Ein isländisches Sprichwort sagt: Lege nie alle Eier in den gleichen Korb. Heisst so viel wie: Setze nicht alles auf dieselbe Karte. Daran hält sich Daniel Kjartan Johnson. Er weiss warum, das hat ihn – unter anderem – die Wirtschaftskrise in Island gelehrt, durch die er sein Unternehmen erfolgreich geschleift hat.

Auch darum ist der Isländer, der auf dem Mutschellen, in Widen und in der isländischen Hauptstadt Reykjavík einen Teil seiner Kindheit verbracht hat, in die Schweiz zurückgekehrt. Zurücklehnen liegt ihm nicht. Nachdem er in Island ein Camper- und Reiseunternehmen durch die Finanzkrise gerettet hat, möchte er nun in der Schweiz durchstarten.

In Gebenstorf verkauft und vermietet er gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Marion Thalmann seit dem 1. April Wohnmobile für sechs Personen sowie kleinere Mini-Camper, die im hinteren Teil in einem ausgeklügelten System mit Matratzen und einem Kochfeld ausgestattet sind. Minimale Ausstattung, maximale Freiheit und dazu getestet in Island. «Wenn ein Auto Island aushält, dann läuft es auf der ganzen Welt», sagt Daniel Kjartan Johnson. «Es ist auch möglich, dass jemand das Auto in Gebenstorf mietet und damit bis nach Island fährt.»

Nebst dem Camperverleih führt er ein Reiseunternehmen, eine Beratungsfirma sowie zwei isländische Gasthäuser, importiert Autos nach Island und bietet zudem Softwarelösungen an – insgesamt sind es acht Geschäftsbereiche, die unter dem Namen Johnson Group aufgeführt sind.

Die jüngere Geschichte des Unternehmens geht zurück ins Jahr 2007. Daniel Kjartan Johnson hatte damals einen festen Job bei der Schweizer Armee, als er angefragt wurde, in einem Camper- und Wohnmobil-Unternehmen in Island im Sommer auszuhelfen. Am Unternehmen waren drei Firmen beteiligt, unter anderem eine des Vaters von Daniel Kjartan Johnson. Er sagte zu. Denn die Saison in Island dauerte damals nur von etwa Ende Juni bis Mitte August. Knapp 400 000 Touristen verirrten sich vor zehn Jahren auf die Insel im hohen Norden. Heute ist praktisch das ganze Jahr Saison. Für 2017 erwarten die Isländer 2,5 Millionen Touristen.

Ein Unfall und die Krise

Doch es blieb nicht bei dieser einen Saison im Jahr 2007, die Daniel Kjartan Johnson in Island verbrachte. Ein Jahr später warf ein Anruf sein Leben über den Haufen.

Sein Vater hatte einen schweren Autounfall – einen Tag, bevor die Banken in Island in die Krise gerieten. Im Verhältnis zur Grösse seiner Wirtschaft ist Islands Banken-Zusammenbruch der grösste von allen Ländern in der Wirtschaftsgeschichte. Das Unternehmen brauchte Hilfe, die Hilfe von Daniel Kjartan Johnson.

Er liess in der Schweiz alles stehen und liegen und übernahm das Steuer der Camper-Firma. Und während die Konkurrenz rundherum Konkurs ging, wagte er die Flucht nach vorne. «Ich ging zur Bank, sagte, dass wir ein gutes Produkt verkaufen und es gut läuft», erinnert er sich. «Ich sagte den Bankern: ‹Entweder unterstützt ihr uns, oder ihr könnt gleich hier den Kessel mit all den Autoschlüsseln des Unternehmens haben.›» Heute muss Daniel Kjartan Johnson lachen, als er an diese Situation zurückdenkt. «Manchmal muss man etwas pokern», meint er und ergänzt: «Das ist wie der Isländer, der in den Schafstall geht, vor einem Haufen Mist steht und dann einfach irgendwo zu schaufeln beginnt, bis alles wieder sauber ist.» So habe er diese Krise angepackt.

