Brugg
Ein Danke reicht ihm – oder ein Glas Konfi

Fredy Hunziker (61) bietet auf Facebook Mirabellen an – ganz ohne Erklärung geht das allerdings nicht.

Janine Müller
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Fredy Hunziker unter einem seiner Mirabellen-Bäume. Er hofft, dass noch viele seinem Aufruf folgen.

Fredy Hunziker unter einem seiner Mirabellen-Bäume. Er hofft, dass noch viele seinem Aufruf folgen.

Er meint es gut, Fredy Hunziker, wenn er in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Brugg wenn...» anbietet, dass selbst ihm wildfremde Menschen eingeladen sind, Mirabellen von den zwei Bäumen in seinem Garten zu pflücken. Womit der 61-Jährige allerdings nicht rechnete, ist, dass sich die Leute zuerst verwundert erkundigen, was denn Mirabellen überhaupt sind. «Das hat mich also schon etwas erstaunt», sagt Fredy Hunziker. Seine Antwort auf Facebook lautet: «Send so gross wie Chriesi, aber gääl ond eignet sech sehr guet för Konfitüüre ond zom Brenne (Schnaps).»

Der ehemalige Pöstler ist aktiver Facebook-Nutzer. Nicht nur die Frage, was Mirabellen sind, kann er beantworten. Auch sonst hat er immer Ratschläge parat, vor allem, wenn es um die Stadt Brugg geht. Manchmal wird er deshalb hart angegangen. «Mir macht das nichts aus. Ich war 39 Jahre lang Pöstler, da bekommt man eine dicke Haut», sagt er. «Mir ist es wichtig, dass ich meine Meinung und meine Ansichten teilen kann.»

Doch zurück zu den Mirabellen. Fredy Hunziker ist schon fast ein Spezialist, was diese Früchte, die in der Schweiz tatsächlich nicht weit verbreitet sind, betrifft. Er weiss viel über die kleinen, gelb-orangen Früchte, die eine Unterart der Pflaumen sind. Stolz führt er die Journalistin durch seinen Garten zum einen Mirabellen-Baum. Zwischen den Blättern leuchten die reifen Früchte zu Hunderten an den Ästen. Menschen und Vögel freut es gleichermassen. Fredy Hunziker streckt sich, pflückt eine Frucht, steckt sie in den Mund und kaut. Dann spuckt er den Stein im hohen Bogen durch den Garten. «Die sind einfach wunderbar süss», schwärmt er und steckt sich gleich noch eine zweite in den Mund. Natürlich muss auch der Besuch probieren; eine willkommene Erfrischung an diesem warmen Augustnachmittag.

Schade um die Früchte

Auf der Holzbank vor seinem Haus nimmt Fredy Hunziker Platz. Dann erzählt er, warum er auf die Idee gekommen ist, den Leuten auf Facebook das Pflück-Angebot zu machen. «Mir selber ist es aufgrund meiner Gehbehinderung nicht mehr möglich, auf die Leiter zu steigen, um die Früchte zu pflücken. Ich kann nur jene nehmen, die an den unteren Ästen hängen», sagt er. «Der Baum ist aber voll mit Früchten. Es wäre schade, wenn die niemand pflücken würde.»

Seinem Aufruf im sozialen Netzwerk sind schon einige gefolgt. Kürzlich sei eine Frau mit ihrem Mann am Morgen vorbeigekommen und haben ihre Körbe gefüllt. «Am Abend hatte ich schon ein Glas Mirabellen-Konfitüre im Briefkasten. Es war sogar noch warm», erzählt Fredy Hunziker. Über solche Gesten freut er sich. Denn die Leute dürfen bei ihm gratis die Früchte pflücken. «Ein Dankeschön reicht mir», meint er. «Oder auch ein Glas Konfi», fügt er augenzwinkernd an.

Er hofft, dass die Leute die nächsten Tage noch nutzen, um bei ihm vorbeizukommen, denn die perfekte Erntezeit sei jetzt. Anmelden soll man sich bei ihm – wie könnte es anders sein – via Facebook.