Lupfig

Egal, woher die Frauen stammen – das Café international bereichert alle

Eine sichtlich aufgeräumte Runde im Café international: Dort wird gesprochen, gesungen und auch schon mal genäht.EF.

Eine sichtlich aufgeräumte Runde im Café international: Dort wird gesprochen, gesungen und auch schon mal genäht.EF.

Jeden zweiten Mittwoch treffen sich Frauen verschiedener Nationen zum Austausch. Es ist eine Ergänzung zur katholischen Kirche. Für die ausländischen Frauen bieten die Treffen unter anderem die Chance, sich in Deutsch zu üben.

Der Nebel draussen kann der Journalistin gestohlen bleiben. Drinnen, im Lupfiger Paulushuus, ist es einladend warm. Es ist kurz vor 9 Uhr – die ersten Frauen sind schon da, weitere treffen fast im Minutentakt ein. Alle werden herzlich zum Café international begrüsst von Dorothee Fischer, Gemeindeleiterin Pfarrei Windisch, und Margrit Mascolo, Katechetin im Birrfeld.

Was im Namen anklingt, wird bei der Vorstellungsrunde am grossen Tisch bestätigt – die über ein Dutzend Frauen stammen aus Eritrea, Italien, Portugal und Mazedonien; aus dem Kosovo und Irak; aus der Türkei und der Schweiz. Jeden zweiten Mittwochmorgen im Monat treffen sich Frauen verschiedener Nationen und unterschiedlichen Alters im Café international zum mündlichen Austausch, aber auch zum Singen oder zu einem ganztägigen Nähtag.

Viele von ihnen besuchen den Deutsch-Sprachkurs der Ecap Aargau, der ebenfalls in den Räumen des Paulushuus stattfindet. Das Café international versteht sich dazu aber nicht als Konkurrenz, sondern als eine – kostenlose – Ergänzung der katholischen Kirche. Hier, in einer lockeren Runde, in der auch Kinder willkommen sind, wird laut Katechetin Mascolo «ein niederschwelliges Schriftdeutsch» gesprochen. Das bedeutet eines, das vor allem auf die Verständigung im Alltag ausgerichtet ist.

Das Café ist keine Einbahnstrasse

«Sprechen die Frauen Deutsch, erleichtert das den Kontakt zu den Einheimischen», betonen Fischer und Mascolo und doppeln nach: «Gerade im Umgang mit der Schule, etwa an Elternabenden, ist es von Vorteil, wenn sie sich in Deutsch ausdrücken können.» Das Café international ist keine Einbahnstrasse. Daran nehmen auch Schweizer Frauen teil, «um den Gästen anderthalb Stunden Zeit zu schenken», so Fischer. Konkret: Die Schweizerinnen nehmen die Frauen unter ihre Fittiche, indem sie ihnen nicht nur aufmerksam zuhören, sondern hilfreich mit deutschen Wörtern zur Seite stehen, wenn Gespräche zu stocken drohen.

Das tun sie am gestrigen Morgen nicht. «War jemand von euch in den Ferien?», fragt Margrit Mascolo in die Runde. Ja. In Österreich. Fünf Tage. «Mein Bruder lebt dort», sagt eine junge Kosovarin. «In den Bergen?» Was heisst Berge? Eine kleine Pause, dann kommt die Antwort: Der Bruder lebt in Linz – das Eis ist gebrochen.

Eine Schweizerin erzählt von Berlin; eine Italienerin, die erst seit kurzem in der Schweiz lebt, gibt Müsterchen ihrer Reise nach Italien zum besten. Keine leichte Fahrt mit drei Katzen im Auto, von denen das eine Tier stets im Arm gehalten werden wollte, weil es «paura» hatte. Nun überlegen die Schweizerinnen. «Bedeutet das Angst?» Genau. Wenig später lächelt die Italienerin, als die Journalistin von ihrer Cousine Béatrice erzählt. «Das ist ja der Name meiner Katze.»

Die Portugiesin stösst mit ihrem zweieinhalbjährigen Sohn dazu; prompt zieht die Italienerin ein voluminöses, portugiesisches Wörterbuch hervor. Das Trio kämpft sich mutig durch das babylonische Sprachengewirr und merkt: Es klappt prima. Jedes lernt vom anderen. Wie hatte Dorothee Fischer doch gesagt? «Das Café international bereichert uns alle, weil es uns neue Perspektiven eröffnet.»

Die Besucherin weiss jetzt auf alle Fälle, dass der portugiesische Stockfisch, den ihre Freundin jeweilen an Weihnachten zubereitet, Bacalhau heisst und dass die Torta Certosina mit kandierten Früchten (hat sie das richtig verstanden?) eine einzige Köstlichkeit sein muss. Ein Blick auf die Uhr. Was? Die Besucherin verabschiedet sich eilig und ungern, aber: Dieser Artikel will ja geschrieben werden.

Café international 29.1.; 19.2.; 5. & 19.3.; 2.4.; von 9–10.30 Uhr, im Paulushuus.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1