal und drei aus dem Stäbli-Stübli.

«Ja», nickt Karoliina Elmer, «die Stäbli-Sammlung in Brugg ist ein Juwel, das es verdiente, noch bekannter zu werden. Wer weiss, vielleicht kann die Ausstellung in Aarau dazu beitragen.»

Die Projektleiterin Sammlung Online am Aargauer Kunsthaus ist von Oktober 2014 bis Ende Mai 2015 Gastkuratorin im Brugger Heimatmuseum, das sich im Besitz der Ortsbürgergemeinde befindet. Diese hatte im Juni letzten Jahres einen Kredit von 342 500 Franken für die Sanierung des Heimatmuseums im ehemaligen Zeughaus in der Unteren Hofstatt bewilligt, worauf die Arbeiten zügig an die Hand genommen wurden.

Die 50, nicht nur von Adolf Stäbli, sondern auch von Malerfreunden wie Rudolf Koller und Otto Frölicher stammenden Gemälde wurden in ein Depot gebracht. Dass einige davon Eingang in die Aarauer Ausstellung fanden, mutet zufällig an – ist es aber nicht: Sie war schon lange geplant. Während Adolf Stäbli derzeit in Aarau bewundert werden kann, laufen die Arbeiten in Brugg auf Hochtouren. Das Stäbli-Stübli wird neu, vor allem aber geordneter, erscheinen. Korpusse wird man ebenso wenig antreffen wie eine Staffelei. «Wir legen den Fokus auf weniger Bilder», so Karoliina Elmer. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Die eine Fensterfront wird abgedeckt, sodass der Raum über eine zusätzliche Wand verfügt. Weniger Werke bedeutet aber auch, dass ein Teil ausgelagert wird. Zum neuen Ausstellungskonzept gehören ferner die Beleuchtung und die Bemalung der bisherigen weissen Wände. Noch ist die Farbe nicht bestimmt, sie wird dunkler sein.

Die Unterschiede in der Präsentation und in der Wahrnehmung des Betrachters lassen sich im Aargauer Kunsthaus sogleich überprüfen. Da hängt die eine Stäbli- Landschaft an einer weissen, die andere an einer in hellerem Grün gestrichenen Wand. Frappant. Weiss wirkt im Kontrast zur dramatisch-düsteren Bildkomposition hart, das lichte Grün hingegen weich. Dergestalt sind die Feinheiten, mit denen das Stäbli-Stübli für die Zukunft gerüstet wird.

Karoliina Elmer freut sich schon auf den Mai, wenn der letzte Schliff in Brugg anfällt und das Stübli neu eröffnet wird. Bis dahin hat die Stadt Brugg Zeit darüber nachzudenken, wie sie «ihren» Adolf Stäbli nach dem vorhersehbaren Erfolg der Aarauer Ausstellung noch bekannter – etwa in Schulen - machen kann.