«Ja, ich habe gesagt: Hau ab, du Sauhund», erklärte der Beschuldigte diese Woche vor dem Bezirksgericht Brugg. «Dazu stehe ich. Das nehme ich auf meine Kappe. Ich habe aber keine weiteren Beschimpfungen geäussert, und es gab auch keinen physischen Kontakt.»

Zur unfreundlichen Aufforderung war es gekommen, als der Beschuldigte den Ex seiner Freundin im Gespräch dieser angetroffen hatte. Gemäss Anklage soll der Beschuldigte den Ex nicht nur aufgefordert haben «abzufahren», sondern ihm gedroht haben, ihn «kaputtzumachen». Nachdem sich das Opfer zu seinem Velo begeben hatte, soll sich der Beschuldigte, so die Anklage, «mit nur wenigen Zentimetern Abstand», vor das Opfer gestellt, diesem mit der Faust gedroht und mit dem Zeigefinger leicht an die Gurgel gelangt haben.

Drohung und Beschimpfung

Zudem habe der Beschuldigte dem Opfer gedroht, es «zusammenzuschlagen», respektive «zu Tode zu schlagen», falls er es nochmals in der Nähe seiner Freundin sehen würde.

Das Opfer erstattete Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft beantragte in der Folge, dass der Beschuldigte wegen Drohung und Beschimpfung zu einer bedingten Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 60 Franken und einer Busse von 800 Franken zu verurteilen sei. Alles unter Kostenfolge.

Und so trafen sich die beiden Herren – keine testosterongesteuerten Jünglinge, sondern zwei Schweizer im Alter von jeweils rund 50 Jahren – vor Gerichtspräsidentin Chantale Imobersteg als Einzelrichterin wieder. Der Eine, der Beschuldigte, eine recht drahtige, sportliche Erscheinung. Der Andere, der Kläger, von durchaus kräftiger Gestalt. Aber, wie er sagte, nach Operationen etwas angeschlagen.

«Ein Witz, dass wir hier sind»

Ein Zeuge erklärte zum Vorfall, dass der Beschuldigte auf dem Platz erschienen sei und angesichts des Gesprächs der Freundin mit deren Ex gefragt habe, was denn da los sei. Darauf hätte der Kläger dem Beschuldigten entgegnet: «Bezahl erst deine Schulden.»

Das Ganze sei aber nicht so heftig gewesen, meinte der Zeuge. «Es ist ein Witz, dass wir überhaupt hier sind. Ich weiss auch nicht genau, was gesagt worden ist. Ich war bei der Frau. Die war mit den Nerven fertig.» Von einem Körperkontakt oder einer Rempelei wollte er nichts bemerkt haben.

«Die Ausführungen des Zeugen sind nicht ganz richtig», wandte der Kläger ein. Überhaupt habe der Zeuge, wegen eines Pfostens, gar nicht sehen können, was passiert sei. «Es gab einen Wortwechsel», sagte der Kläger. «Ich bin gesundheitlich angeschlagen und betrachte jeden, der so auf mich zukommt, als Gefahr.» Der Beschuldigte habe ihm gedroht, ihn «kaputtzumachen» und ihn als «minderwertiges Subjekt» tituliert.

«Eine relativ schlimme Sache»

Auf den Einwand der Gerichtspräsidentin, dass sich bei den Einvernahmen seine Aussagen zum Wortlaut der Drohungen mehrmals verändert hätten, räumte der Kläger ein, sich «nicht genau erinnern» zu können. «Für mich war es eine relativ schlimme Sache», betonte er. «Ich wollte weg. Aber er hat mir den Weg versperrt.»

Der Beschuldigte blieb bei seiner Aussage, dass er seinen Kontrahenten aufgefordert habe zu verschwinden. «Es gab keine Beschimpfungen», erklärte er. «Ich habe ihn nicht am Wegfahren gehindert. Ich habe einfach gesagt: Hau ab, du Sauhund. Es gab auch keine Faust und keinen Zeigefinger. Er konnte gehen. Ich habe ihn nicht gehindert.»

Im Zweifel für den Angeklagten

Das Gericht sprach den Beschuldigten vom Vorwurf der Drohung frei. Es verurteilte ihn aber wegen Beschimpfung zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je 60 Franken, und es auferlegte ihm einen Teil der Gerichtskosten von mehreren Hundert Franken.

Den Freispruch und die gegenüber dem Antrag der Staatsanwaltschaft deutlich reduzierte Geldstrafe begründete die Gerichtspräsidentin damit, dass Aussage gegen Aussage stehen würde und die Erklärungen des Klägers «etwas widersprüchlich» seien.