Brugg

Ein Geschenk der Ortsbürger – das erste Fabrikgebäude der Stadt

Ein Blick in die Architekturgeschichte des Effingerhofs gibt Aufschluss über den grossen Gebäudekomplex. Am Donnerstag findet zum Thema ein Fachvortrag mit dem Badener Kunsthistoriker Fabian Furter vor Ort statt.

Im Zusammenhang mit dem Wegzug des Produktionsbetriebs der Druckerei Effingerhof nach Kleindöttingen und dem Verkauf des Firmenareals an der Storchengasse entstand im Auftrag der Abteilung Planung und Bau der Stadt Brugg ein architekturhistorisches Gutachten. Erstellt wurde dieses von Kunsthistoriker Fabian Furter aus Baden. Zum Einstieg in die zweitletzte öffentliche Werkstatt zur Umnutzung des Effingerhofs diesen Donnerstag wird er einen Fachvortrag zum historischen Kontext sowie zum Umgang mit der Bausubstanz halten.

Auf dem heutigen Druckerei-Areal in Brugg stand bis 1864 der alte Effingerhof, ist Furters Gutachten zu entnehmen. Erbaut durch Herzog Albrecht II. von Österreich (geboren auf der Habsburg) Anfang des 14. Jahrhunderts gelangte das in die Ringmauer von Brugg integrierte Wohnkastell unter einem mächtigen Walmdach 1323 in den Besitz der Familie Effinger. Die Effinger waren ein Dienstadelsgeschlecht der Habsburger und nutzten den Effingerhof während Generationen als Herrensitz. 1598 ging die Festung in den Besitz der Stadt Brugg über und wurde fortan als Magazin sowie Kornhaus benutzt.

Ortsbürger machten ein Geschenk

Im Dezember 1863 traten die Ortsbürger den alten Effingerhof unentgeltlich an Gottlieb Friedrich Fisch-Hagenbuch (1817–1887) ab mit der Auflage, an dessen Stelle ein industrielles Etablissement zu errichten. Fisch quittierte das Geschenk mit 5000 Franken in bar zuhanden der Stadt und beabsichtigte, eine Buchdruckerei aufzubauen. Durch das Geschenk an den ursprünglich aus Brugg stammenden Unternehmer erhoffte man sich, endlich industrielles Gewerbe anzulocken. Fisch war bis dahin als Geschäftsführer von Orell Füssli und Redaktor der Neuen Zürcher Zeitung in Zürich tätig. Der historischen Bausubstanz des Effingerhofs wurde damals keine Bedeutung beigemessen.

Fisch kaufte zusätzliche Liegenschaften, die den Effingerhof umgaben, und liess das Ensemble im Frühjahr 1864 abbrechen. Der Zürcher Architekt Wilhelm Waser wurde mit der Planung eines Druckereigebäudes mit Ladenlokal sowie Verwaltungs- und Wohnhaus für Fisch und seine Familie beauftragt. Die Bauarbeiten wurden 1865 abgeschlossen.

Um 1915 erfolgte der Abbruch der Schilplin-Scheune. An deren Stelle wurde der erste Erweiterungsbau des Produktionsbetriebs nach Süden errichtet. Dem westseitigen Anbau des Betriebs ging eine jahrelange Diskussion um die zulässigen Baulinien voraus. Schon 1920 ersuchte die Effingerhof AG die Baubehörde um eine Bewilligung für den Bau einer Autogarage auf dem Perimeter des einstigen Stadtgrabens und erhielt eine Abfuhr mit der Begründung, dass die althergebrachten Gebäudefluchten auch die Baulinien in der Altstadt definierten. Anfang 1924 lag die Baubewilligung vom Kanton vor.

Architekt Albert Froelich beriet

Die Effingerhof AG liess sich in diesem Prozess von Architekt Albert Froelich beraten, der mit dem Stapfer-Schulhaus (1909), dem Vindonissa-Museum (1914) und dem neuen Bahnhof (1920) in Brugg architektonisch hochstehende Solitäre geschaffen hatte und einen entsprechend vorzüglichen Ruf genoss. Das bis heute erkennbare Zeugnis dieser Zusammenarbeit ist die frappante Ähnlichkeit der Westfassade mit den beiden halbrunden Treppentürmen mit der Westfassade von Froelichs Bahnhofgebäude.

Der Brugger Architekt Carl Froelich erhielt von der Effingerhof AG 1938 den Auftrag, nach baulichen Lösungen zu suchen, die dem Betrieb mehr Produktions- und Lagerräume brachte. Anfang 1939 lag die Baubewilligung für die Aufstockung vor. Carl Froelich sah in der vorgeschlagenen geschlossenen Dachform eine ästhetische Verbesserung der Hauptfassade zur Museumsstrasse hin.

Anfang der 1950er-Jahre kaufte die Effingerhof AG drei der südseitig an ihr Areal angrenzenden Liegenschaften, um einen Erweiterungsbau zu erstellen und dadurch die «arbeitshemmenden Platzverhältnisse» zu verbessern. Die erneute Verschiebung der Baulinie führte zu einem monatelangen Hin und Her zwischen Bauherrschaft und Behörde. Im Frühjahr 1957 begannen die Bauarbeiten mit dem Abbruch von drei Altstadtliegenschaften.

Der erste Entwurf von Architekt Ernst Strasser für einen Ersatzneubau des Verwaltungsgebäudes wurde 1965 von der Baukommission abgewiesen. Die Gebäudehöhe musste um ein Geschoss reduziert werden. Mit dem Neubau wurde die offene Bogenhalle zur Druckerei geschlossen.

Fachvortrag von Fabian Furter diesen Donnerstag, 21. Februar, um 17.10 Uhr, im Effingerhof, Büroraum 2. OG, im Rahmen des öffentlichen Partizipationsprozesses.

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