Die Obduktion der beiden Frauenleichen, die am Montagvormittag in einer Wohnung in Hausen gefunden wurden, ist abgeschlossen. Gemäss Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau sind die zwei Frauen mit einem- beziehungsweise drei Messerstichen in die Brust getötet worden. Die Tatwaffe konnte am Tatort sichergestellt werden. Die Polizei hat den 54-jährigen Familienvater noch am Montag als Tatverdächtigen festgenommen. Die Staatsanwalt Brugg-Zurzach hat für den Kosovaren Untersuchungshaft beantragt.

Inzwischen ist auch die Identität des zweiten Opfers geklärt. Es handelt sich um die 31-jährige Schwester der getöteten Ehefrau. Die Hintergründe der Tat sowie der Tatablauf sind gemäss Staatsanwaltschaft nach wie vor Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Es gehe nun darum, das Spurenbild am Tatort mit den bisher gemachten Aussagen des Beschuldigten abzugleichen.

Sie zeigte ihn im Januar 2017 an

Es nicht das erste Mal, dass der Beschuldigte gewalttätig wird. Er sei im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt gegenüber seiner Ehefrau aktenkundig, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Die Frau habe ihn im Januar 2017 angezeigt. In der Folge sass der Mann zwei Tage in Haft und es wurde eine zweiwöchige Wegweisung vom gemeinsamen Wohnort verfügt.

«Bei häuslicher Gewalt wird nicht jeder Täter inhaftiert», sagt Fiona Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft. Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, konkretisiert: «Eine Festnahme durch die Polizei ist zum Beispiel notwendig, wenn ein Opfer schwer verletzt ist oder stark bedroht wird, sodass seine Sicherheit gefährdet ist.»

Eine Wegweisung durch die Polizei hingegen erfolge häufig. Sie diene als Puffer und sorge dafür, dass der Aggressor auf Distanz gehalten werde, sagt Graser. Die weggewiesene Person sei während der Dauer der Wegweisung selber dafür verantwortlich, wo sie unterkomme.
Im Fall Hausen seien Tätlichkeiten und Beschimpfungen Auslöser für die Anzeige gewesen, wie Fiona Strebel gegenüber der AZ sagt. Die Frau habe keine Verletzungen gehabt. In der ersten Befragung habe das Opfer weitere Vorwürfe gegen ihren Mann geäussert, die sie jedoch im Rahmen einer weiteren polizeilichen Befragung wieder stark relativiert habe. Schliesslich zog die Ehefrau die Anzeige zurück, weshalb die Staatsanwaltschaft das Verfahren sistierte.

Der Wille des Opfers zählt

Wenn ein Opfer häuslicher Gewalt die Anzeige zurückzieht, sind der Staatsanwaltschaft die Hände gebunden: «Gegen den autonomen Willen des Opfers kann bei Fällen häuslicher Gewalt keine Verurteilung des Täters erfolgen», sagt Fiona Strebel. «Die Strafverfolgungsbehörde darf sich nicht über den autonomen Willen des Opfers hinwegsetzen.» Anders sieht es bei schwerer Körperverletzung aus: Hier könne das Opfer die Strafverfolgung nicht stoppen, weil es sich hier nicht mehr um Tätlichkeiten oder einfache Körperverletzung handle «und wir in solchen Fällen nicht mehr von häuslicher Gewalt sprechen», wie Strebel sagt.

Der Bundesrat will die Opfer von häuslicher Gewalt künftig besser schützen. Ein Gesetzesentwurf sieht vor, dass ein Verfahren wegen häuslicher Gewalt nur noch dann sistiert werden kann, wenn dies zu einer Stabilisierung oder Verbesserung der Situation des Opfers beiträgt. Bei Verdacht auf wiederholte Gewalt soll das Verfahren nicht mehr sistiert werden können. Das Gesetz gebe den Strafverfolgungsbehörden mehr Ermessen und entlaste die Opfer, schreibt der Bundesrat in einer Mitteilung. Der Entscheid, ob ein Strafverfahren sistiert wird, soll nicht mehr nur von der Willensäusserung des Opfers abhängen, weil dieses unter Umständen von der beschuldigten Person unter Druck gesetzt wurde.

Opfer von Hausen mit Messer getötet

Opfer von Hausen mit Messer getötet

Nach dem Tötungsdelikt, bei welchem zwei Frauen gestorben sind, ist nun die Tatwaffe ermittelt worden. Der mutmassliche Täter nutzte ein Messer.