Das Vorpreschen war erfolgreich. Mittlerweile läuft die zehnte Saison seit Beginn der Finanzkrise. Die Zusammenarbeit mit der Bank funktioniere gut. Die Fahrzeugflotte besteht heute aus 150 Fahrzeugen, vor zehn Jahren war es noch 50. «Bald haben wir die letzten Meter der Finanzkrise hinter uns», meint Daniel Kjartan Johnson.

Die Touristen kommen in Strömen, vor allem auch die Asiaten haben Island entdeckt. «Die meisten unserer Kunden kommen aus der Schweiz und im Winter aus Thailand», sagt Daniel Kjartan Johnson. Übernehmen diese in Island ein Auto, wird ihnen zuerst gezeigt, wie sie im Schnee zu fahren haben. «Einmal ist ein Thai für längere Zeit im Schnee stecken geblieben», erzählt Johnson. «Ich hatte schon Angst, dass es eine schlechte Bewertung gibt. Stattdessen war er begeistert.»

Die ersten Jahre pendelte Daniel Kjartan Johnson zwischen der Schweiz und Island. Ein Leben aus den Koffern, ein Leben in Hotelzimmern und auf Messen. 2012 fasst er gemeinsam mit seiner Partnerin den Entschluss, nach Island auszuwandern. In Hreðavatnsskáli, im Westen Islands, kauften sie einen alten Gasthof, restaurierten diesen und brachten ihn wieder zum Laufen. Heute führt ein Wirt aus Untersiggenthal – er war vorher im Restaurant Linde tätig – den Gasthof. Die Spezialität: Organische Pasta, die im Restaurant angeboten wird, aber auch an Hotels verkauft wird – ein Novum in Island.

Doch das Jahr 2012 brachte nicht nur Erfreuliches. Daniel Kjartan Johnson holte einen guten Freund aus der Armee an Bord seines Unternehmens, weil dieses so gut lief. Kaum war dieser in Island, diagnostizierten die Ärzte Leukämie. Wenige Monate später starb Daniel Kjartan Johnsons Freund. «Das war ein weiterer Schlag», sagt er. Doch er und Marion Thalmann machten weiter. 2015 übernahm ein eigentlich pensionierter Onkel von Daniel Kjartan Johnson viel Arbeit im Unternehmen, «weil er nicht zu Hause sitzen und ständig Solitaire spielen wollte».

Und langsam reifte in Daniel Kjartan Johnson und Marion Thalmann der Entschluss, wieder in die Schweiz zurückzukehren. Denn: Sich auf den Lorbeeren ausruhen, das können sie nicht. «Wir sind permanent daran interessiert, etwas zu bewegen. Wir sind gerne dort, wo es etwas zu tun gibt», erklärt er.

Fast isländische Verhältnisse

Und so kehrten die beiden vor wenigen Monaten zurück in die Schweiz. Als Wohngemeinde wählten sie Thalheim im Schenkenbergertal aus. «Nach all den Jahren in Island wollten wir nicht gleich in die Stadt ziehen», scherzt Daniel Kjartan Johnson. Er schätze die Ruhe zwischen der Ruine Schenkenberg und der Gisliflue. «In Thalheim kennen einen die Leute schnell, die Kassierin im Volg kennt bereits unsere Namen, das sind fast isländische Verhältnisse.»

Und nun wollen sie den Schweizern mit ihrem Camper-Unternehmen die Schweiz näher bringen. «Ich habe eine grosse Liebe zur Schweiz in mir», sagt Daniel Kjartan Johnson. «Die will ich weitergeben.» Um die einheimischen Touristen anzulocken, plant er eine Aktionswoche. In dieser können die Autos in Gebenstorf mit 30% Rabatt gemietet werden. Im Wettbewerb gibt es eine Gratiswoche mit dem Mini-Camper zu gewinnen. Die Aufgabe für jene, die profitieren wollen: Ein Video von ihrem Ausflug drehen. «Wir sind in einer schwierigen Branche tätig», gibt Daniel Kjartan Johnson zu bedenken. «Entsprechend muss man innovativ sein.» Mit dem Camper King in Gebenstorf hat Daniel Kjartan Johnson ein weiteres Ei sorgfältig in einen seiner Körbe gelegt.