Ausstellung

Egal ob Sprüche oder Schokolade: Brugger dürfen ihre Kalender in der Stadtkirche präsentieren

Pfarrerin Bettina Badenhorst von der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Brugg zeigt einen Teil ihrer Adventskalender-Sammlung.

Pfarrerin Bettina Badenhorst von der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Brugg zeigt einen Teil ihrer Adventskalender-Sammlung.

Bald stellt die reformierte Kirche Adventskalender der Brugger Bevölkerung aus. Diese werden Jahr für Jahr immer ausgefallener. Woher die Tradition kommt.

In der Weihnachtszeit schlägt die Stunde der Adventskalender. Ob Segensspruch oder Kosmetika: Mittlerweile kann man sich 24 Tage lang mit fast allem beschenken lassen. «Grossartig», findet Pfarrerin Bettina Badenhorst. Es sei toll, wie stets neue Ideen umgesetzt würden – und es müsse ja nicht immer das Gleiche sein. Dieser Vielfalt haben Badenhorst und die Kirchenpflegerin Marianne Rudolf nun eine Ausstellung gewidmet. Vom 28. bis am 29. November werden in der reformierten Stadtkirche Brugg neue und gebrauchte Adventskalender der lokalen Bevölkerung gezeigt.

Nach den Krippen und Engeln der letzten Jahre steht damit eine weitere, typisch christliche Tradition im Zentrum. Diese ist noch gar nicht so alt. Laut der Wochenzeitung «Die Zeit» (1. Dezember 2009) druckte der Lithograf Gerhard Lang 1908 den ersten Adventskalender. Er hatte selbst als Kind jeweils ungeduldig auf Weihnachten gewartet und wollte darum für seine Sprösslinge die Zeit bis zum Fest verkürzen.

«Die Zeit»-Journalistin Magdalena Hamm schreibt: «Seine Version enthielt 24 bunte Bildchen, die von den Kindern ausgeschnitten und auf einen weiteren Bogen aufgeklebt werden konnten.» Den gleichen Zweck erfüllte gemäss Badenhorst die Erfindung des Hamburger Theologen Johann Wichern: Der Adventskranz – damals noch gebaut aus einem alten Wagenrad – feierte 1833 im «Rauhe Haus», einer Einrichtung für sozial benachteiligte Kinder, Premiere. Dieses Wagenrad liess die Bruggerin nachbauen. Es wird vielleicht an der Ausstellung gezeigt.

Von Sprüchen für Männer bis zur Jägerausstattung

Kalender mit Türchen und Naschereien, wie wir sie heute kennen, sind laut Hamm erst in den Fünfzigerjahren aufgekommen. Denn eigentlich ist der Advent keine Schlemmer-, sondern eine Fastenzeit. Bettina Badenhorst erzählt: «Die guten Sachen wurden früher für Weihnachten aufgespart, man besann sich wieder auf das Wesentliche.» Der Advent lasse sich mit der Phase vor Ostern vergleichen. Heute sei das aber anders. Die Pfarrerin sagt: «Viele Leute hetzen im Advent von Feierlichkeit zu Feierlichkeit. Andere wiederum vereinsamen.» Es stelle sich die Frage: Worum geht es im Advent? Nur um Einkauf und Ablenkung?

Gleichzeitig kommen immer aufwendigere und kostspieligere Adventskalender auf den Markt: Man zahlt für solche mit Schönheitsprodukten oft 90 Franken oder für Exoten mit beispielsweise Jägerequipment auch schon 300 Franken. Das steht für Badenhorst aber nicht im Konflikt mit dem Kern des Weihnachtsgeistes. «Wer es sich mit einem Tee oder einer Gesichtsmaske gemütlich macht, kommt zur Ruhe und kann sich so viel besser besinnen», erklärt die Brugger Pfarrerin.

Die immer ausgefeilteren Kalender würden auch einfach Freude machen. Kein Wunder, besitzt Badenhorst über 30 Exemplare. Die Aufsteller, Bücher und Holzanfertigungen bieten eine bunte Mischung aus Geschichten, Sprüchen und Bildern. Einer der Neusten ist speziell für Männer gemacht und soll laut Klappentext «geistige Impulse» liefern.

Alle Kalender aus der Sammlung von Badenhorst werden am übernächsten Wochenende in der Stadtkirche Brugg zu sehen sein. Und noch mehr, wie die Pfarrerin hofft: «Es sind alle eingeladen, ihre Adventskalender vorbeizubringen.»

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