Oberflachs
Ein Jahr gebraucht, um einen Hamburger zu produzieren – in vier Minuten gegessen

Die Schüler vom Schulheim Schloss Kasteln in Oberflachs zeigen Jugendlichen aus ganz Europa, wie ein Hamburger entsteht. Um alle Zutaten zu produzieren, brauchten die Schüler ein Jahr. So kam er zustande.

Claudia Meier
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Die beiden Austauschschülerinnen, Kamila (l.)und Patrycija, beim Zubereiten von Pierogi – einer polnischen Spezialität – im Schulheim Schloss Kasteln. ZVG

Die beiden Austauschschülerinnen, Kamila (l.)und Patrycija, beim Zubereiten von Pierogi – einer polnischen Spezialität – im Schulheim Schloss Kasteln. ZVG

Hamburger, Pommes und Chicken Nuggets nach Lust und Laune. Acht Schüler vom Schulheim Schloss Kasteln durften vor einer Woche in einem Schnellimbiss essen, was sie wollten. Die Bilanz: Sie haben 1,1 Kilogramm Fett und 900 Gramm Zucker zu sich genommen.

Projekt «Good Food – Good Mood»

Zehn europäische Schulen nehmen am Comenius-Projekt «Good Food – Good Mood» (Gutes Essen - Gute Laune») teil, das vom August 2012 bis Juli 2014 dauert. Das Ziel ist, die europäische Zusammenarbeit zu verbessern, Schülern die Wichtigkeit von Fremdsprachen aufzuzeigen, Vorurteile abzubauen sowie mehr über Nahrung und die Auswirkungen auf Körper, Seele und Umwelt kennen zu lernen. Neben dem Schulheim Schloss Kasteln in Oberflachs beteiligen sich nur rund ein Dutzend anderer Schweizer Schulen an multilateralen Schulpartnerschaften der EU. (az)

Für dieses Experiment gab es einen guten Grund: Die Oberstufe des Schulheims Schloss Kasteln ist Teil des europaweiten Projekts «Good Food – Good Mood». Lehrerin Marianne Herzog erklärt, was die Absicht war: «Nach dem Besuch haben wir die Menge Tierfett und Zucker abgewogen, die wir zuvor mit dem Fastfood vertilgt hatten.» Mit diesem Erlebnis sollten die Schüler erfahren, was wirklich im Fastfood steckt. «Viele Schüler wissen nicht, woher das Fleisch kommt, wie eine Tomate oder der Weizen wächst», räumt Herzog ein.

Das Schulheim beteiligt sich mit «Von Null zum Hamburger» an diesem Projekt. Es geht darum, selber Tomaten und Zwiebeln zu ziehen, Ketchup herzustellen, das Weizenfeld und die Brotherstellung kennen zu lernen sowie ein Kälbchen bei der Aufzucht zu begleiten. Der Umgang mit dem Essen und Kenntnisse über die Herkunft der Nahrungsmittel sind nur ein Aspekt des Projekts.

Mindestens so wichtig ist der Austausch mit den beteiligten Schulen aus Spanien, Polen, Rumänien, Schweden, Niederlande, Grossbritannien, Deutschland und Italien. Im Februar besuchten zwei polnische Schülerinnen das Schulheim in Oberflachs. Sie kochten typisch polnische Gerichte. «Unsere Schüler erfuhren so, dass in Polen viel Kohl gegessen wird. Das schmeckte ihnen zwar nicht besonders, aber der Austausch war sehr wertvoll», so Herzog.

Im April reisen vier Schüler von Oberflachs mit vier Erwachsenen nach England für ein grosses Delegationstreffen. Die Schüler stellen dort auf Englisch ihre Projekte vor. Mit dabei ist auch das bunte Cupcake-Maskottchen, das Herzog im vergangenen Herbst gehäkelt hatte. Es ist verziert mit den Farben der beteiligten Staaten. In England soll es einen Namen erhalten. In der Zwischenzeit hat Herzog zehn kleinere Maskottchen gefertigt. Jede Nation soll ein Junges erhalten. «So wird die Botschaft weitergegeben», sagt Herzog.

Auf dem Bauernhof Kasteln kam Anfang März das Kälbchen «Romenius» zur Welt. Die Schüler lernen mit der Aufzucht des Kälbchens, was es für die Fleischproduktion braucht. «Mit dem Skandal um die Pferdefleisch-Lasagnen ist dieses Thema besonders aktuell», räumt Herzog ein. «Bis wir alle Zutaten für einen Hamburger produziert haben, dauert es gut ein Jahr. Gegessen ist er in vier Minuten. Diese Erkenntnis ist für die Schüler beeindruckend.» Das Projekt scheint alle zu beflügeln. Motivationsprobleme kennt Herzog in ihrer Abschlussklasse daher nicht.

Vieles ist bereits aufgegleist. Doch in den Köpfen schlummern noch unzählige Ideen. Herzog kann sich vorstellen, mit den Schülern auf Schloss Kasteln für einige Tage ein Restaurant zu führen oder mit den besten Rezepten eine Broschüre zu drucken. «Das Projekt bietet für unsere Schüler unglaubliche Möglichkeiten. Sie merken beim Austausch mit den europäischen Partnern, dass sie in einem neuen Umfeld bestehen können. Der Teamgedanken ist ganz wichtig. Wir sind alle aufeinander angewiesen», so Herzog zur Motivation für die Teilnahme.

Mehr Infos zum Projekt mit OsterbrotRezept: http://gfgmkasteln.jimdo.com

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