Switcher galt als Pionier, als Vorzeigeunternehmen. Der 1981 gegründete Kleiderproduzent legte Wert auf Ökologie und Fairness. Dann kam es zum Verkauf, zu Turbulenzen und schliesslich zum Konkurs. 2016 wurde der Betrieb eingestellt.

Jetzt wird die Traditionsmarke wieder auferstehen. Zurück auf den Markt gebracht wird sie vom Berner Textildruck- und Werbetechnik-Unternehmen werk5. Eine treibende Kraft hinter dem Vorhaben ist Marc Joss aus Bözen, ehemaliger Marketingmanager bei Switcher und heutiges Geschäftsleitungsmitglied bei werk5.

«Wir haben die Klassiker leicht überarbeitet, aber im Grossen und Ganzen bieten wir das Original-Produkt», freut er sich. «Per September haben wir das Switcher Markenportfolio für die Schweiz übernommen.»

Der Markt habe unter dem Ende von Switcher gelitten, stellt der 41-Jährige fest. Es sei eine Lücke entstanden. Denn als eine der letzten Schweizer Premiummarken habe sich Switcher abgehoben von der Flut internationaler Labels, die T-Shirts und Polos als Massenware zum Preis eines Sandwiches verkaufen.

Februar 2017: Nach dem Switcher-Konkurs kamen 467'123 Kleidungsstücke unter den Hammer.

Februar 2017: Nach dem Switcher-Konkurs kamen 467'123 Kleidungsstücke unter den Hammer.

Anfang Jahr wurde es konkret

Im letzten Jahr vor dem völlig überraschenden Ende habe er an einer Neuausrichtung der Marke gearbeitet, blickt er zurück. «Nach dem Konkurs war ich mit verschiedenen potenziellen Investoren in Kontakt und wir waren mehrmals knapp vor einer Lösung, die aber immer aufgrund von rechtlichen Unsicherheiten nicht zu einem Abschluss kamen.»

Das Unternehmen werk5 war schon in der Vergangenheit – über 25 Jahre lang – einer der grössten Wiederverkäufer von Switcher. Tom Schütz, der Geschäftsführer und Gründer, bot Joss an, sich seinem Team anzuschliessen. Switcher sei vorerst gar kein Thema mehr gewesen, sagt Joss. Dann aber, Anfang dieses Jahres, sei er von den Switcher-Markeninhabern kontaktiert worden. Zusammen mit Tom Schütz konnte eine Lizenzvereinbarung unterzeichnet werden, um die Marke wieder aufleben zu lassen.

Es begannen die Vorbereitungen: Produzenten wurden kontaktiert, Produktionsstandorte in Indien und in der Türkei besichtigt, Designs, Schnitte und Muster ausgewählt. Joss spricht von einem fast sechsmonatigen Prozess, «bis wir schliesslich das qualitativ hochstehende Switcher-Produkt hatten, das unter nachhaltigen Kriterien produziert wird.» Er ist sich sicher: Für die fair und nach strengen Richtlinien hergestellten Kleider ist der Kunde sogar bereit, einen Mehrbetrag zu bezahlen, «was am Schluss auch garantiert, dass wir bei werk5 unseren über 40 Angestellten und Lehrlingen in der Produktion einen gut bezahlten und sicheren Arbeitsplatz bieten können».

Kollektion ist exklusiv erhältlich

Die Erwartungen bezeichnet Joss als «sehr bodenständig». «Wir hoffen, dass wir die Kunden, die immer gerne Switcher getragen haben, glücklich machen können und dass unser Produkt trotz den schwierigen letzten 14 Monate immer noch seine Käufer finden wird.» Erhältlich sein wird die Kollektion exklusiv bei werk5, einerseits am Hauptsitz in Wiler b. Utzenstorf, wo sich der Showroom für Firmenkunden befindet, andererseits im Ladengeschäft in Lyssach.

Zudem verkauft werden die Produkte schweizweit über den Online-Shop werk5shop.ch. Angesprochen werden neben den Firmenkunden – von Baugeschäften über Dienstleistungsfirmen bis zu Vereinen und Gesellschaften – natürlich auch der Einzelkunde, «der seine Switcher-Trainingshose vermisst hat», fügt Joss mit einem Schmunzeln an.

«Am Anfang wird uns die Produktion sicherlich auf Trab halten», fährt er fort. «Alle Farben und Grössen optimal zu planen, wird eine Challenge sein. Die Themen Logistik und Informatik gehören ab sofort ebenfalls zu unseren neuen Kernkompetenzen, aber auch da haben wir bereits mit unserem Team gute Vorarbeit geleistet und werden bis Ende Oktober bereit sein.»

Bei entsprechendem Erfolg und den richtigen Partnern sei künftig denkbar, das Angebot zu erweitern und die Switcher-Wiederverkäufer aus der Vergangenheit mit an Bord zu nehmen, sagt Joss. Vorgegangen werde aber, auch aus Kapazitätsgründen, Schritt für Schritt. «Wir denken im Moment in einem 3- bis 6-Monate-Rhythmus».

Der Anspruch sei es, lässt er durchblicken, weitere innovative Produkte auf den Markt bringen, «so wie das Switcher über all die Jahre immer wieder getan hat». Die ersten Reaktionen jedenfalls seien erfreulich und praktisch zu 100 Prozent positiv, hält er fest. «Uns haben fremde Leute aus der ganze Schweiz telefoniert und geschrieben, nur um Danke zu sagen. Anscheinend hat die Marke nicht nur uns gefehlt.»