Windisch

Ein Deutscher Preis für einen Aargauer Farbkünstler

Der Windischer Maler und Farbforscher Stefan Muntwyler bei den Vorbereitungen zu seinem Buch über Pigmente und Farbstoffe. archiv/PBE

Der Windischer Maler und Farbforscher Stefan Muntwyler bei den Vorbereitungen zu seinem Buch über Pigmente und Farbstoffe. archiv/PBE

Der Maler Stefan Muntwyler wird in Berlin mit dem Karl-Miescher-Preis ausgezeichnet. Der gebürtige Wettinger – Sohn eines malenden Lehrers – ist seit langem der Malerei und der Farbforschung leidenschaftlich verbunden.

Wer das Telefon klingeln hört, nimmt neugierig ab. Der Maler und Farbforscher Stefan Muntwyler staunte, als er erfuhr, dass er am kommenden Samstag im Umspannwerk Berlin den renommierten Karl-Miescher-Preis 2012 des Deutschen Farbenzentrums bekommen wird. Der gebürtige Wettinger – Sohn eines malenden Lehrer-Vaters – ist seit langem der Malerei und der Farbforschung leidenschaftlich verbunden.

Das Buch schlug ein

Muntwyler sammelt seit Jahren mineralische, organische und synthetische Pigmente, wobei er die mineralischen Pigmente zu Bildern verarbeitet. Jede Farbe ist rein aufgetragen und dabei immer einem Stein oder einer Erde zugeordnet. 2007 gestaltete der Künstler für die Marienkapelle der katholischen Kirche Windisch monochrome Malerei auf einer neunteiligen grossen Holzwand mit Lapislazuli-Pigment sowie ein monochromes Fresko als Hintergrund für die Marienstatue.

2010 erschien das mit 15 Druckfarben hergestellte Buch «Farbpigmente, Farbstoffe, Farbgeschichten», das ebenso in der Fachwelt wie beim Publikum einschlug. Muntwyler stellt darin viele Fragen. Zum Beispiel: Weshalb leuchtet der Mantel einer italienischen Madonna aus dem 13. Jahrhundert heute noch so intensiv blau, als ob er erst gestern gemalt worden wäre?

Dieses Blau ist jedoch nur eine Farbe unter vielen Farben, um die es im Buch geht; das Kompendium präsentiert auch noch 317 Pigmente und Farbstoffe mit entsprechenden Farbmustern und Grundstoffen: Mineralien, Erden, natürliche organische Substanzen und chemische Formen. Zudem wird in elf Farbgeschichten von der sozialen, wirtschaftlichen und kulturhistorischen Bedeutung von Farben berichtet. Kein Wunder also, dass das Deutsche Farbenzentrum auf den Schweizer aufmerksam wurde und ihn nun ehrt. «Diese Auszeichnung ist nicht einfach für das Buch, sondern für Sie: Wer ein Buch dieses Inhalts in dieser Qualität realisieren kann, der hat mindestens 20 Jahre zu diesem Thema gearbeitet und geforscht.»

Kein Lampenfieber

Diese Worte von Alex Buether, dem ehrenamtlichen Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Farbenzentrums, versteht Muntwyler als Ansporn für weitere Forschungsarbeiten. Hat er Lampenfieber im Hinblick auf die Preisverleihung? «Nein», sagt Stefan Muntwyler und lächelt. Er freut sich einfach, weil er am 6. Oktober nicht nur den Preis entgegennehmen, sondern im Rahmen einer Tagung über seine Arbeit sprechen kann. Thema: «Farbe im Material.»

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