Tötungsdelikt Hausen

Ehefrau und Schwägerin erstochen: Kosovare soll wegen Mordes lebenslänglich hinter Gitter

Mit mehreren Messerstichen hat ein damals 54-jähriger Kosovare im Januar 2018 in Hausen seine Frau und seine Schwägerin getötet. Die Staatsanwaltschaft klagte den Mann zuerst wegen vorsätzlicher Tötung an und forderte eine 20-jährige Freiheitsstrafe. Nun wurde die Anklage verschärft, sie lautet neu auf Mord - der Messerstecher soll dafür lebenslänglich ins Gefängnis.

Es ist eine Bluttat, die Betroffenheit auslöst: ein damals 54-jähriger Kosovare erstach im Januar 2018 in Hausen seine Frau und seine Schwägerin. Der Mann war schon vorher gegenüber seiner Ehefrau gewalttätig geworden, ein Jahr vor der Tat hatte die damals 37-Jährige gegen ihn eine Anzeige eingereicht. Im Januar 2017 wurde der spätere Täter zwei Tage lang inhaftiert, zudem wurde gegen ihn eine zweiwöchige Wegweisung vom gemeinsamen Wohnort mit seiner Frau verfügt. Die Ehefrau zog danach ihre Anzeige zurück, das Verfahren gegen den Mann wurde eingestellt.

Warum es im Januar 2018 zum tödlichen Beziehungsdelikt kam, ist weiterhin unbekannt - jetzt steht aber fest, dass sich der Kosovare Ende November vor dem Bezirksgericht Brugg dafür verantworten muss. In einem Prozess, der auf drei Tage angesetzt ist, fordert die Staatsanwaltschaft für ihn eine lebenslängliche Freiheitsstrafe wegen Mordes. Dies geht aus einer Mitteilung der Gerichte Kanton Aargau hervor, die am Mittwoch verschickt wurde.

Staatsanwaltschaft verschärft Anklage auf Mord

Damit wurde die Anklage verschärft: Bisher qualifizierte die Staatsanwaltschaft die Tat als vorsätzliche Tötung und verlangte für den Kosovaren eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Zudem sollte eine vollzugsbegleitende psychiatrische Therapie angeordnet und der Mann nach dem Ende der Gefängnisstrafe für 15 Jahre des Landes verwiesen werden.

Weshalb hat die Staatsanwaltschaft ihre Anklage nun auf Mord geändert und damit massiv verschärft? Nicole Payllier, Sprecherin der Gerichte Kanton Aargau, teilt auf Anfrage mit: «Das Bezirksgericht gab der Staatsanwaltschaft nach Prüfung der Anklage die Möglichkeit, die Anklage auf den Tatbestand des Mordes auszudehnen.» Dies ist gemäss der Schweizerischen Strafprozessordnung möglich, wenn das Gericht zur Auffassung kommt, dass der in der Anklage umschriebene Sachverhalt einen anderen Straftatbestand erfüllen könnte.

Von dieser Möglichkeit hat die Staatsanwaltschaft laut Payllier nun Gebrauch gemacht. «Die erweiterte Anklage lautet auf mehrfachen Mord, eventualiter auf mehrfache vorsätzliche Tötung, die beantragte Strafe auf lebenslängliche Freiheitsstrafe, eventualiter auf 20 Jahre Freiheitsstrafe», führt sie aus. Im Übrigen blieb die Anklage laut Payllier unverändert - die Staatsanwaltschaft hält also ihre Forderung nach einer ambulanten psychiatrischen Therapie und 15-jähriger Landesverweisung aufrecht.

Gericht kann nur beurteilen, was angeklagt ist

Hintergrund der verschärften Anklage gegen den mutmasslichen Täter ist das sogenannte Anklageprinzip. Demnach kann das Gericht einen Sachverhalt nur beurteilen, wenn er von der Staatsanwaltschaft angeklagt wurde. Das heisst im Klartext: Wenn die Anklage nicht auf Mord lautet, ist auch eine Prüfung dieses Tatbestands durch das Gericht nicht möglich.

Damit eine Mordanklage möglich ist, müssen gewisse Merkmale bei der Tatausführung gegeben sein: Das Tötungsdelikt muss geplant sein, der Täter muss besonders skrupellos oder brutal handeln, sein Motiv, der Zweck der Tat oder die Art der Ausführung müssen besonders verwerflich sein. Offenbar ist die Staatsanwaltschaft im Verlauf der Ermittlungen zum Schluss gekommen, dass diese Merkmale gegeben sind. Wie sie die Mordanklage begründet, wird erst bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Brugg in gut einem Monat öffentlich.

Gutachter diagnostiziert depressive Störung des Täters

Der Prozess, der aufgrund der aktuellen Coronalage in der Mehrzweckhalle Hausen stattfindet, beginnt am 23. November und ist auf drei Tage angesetzt. Der beschuldigte Kosovare hatte im Verlauf der Ermittlungen ausgesagt, er sei von seiner Ehefrau und der Schwägerin angegriffen worden und habe in Notwehr gehandelt. 

Tötungsdelikt in Hausen: Staatsanwaltschaft fordert 20 Jahre Haft

So berichtete TeleM1: Tötungsdelikt in Hausen – Staatsanwaltschaft fordert 20 Jahre Haft

Im Beitrag zweifelt der ehemalige Kriminalkommissär Markus Melzl an der Notwehr-Version des Angeklagten. 

Die Staatsanwaltschaft geht gestützt auf die Ermittlungen von einem anderen Tatablauf aus, wie sie schon im März mitteilte. Zu den Hintergründen der Tat will sie sich allerdings erst anlässlich der Hauptverhandlung äussern. Ein psychiatrisches Gutachten kommt zum Schluss, dass der Beschuldigte an einer depressiven Störung leidet. Der mutmassliche Mörder befindet sich derzeit im vorzeitigen Strafvollzug, er sitzt also im Gefängnis.

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