«Ich möchte eine bessere Beziehung zur Natur bekommen und dazu muss ich nicht in die USA oder sonst wohin fahren», sagt Elsbeth Thalmann, eine Teilnehmerin am Landartanlass «Aue des Monats». Auch wegen des sozialen Aspekts ist sie da.

Unter der Anleitung des Landschafts- und Lichtkünstlers Ulrich Studer wagten sich 15 Teilnehmer in die Aue im Wasserschloss. Am Morgen konnten sie sich einen Baum aussuchen und diesen ringförmig mit Asche bemalen. «Jeder hat seinen eigenen Zugang zur Aue, heute bieten wir einen künstlerischen», sagt Studer. Aber nicht nur die Kunst sei im Vordergrund, sondern auch das sinnliche Erleben und das Beobachten der Aue.

In diesem Zeichen steht der Nachmittag: Die Teilnehmer sitzen an der Aare und hören dem Fluss zu. Anschliessend schreibt jeder einen Begriff, der ihm gerade in den Sinn kommt, auf ein Blatt. Die Blätter werden anschliessend in der Aue aufgehängt. «Daraus ergibt sich eine Geschichte, die Geschichte dieser Gruppe, dieses Orts und zu diesem Zeitpunkt – eine soziale Plastik», sagt Studer. Der Künstler erklärt weiter, dass sich der ganze Tag um das Wasser dreht.

AchtMal dieses Jahr wird eine Aue des Monats vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) des Kantons Aargau gekürt. Mit verschiedenen Veranstaltungen werden diese Erholungsgebiete vor der Haustüre dem Publikum schmackhaft gemacht. A

ber wieso wird gerade in diesem Jahr die Aue vom BVU in Zusammenarbeit mit dem Naturama in den Vordergrund gerückt? Diese Geschichte geht weit zurück. Begonnen hat sie vor etwa 150 Jahren. In dieser langen Zeit sind im Aargau 90 Prozent der Auen verschwunden. Der Grund für diesen drastischen Rückgang waren Aktivitäten des Menschen: Die Flüsse wurden kanalisiert für den Hochwasserschutz und aufgestaut für die Stromgewinnung.

Auengebieten und -wäldern selbst ging es nicht besser: Durch Trockenlegung und Rodung wurde Land für die Landwirtschaft und die Industrie nahe an den Flüssen gewonnen. Diese Eroberungen der Natur für den Fortschritt und den Wohlstand hatten aber ihren Preis. Auen bedeckten nur gerade 0,3 Prozent der Fläche unseres Kantons, aber 40 Prozent aller einheimischen Pflanzenarten kommen darin vor. So sind Auen für den Erhalt der Artenvielfalt wichtig. Erst in den 90er-Jahren wurde diese Entwicklung mit der kantonalen Volksinitiative «Auenschutzpark – für eine bedrohte Lebensgemeinschaft» gestoppt. Nach der Annahme der Initiative im Jahr 1993 machten sich 1994 – also genau vor 20 Jahren – die ersten Bagger ans Werk. Dieses Jubiläum ist der Grund für die Aktivitäten in diesem Jahr.

Heute macht die Auenfläche im Kanton wieder etwa ein Prozent aus. «Wir wollen zeigen, was wir in diesen 20 Jahren erreicht haben, aber nicht nur das», sagt Erik Olbrecht, Projektleiter des Auenschutzparks. Jeder Anlass verfolgt einen anderen Zugang zur Aue. «Aber gerade das Wasserschloss ist etwas ganz Spezielles, denn hier fliesst die Aare frei und dadurch entsteht eine Aue, die sich ständig verändert», erklärt er weiter.