Windisch/Brugg

Ein Handy-Klingelton dient als Lockruf für die Mehlschwalben

Neue Nistmöglichkeiten für die Zugvögel: In der Nähe von Aare und Sportausbildungszentrum Mülimatt zwischen Windisch und Brugg ist ein Mehlschwalbenhaus erstellt worden.

Auf der Mühlemattstrasse zwischen Brugg und Windisch ist der Lastwagen parkiert am Montagmorgen. Fein säuberlich verstaut sind darauf die beiden Bodenplatten aus Beton, der rund fünf Meter hohe Metallpfosten sowie das Metalldach – Material von gegen drei Tonnen. Die zuständigen Handwerker befestigen die Elemente am Kranhaken und befördern sie an ihren Platz auf dem Mülimatt-Areal. Nach nur rund einer Stunde steht das neue Mehlschwalbenhaus. 

Nester können abgesenkt werden

Für das Vorhaben verantwortlich zeichnet Birdlife Brugg und Umgebung. Präsidentin Maja Suter und Projektleiterin Gertrud Hartmeier ist die Freude darüber anzusehen, dass nach einer Planungs- und Bewilligungsphase von gut zwei Jahren die Nistmöglichkeiten für die Zugvögel geschaffen werden können. 

Aufwändig: So wuchs das neue Zuhause der Schwalben aus Brugg und Umgebung in die Höhe.

Aufwändig: So wuchs das neue Zuhause der Schwalben aus Brugg und Umgebung in die Höhe.

Das Mehlschwalbenhaus passe gut in die Umgebung, die sich zu einem beliebten Naherholungsraum entwickelt habe. Gross und klein erhalte die Gelegenheit, die Tiere kennenzulernen und gar beim Brüten oder bei der Jagd über der Aare zu beobachten.

Um die Montage des Mehlschwalbenhauses kümmert sich Ruedi Schütz, Inhaber der Schütz Holzbau in Lausen BL, zusammen mit zwei Kollegen. Viele Worte brauchen sie nicht, jeder Handgriff sitzt. Kein Wunder, hat Schütz doch mittlerweile gegen 50 Mehlschwalbenhäuser erstellt. Und handelt es sich überdies um ein bewährtes und ausgeklügeltes System. Die 50 Kunstnester können zur jährlichen Reinigung mit einer Seilwinde abgesenkt werden.

Zu Buche schlägt das ganze Projekt mit rund 13 000 Franken. Für die Finanzierung hat Birdlife Brugg und Umgebung Sponsoren gefunden. Überdies erhalten Privatpersonen die Möglichkeit, für 200 Franken ein einzelnes Nest zu kaufen. Interessierte müssen sich indes beeilen: Zu haben sind nur noch 12 Stück.

Präsidentin Suter und Projektleiterin Hartmeier hoffen, dass die Zugvögel die Nistmöglichkeiten bald entdecken und in Beschlag nehmen. Angelockt werden die Tiere übrigens mit dem Gesang der Mehlschwalben. Abgespielt wird dieser Ruf als Klingelton über ein Handy.

Bestände sind zurückgegangen

Die Bestände der Mehlschwalbe sind laut Birdlife Brugg und Umgebung in den letzten 20 Jahren stark zurückgegangen. Die Zugvögel brüten in Kolonien von 2 bis 100 Paaren. Ihre Nester bauen sie an senkrechten Wänden unter natürlichen oder künstlichen Überhängen, zum Beispiel unter dem Dachvorsprung an der rauen Fassade eines Hauses. Die Mehlschwalben ernähren sich von Insekten, die sie in der Luft jagen.

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