Brugg

Ein Aargauer Grossvater muss nach mehreren Einbrüchen in Therapie

Das Bezirksgericht Brugg entscheidet im Fall des Einbrecher-Grossvaters.

Das Bezirksgericht Brugg entscheidet im Fall des Einbrecher-Grossvaters.

Im Fall eines drogensüchtigen Einbrechers entscheidet sich das Bezirksgericht Brugg für stationäre Therapiemassnahme statt Gefängnis – er zeigt sich einsichtig.

«Es geht hier um klassische Beschaffungsdelikte», stellte der Staatsanwalt fest. Weniger klassisch für einen Beschaffungstäter sozusagen war das Profil des Delinquenten: Vor Gericht hatte sich ein 55-jähriger Schweizer – inzwischen Grossvater – zu verantworten. Vorgeworfen wurden ihm Diebstahl, versuchter Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch – alles gleich mehrfach – sowie versuchter Hausfriedensbruch und mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes.

Auf der Suche nach Bargeld oder Wertgegenständen war er in Büroräume eingedrungen. Heimgesucht hatte er – unter anderem – gleich mehrfach die Berufsfachschule Gesundheit und Soziales, aber auch den Werkhof der Gemeinde Windisch. Das Vorgehen war simpel: Mit einem Schraubenzieher oder mit Körpergewalt wuchtete er Fenster oder Türen auf.

Die Untersuchungshaft war für ihn eine Befreiung

Die Beute fiel meist bescheiden aus – der Schaden jedoch umso grösser. Allein für Beschädigungen an Getränke- und Snackautomaten, die der Beschuldigte geknackt hatte, wurde eine Forderung von gut 14'000 Franken geltend gemacht. Insgesamt sah er sich mit Zivilforderungen von mehr als 25'000 Franken konfrontiert. Die Einbruchserie fand ein abruptes Ende, als er beim Versuch in einen Gewerbebetrieb einzudringen überrascht und wenig später festgenommen wurde.

«Es tönt paradox, aber die Untersuchungshaft war für mich wie eine Befreiung», so der Beschuldigte in der Befragung durch Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven. Als Grund für die Einbrüche gab er an, dass er nach dem Verlust seines Jobs in ein Loch gefallen, an die falschen Leute geraten und dann endgültig abgestürzt sei.

Seit letztem Sommer befindet sich der Beschuldigte, der die ihm zur Last gelegten Delikte stets unumwunden gestand, im vorzeitigen Strafvollzug in einer Therapieinstitution. «Für mich ist eine Therapie das einzig Sinnvolle», erklärte er. «Ich habe eine lange Drogenkarriere hinter mir. Ich versuche, wieder ein normales Leben zu führen. Ich bin jetzt 55. Es kann nicht ewig so weitergehen.»

Die Therapiemassnahme ist unbestritten

Der Staatsanwalt forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren als Gesamtstrafe - eingeschlossen sechs Monate durch den Widerruf einer bedingten Vorstrafe – sowie eine Busse von 1000 Franken. Anstelle des Vollzugs der Haftstrafe beantragte er eine stationäre Therapiemassnahme. «Das Verschulden ist erheblich», so der Ankläger.

«Der Beschuldigte leidet an einer langjährigen Drogenabhängigkeit. Es besteht Rückfallgefahr. Aufgrund dieser ungünstigen Prognose sind eine unbedingte Strafe und ein Widerruf auszusprechen.» Gemäss einem Gutachten bestehe jedoch Bedarf nach einer stationären Therapiemassnahme.

Im Alter von 22 Jahren mit Kokain in Kontakt gekommen

«Der Beschuldigte ist motiviert für eine Therapie», so der Staatsanwalt. «Ich wünsche ihm, dass die Therapie erfolgreich sein wird.»

Bei den Vorwürfen gegen seinen Mandanten gebe es nichts zu diskutieren, sagte der Verteidiger. Der Fall zeichne sich aber durch eine Kooperationsbereitschaft des Beschuldigten aus, wie man sie selten antreffe.

«Mein Mandant ist im Alter von 22 Jahren mit Heroin in Kontakt gekommen», so der Verteidiger. «Es ist beachtlich, dass er trotz des Drogenkonsums stets gearbeitet hat. Der Verlust der Stelle hat die Krise ausgelöst. Letztlich stellt sich die Frage, was relevant ist: Resozialisierung oder Bestrafung.»

Eine Möglichkeit, die Drogenkarriere zu beenden

Der Verteidiger beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten als Gesamtstrafe, unter Aufschub zugunsten einer stationären Massnahme, sowie eine Busse von 1000 Franken. Die Zivilforderungen seien auf den Zivilweg zu verweisen.

In seinem «letzten Wort» erklärte der Beschuldigte: «Ich bin dankbar für die Möglichkeit, meine Drogenkarriere zu beenden.» Das Gericht sprach den Grossvater einstimmig im Sinne der Anklage schuldig.

Es verurteilte ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten und einer Busse von 1000 Franken. Anstelle der Freiheitsstrafe ordnete das Gericht eine stationäre Therapie an. Die Zivilforderungen wurden grösstenteils auf den Zivilweg verwiesen.

«Die Voraussetzungen für eine stationäre Massnahme liegen klar vor», erklärte Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven. «Eine Behandlung ist nötig. Es bestehen Erfolgsaussichten.» Die Bereitschaft für eine Therapie und eine hohe Motivation würden vorliegen, stellte sie fest und wünschte dem Beschuldigten alles Gute.

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