Eine kleine «Stadt» also mit nur Männern, weit und breit keine Frau? Nein! Die höchsten Offiziere hatten sehr wohl ihre Gattin an der Seite. Und im Lager hielten sich auch Sklavinnen auf, Prostituierte und Wirtinnen. Eine solche war wohl auch Belica. Auf einem bei Ausgrabungen in Vindonissa gefundenen Schreibtäfelchen sind verschiedene Frauen erwähnt, darunter auch eine «Wirtin im Haus Nummer 12», eine «Belica gegenüber dem Bade». Bekannt ist auch, dass die via principalis – die Hauptstrasse im Lager – von Wirtshäusern und Schenken gesäumt war. Vergnügungslokale wie die Tabernen waren wichtig, um die Soldaten bei Laune zu halten.

Unbekannt ist, ob Belica in einer der Schenken arbeitete, oder ob sie ihr gehörte. Der keltische Name Belica weist immerhin darauf hin, dass sie eine Einheimische war – den Rest muss man sich mit etwas Fantasie und einer Portion Geschichtskenntnis zusammenreimen. So kann man sich Belica als etwa 30-jährige, selbstsichere, resolute und selbstbestimmte Frau vorstellen. Eine, die sich ihrer Reize durchaus bewusst war, es aber sehr wohl verstand, zudringliche Legionäre in Schach zu halten. Es sei denn, einer gefiel ihr. In dem Fall liess sie sich – höchstwahrscheinlich – nicht ungern auch mal verführen.

Nur wenig bekannt über das Leben der einfachen Frauen

Über das Leben der einfachen Frauen im Lager von Vindonissa ist nur wenig bekannt. Etwa, dass sich zahlreiche Einheimische – Keltinnen und Helvetierinnen – häufig mit römischen Legionären einliessen, deren Kultur übernahmen, sich römisch kleideten, Latein in Wort und Schrift lernten und für viele Soldaten der Grund waren, nach Ende der Dienstzeit als Veteranen in der Nähe des Lagers, in dem sie gedient hatten, wohnen zu bleiben. Frauen aus niedrigen Schichten auch ausserhalb eines Legionärlagers arbeiteten zum Beispiel als Hebammen, in Gastwirtschafts- oder Handwerksbetrieben und Textilmanufakturen. Mädchen der Oberschicht hingegen strebten einzig und allein eine für die Familie vorteilhafte Ehe an. Denn ihren Wert in der Gesellschaft hatten römische Frauen als Mütter, als mater familias.

Vom Leben der Frauen aus der gehobenen Gesellschaftsschicht, etwa der Gattinnen der hohen Offiziere und des Legionskommandanten, gibt es einiges zu berichten: Sie waren vornehm gekleidet, trugen Unterhemden und Büstenhalter in Form von Stoffbinden, darüber eine Tunika und als Verheiratete eine Stola. Nebst Wolle und Leinen waren edle Stoffe wie Seide aus China sowie Farben wie Violett, Rosa oder Purpur besonders beliebt. Auch reichlich Schmuck wurde getragen; besonders gerne Perlen und blaue Steine. Denn Blau war die Farbe, die Unheil abwehrte. Grelle Farben trugen nur Prostituierte.

Haarteile und Perücken für die besseren Damen

Kurzes Haar kam nicht infrage bei den besseren Damen aus dem alten Rom; sie pflegten, grosszügig mit Haarnadeln, Haarnetzen, Bändern zu hantieren, bleichten und färbten ihren Kopfschmuck, verwendeten auch Haarteile oder gar Perücken. Haare an anderen Körperstellen wurden schon damals mit speziellen Cremes entfernt, der Körper mit Salben und Parfüms veredelt und das Gesicht mit Make-up: Nebst einer aus dem Fett der Schafswolle gewonnenen Substanz (die stark parfümiert werden musste, da sie bestialisch stank) als Grundschicht, wurden Puder, Lippenstift, Wimperntusche und Wangenrouge verwendet.

Nebst dem aufwendig gepflegten Äusseren wurden aber vor allem Tugenden hochgehalten: Sparsamkeit, Frömmigkeit, Ehrlichkeit und ... Fruchtbarkeit. Die römische Matrone war eine Autoritätsperson für die Familie. Sie verwaltete das Haus, spann Wolle, nähte Kleider. Ihre Hauptaufgabe aber war das Gebären von – männlichem – Nachwuchs. Nichtsdestotrotz wurde auch damals verhütet. Nebst Kondomen aus Ziegenleder galt beispielsweise das Befestigen einer Katzenleber am linken Fuss als Mittel gegen eine ungewollte Schwangerschaft. Ebenso waren, nicht nur bei Prostituierten, rund 200 orale und vaginale Abtreibungsmittel bekannt, die aus der heutigen Sicht zu 90 Prozent wirksam waren.

Die junge Römerin von Stand wurde verheiratet, wie es politisch grad interessant war. Durch Hochzeiten wurden Bündnisse besiegelt und Karrieren gefördert – männliche, selbstverständlich. Die Meinung der Frau war dabei nicht gefragt. Allerdings konnte sich eine Frau jederzeit scheiden lassen, wie ein Mann auch. Hier herrschte also Gleichberechtigung, ganz im Gegensatz zum Gesetz gegen Ehebruch: Die Frau machte sich schuldig, sobald sie verheiratet war, der Mann hingegen nur, wenn die Frau, mit der er schlief, verheiratet war. Sich scheiden zu lassen, war übrigens einfach. Vor Zeugen die Formel «tuas res tibi habeto – nimm deine Sachen mit dir» oder «o foras – geh aus meinem Haus» vor Zeugen ausgesprochen, und schon waren die Eheleute keine solchen mehr.