Bezirksgericht Brugg

Ein Deliktbetrag von fast 200'000 Franken und Durgol im Aquarium der Ex-Freundin

(Symbolbild)

Der Angeklagte hat Durgol in das Aquarium seiner Freundin geschüttet.

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Wegen Betrügereien und weiterer Delikte hat das Bezirksgericht Brugg eine Freiheitsstrafe von vier Jahren ausgesprochen.

«Die Therapie hat mir sehr geholfen», erklärte der Beschuldigte. «Ich bin einsichtig geworden. Was ich getan habe, tut mir leid. Ich will das nicht bagatellisieren oder auf die Abhängigkeit von Benzodiazepine abschieben. Ich habe aber nur mit Benzodiazepin funktioniert. Jetzt geht es mir sehr viel besser. Ich weiss, was ich mache», sagte der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Brugg. Benzodiazepine sind sogenannte Tranquilizer, die unter anderem beruhigend und schlaffördernd wirken.

Vorgehalten wurde dem knapp 50-jährigen Schweizer, der sich im vorzeitigen Strafvollzug befindet, eine lange Liste von Straftatbeständen. Neben gewerbsmässigem Betrug wurden ihm Urkundenfälschung, Check- und Kreditkartenmissbrauch, Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, Nötigung, Tätlichkeiten und eine Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen. Letzteres, weil er Durgol ins Aquarium einer Freundin schüttete, mit der er sich verkracht hatte.

Die Anklageschrift listete 51 Fälle auf, in denen der Beschuldigte Waren oder Leistungen bestellt hatte, ohne je zu bezahlen. Geordert hatte er unter anderem Unterhaltungselektronik, ein Wasserbett, mehrere hundert Liter Bio-Ethanol, ein Solarium, Getränke für jeweils mehrere hundert Franken und – von renommierten Metzgereien aus der Region – Rindfleisch für mehrere Tausend Franken.

Gemäss Anklage beläuft sich der Deliktsbetrag auf 197'211.94 Franken. Dazu kommt ein Kredit von 10'000 Franken für den Kauf eines Autos, der ihm, gestützt auf die von ihm gefälschte Unterschrift seiner Freundin, gewährt worden war.

E-Mail-Adressen manipuliert

Die Bestellungen hatte er teilweise auf den eigenen Namen aufgegeben. In einigen Fällen hatte er eine Firma vorgeschoben, die es gar nicht gab. Bestellt hatte er zudem, ohne deren Wissen, auf den Namen seiner jeweiligen Freundin, wobei er E-Mail-Adressen manipuliert hatte.

Vor Gericht anerkannte der Beschuldigte die Delikte zum grossen Teil. In einigen Punkten wollte er sich aber nicht mehr erinnern. Er wies auf die Wirkung der Benzodiazepine hin, die ihm wegen einer Angststörung verordnet worden waren. Auf die Frage von Gerichtspräsidentin Franziska Roth, wo denn da der Zusammenhang mit der Delinquenz bestehe, wusste er allerdings keine überzeugende Antwort.

Kein alltäglicher Fall

«Der Beschuldigte hat eine gefährliche kriminelle Energie an den Tag gelegt und dabei hemmungslos Freunde benutzt», betonte der Staatsanwalt. Er forderte für den einschlägig vorbestraften Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von 4½ Jahren, eine Busse von 600 Franken sowie die Anordnung einer vollzugsbegleitenden, ambulanten Therapie.

«Es geht um einen nicht alltäglichen Fall», stellte der Pflichtverteidiger fest. «Das Verfahren ist kein Ruhmesblatt, weder für die ermittelnden Behörden noch für den Beschuldigten.» Der Verteidiger spielte damit auf die Dauer des Verfahrens an, das bis ins Jahr 2008 zurückreicht.

Er wies aber auch auf einen Entscheid des Bundesgerichts hin, das in einem ähnlich gelagerten Fall zum Schluss gekommen war, dass die Geschädigten leichtfertig gehandelt hätten. «Der fehlende Zahlungswille war offensichtlich», erklärte der Verteidiger.

Daher liege keine Täuschung vor und damit müssten ein Freispruch vom Vorwurf des Betruges erfolgen. Er betonte zudem: «Das Gericht kommt nicht darum herum, entweder ein Obergutachten anzuordnen oder dem Beschuldigten verminderte Schuldfähigkeit zuzugestehen.» Eventuell sei der Beschuldigte in einigen Punkten vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs freizusprechen und zu einer Freiheitsstrafe von 3½ Jahren zu verurteilen.

«Erstaunliche Arglosigkeit»

Das Gericht wollte aber kein weiteres Gutachten. Es sprach den Beschuldigten in mehreren Punkten vom Vorwurf des Betrugs frei und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren, zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Franken sowie zu einer Busse von 2000 Franken und es ordnete eine vollzugsbegleitende Therapie an.

Der Beschuldigte muss zudem rund 27 000 Franken an Geschädigte zahlen. «Das Gericht schliesst sich der Rechtsprechung des Bundesgerichts an», erklärte Gerichtspräsidentin Roth. «Die Geschädigten haben erstaunlich arglos gehandelt. Eine rudimentäre Bonitätsprüfung wäre möglich gewesen.»

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