Brugg
Ehefrau nach Scheinehe getötet – Staatsanwalt erhebt Mordanklage gegen Türken

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach hat gegen einen heute 43-jährigen Türken Anklage wegen Mordes erhoben. Sie wirft ihm vor, im Juli 2013 seine getrennt von ihm lebende Schweizer Ehefrau unter Einsatz roher Gewalt getötet zu haben.

Lukas Scherrer
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Fast drei Jahre nach dem Tötungsdelikt von Lauffohr kommt es nun zur Gerichtsverhandlung – gegen den mutmasslichen Täter wurde Anklage wegen Mordes erhoben.

Fast drei Jahre nach dem Tötungsdelikt von Lauffohr kommt es nun zur Gerichtsverhandlung – gegen den mutmasslichen Täter wurde Anklage wegen Mordes erhoben.

Kapo AG/Tele M1

Am 23. Juli 2013 wurde in Brugg/Lauffohr eine 50-jährige Schweizerin tot in ihrem Auto aufgefunden. Noch am selben Nachmittag konnte der getrennt von ihr lebende türkische Ehemann wegen dringenden Tatverdachts festgenommen werden (die az berichtete).

Die aufwendigen Ermittlungen hätten ergeben, dass der Beschuldigte während der gesamten Zeit der Ehe mit der Schweizerin weiterhin in der Türkei nach muslimischem Brauch verheiratet gewesen sei und mit seiner türkischen Ehefrau vier Söhne gehabt habe, schreibt die Staatsanwaltschaft. Er habe regelmässig seine Familie in der Türkei besucht und ihr auch Geld geschickt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 43-jährigen Beschuldigten vor, im Jahr 2009 die Ehe mit der Schweizerin nur deshalb eingegangen zu sein, um nach Ablauf der fünfjährigen Frist die Niederlassungsbewilligung zu erhalten und sich danach sofort scheiden zu lassen. Als ihm seine Schweizer Ehefrau kurz vor Ablauf der Frist nach 4,5 Jahren Ehe eröffnete, ihn zu verlassen, drohte er ihr – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – sie zu töten, sollte sie die Trennung oder Scheidung tatsächlich einleiten.

Beschuldigter will sich an nichts erinnern

Der Beschuldigte wurde nach diesem Vorfall häuslicher Gewalt polizeilich weggewiesen. Knapp zwei Monate, nachdem die Schweizerin aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen war, wurde sie tot in ihrem Auto aufgefunden.

Die Staatsanwaltschaft hatte, um das Tatmotiv zu klären, bis vor Bundesgericht gehen müssen, um Zugriff auf ein E-Mail-Konto des Beschuldigten zu erhalten, dessen Daten sich nur auf dem Server eines Providers befanden. Das Aargauer Zwangsmassnahmengericht hatte ihr dies noch verwehrt, das Bundesgericht dann aber ihre Beschwerde gutgeheissen und den Zugriff gestattet (die az berichtete).

Das Opfer wies zahlreiche Schlagverletzungen am ganzen Körper auf. Die Auswertung der Spuren hat ergeben, dass der Beschuldigte das Opfer getötet hatte. Der Beschuldigte bestreitet die Tat zwar nicht grundsätzlich, will sich aber an keine seiner Handlungen am fraglichen Tag erinnern.

Den Leichnam der Frau fand die Polizei an der vielbefahrenen Zurzacherstrasse in Lauffohr.
4 Bilder
In diesem Ford Fiesta wurde das Opfer gefunden.
Der Beschuldigte schwieg nach der Tat beharrlich, später sagte er aus, sich nicht an die Tat erinnern zu können.
Das Opfer des Tötungsdelikts wollte ihren Mann verlassen.

Den Leichnam der Frau fand die Polizei an der vielbefahrenen Zurzacherstrasse in Lauffohr.

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Die Anklage ist am Bezirksgericht Brugg hängig. Die Staatsanwaltschaft wird ihre Anträge anlässlich der Hauptverhandlung bekannt geben.