Rund zwei Dutzend Schülerinnen und Schüler, ebensoviele Laptops – und ein grasgrüner Frosch, um den sich an diesem Tag alles dreht. «Frogger» heisst das Videospiel, das die jungen Teilnehmer der «Code & Make-Party» an der der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch in ihren Bann zieht.

Konzentriert sitzen die Mädchen und Buben vor ihren Bildschirmen, gestalten Spielfiguren anhand einzelner Pixelpunkte, definieren Regeln und tippen Programmierzeilen ein, die das Verhalten ihres Froschs in der virtuellen Welt steuern.

Von grosser Bedeutung

Die ungewöhnliche Lehrveranstaltung im Game Design Studio der FHNW ist Teil der internationalen Computer Science Education Week, die seit letztem Jahr auch in der Schweiz durchgeführt wird. Das ursprünglich in den USA entwickelte Programm verfolgt das Ziel, auf die Wichtigkeit des Informatikunterrichts in der Schule aufmerksam zu machen.

«Der Gedanke, dass Informatik schwierig und langweilig ist, hält sich hartnäckig in den Köpfen junger Menschen», erklärt Alexander Repenning. Dies zu ändern ist die Mission des Professors für Informatische Bildung an der FHNW. Darum hat er 2014 die Lehrwoche aus den USA – wo er 20 Jahre geforscht und junge Menschen für Informatik begeistert hat – in die Schweiz gebracht. Mit beachtlichem Erfolg: Rund 10 000 Schülerinnen und Schüler aus 21 Kantonen und 169 Städten haben letztes Jahr daran teilgenommen.

Mitmachen ist für Schulklassen kinderleicht. Interessierte Lehrpersonen registrieren sich online für die Informatikwoche und erhalten Zugang zu verschiedenen Programmierübungen für Einsteiger und Fortgeschrittene – inklusive den Tutorialvideos, welche die Schülerinnen und Schüler durch die einzelnen Schritte beim Erstellen der Programme führen.

Repenning ist überzeugt, dass die Lehrwoche für die Schweizer Wirtschaft von grosser Bedeutung ist. «Informatik gehört heute zu fast jedem Beruf dazu. Rutschen keine neuen Fachleute mehr nach, haben wir ein Problem.» Doch der Professor sieht im Computer auch ein wichtiges Denk- und Lernwerkzeug: «Beim Lernen wird zu oft konsumiert, was bereits da ist. Wer Konzepte und Modelle aber selbst erschafft, ist fokussierter und kann das Gelernte besser erfassen.»

Mädchen für das Thema begeistern

Das erkennt auch Mike Burger, Lehrer der 5. Primarklasse vom Schulhaus Erle in Brugg, der heute mit zehn Schülerinnen und Schülern an der «Code & Make-Party» an der FHNW teilnimmt. Er ist überzeugt: «Informatik kommt im Schulplan zu kurz. Es muss kein eigenes Fach sein, aber es ist wichtig, Kinder früh an die Thematik heranzuführen.» Als ehemaliger Softwareentwickler ist er begeistert von der Veranstaltung. «Die Kinder sind konzentriert und arbeiten weitgehend selbstständig. Das Programmieren ist nicht zu abstrakt und schafft so einen spielerischen Einstieg in die Thematik.» Burger findet es bedenklich, dass es fast keine Frauen in Informatik- oder Ingenieurberufen gibt. Er versucht daher, insbesondere die Mädchen für die Materie zu begeistern.

Die 13-jährige Michelle aus einer 1. Bez-Klasse in Brugg versucht gerade, eine Nachricht zu programmieren, die erscheint, wenn ihr Frosch auf einen Stein hüpft. «Das Programmieren des Spiels und das Gestalten der Figuren macht viel Spass», findet die Schülerin, fügt jedoch an: «Später mit Computern zu arbeiten, kann ich mir aber kaum vorstellen. Manchmal ist das recht langweilig.»

Ganz anderer Meinung ist Klassenkamerad Frank. Er hat in der Freizeit schon einmal Programmiersprache angewandt und ist bereits mit dem letzten Schliff seines Videospiels beschäftigt. «Ich arbeite sehr gerne am Computer. Für mich wäre eine Ausbildung zum Informatiker ideal», so der 13-Jährige.

Matthias aus der 6. Primarklasse in Windisch macht das Programmieren des Froschspiels grossen Spass. Auch wenn der 12-Jährige bereits erfahren musste, wie akribisch genau man dabei vorgehen muss: «Wenn man nur einen kleinen Fehler macht, funktioniert das ganze Spiel nicht mehr.»