Umiken

Ehemaliger Leiter Aktivierung: «Ich lebe jetzt in einer anderen Welt»

Martin Müller hat sich in der ehemaligen Schreinerei neben der Primarschule Umiken ein Keramikatelier eingerichtet. Er töpfert das Geschirr selbst und brennt es vor Ort.

Martin Müller hat sich in der ehemaligen Schreinerei neben der Primarschule Umiken ein Keramikatelier eingerichtet. Er töpfert das Geschirr selbst und brennt es vor Ort.

Martin Müller kündigte nach den Turbulenzen im Haus Eigenamt und hat sich nun am Stadtrand von Brugg einen Traum erfüllt. Er will nur noch Arbeit nachgehen, die ihm Freude macht. Am Wochenende öffnet er erstmals die Tür zu seinem Keramikatelier.

Martin Müller steht in der ehemaligen Schreinerei am Ende der Umiker Schulstrasse und trinkt Kaffee. In der fast 100-jährigen Liegenschaft mit angebauter Zimmerei hat er sich vor einigen Monaten ein Keramikatelier eingerichtet. Hier entstehen auf der Töpferscheibe Tassen, Teller, Schalen, Krüge, Teekannen und vieles mehr. Im Nebenraum steht ein grosser Brennofen. Müller setzt auf altbewährtes Handwerk und mischt auch die Glasur selbst.

Seiner Leidenschaft, die er früher in der ehemaligen Apotheke Merz in der Brugger Altstadt ausübte, kann er nun nach gut 13 Jahren Unterbruch in Umi-
ken wieder nachgehen. Dazwischen kümmerte er sich um seine Familie, arbeitete im Behindertenbereich in der Stiftung Domino in Hausen und zuletzt als Leiter Aktivierung im Haus Eigenamt in Lupfig. Als im Pflegeheim im Zuge der Freistellungen die Wogen hoch gingen, fiel es Müller leicht, ebenfalls zu kündigen. «Ich sah viele Angestellte gehen, andere sind gegangen worden und dann ging ich mit ihnen», sagt der bald 60-Jährige mit ruhiger Stimme.

Zufriedenheit als oberste Maxime

Die Option, in diese alte Liegenschaft der Gemeinde Brugg zu ziehen, habe sich im richtigen Moment ergeben, erzählt Müller weiter. Hier kann er unter einem Dach wohnen, arbeiten und leben. «Meine oberste Maxime ist Zufriedenheit», sagt der geschiedene Vater von zwei Kindern. Damit meint er, dass er nur noch Arbeiten nachgeht, die ihm Freude machen: Sei es in seiner Töpferei, bei externen Gartenarbeiten oder auch beim Brotbacken im Holzofen. Müller schätzt die schöne Umgebung, das Ambiente in der Wohnung mit Holzheizung sowie den Gartensitzplatz mit seinen Schildkröten. Da sich die Tiere noch nicht für den Winterschlaf zurückgezogen haben, geht Müller davon aus, dass es noch ein paar warme Tage geben wird.

«Ich lebe jetzt in einer ganz anderen Welt und darf mir den Tag selbst einteilen», sagt der Töpfer. Sich stressen mag er nicht mehr. «Ich habe viel Freiraum gewonnen so und gönne mir gerne zwischendurch einen Spaziergang.»

Erstmals fürs Publikum offen

Müllers 14-jähriger Sohn wohnt ebenfalls die halbe Zeit hier. Er ist oft in der Töffliwerkstatt anzutreffen. Gleich daneben befindet sich – quasi als Visitenkarte des Keramikateliers – das Ladenlokal in einem kleinen Holzhäuschen. Martin Müller hat sich auf Gebrauchskeramik spezialisiert. Egal, ob ganze Services oder Sonderanfertigungen. Am Wochenende will er sein Atelier und Handwerk erstmals einem breiteren Publikum zeigen. Der 60-Jährige macht sich keine Zukunftssorgen: «Es kommt so, wie es kommt.» Dennoch hofft er, dass er in diesem Umfeld noch viele Jahre wirken und leben kann.

Der Festanstellung im Haus Eigenamt trauert Müller nicht nach: «Das Klima im Haus wurde zunehmend anonymer und technokratischer.» Jetzt ist Müller glücklich, dass er nicht mehr allen genügen muss. Dann legt er im Atelier ein Stück Holz in den Ofen, packt die Jacke und gönnt sich im Garten eine Pause.

Tag der offenen Tür in der Töpferei am Samstag, 22. Oktober, 10 bis 17 Uhr; Sonntag, 23. Oktober, 10 bis 16 Uhr, Schulstrasse 8, Umiken, Autofahrer bitte Parkplatz Mehrzweckhalle benützen.

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