Rund fünf Jahre lang sind die fünf Brennstoffzellenpostautos unterwegs gewesen in der Region Brugg. Sauber und leise. Postauto klärte ab, ob der Einsatz von mit Wasserstoff angetriebenen Fahrzeugen möglich ist im öffentlichen Verkehr – als Alternative zu den Dieselbussen. Im Februar des letzten Jahres ging der Versuchsbetrieb trotz positivem Fazit und nach rund 1,3 Mio. zurückgelegten Kilometern zu Ende. Die Brennstoffzellenpostautos verschwanden von den Strassen.

Wasserstoff hat Potenzial

Gedanken zur Förderung von Wasserstofftankstellen sowie zur Weiterführung der Brennstoffzellenpostautos machten sich in der Folge die Grossräte Martin Steinacher-Eckert (CVP, Gansingen), Andreas Meier (CVP, Klingnau), Max Chopard-Acklin (SP, Nussbaumen-Obersiggenthal) sowie Dominik Peter (GLP, Bremgarten). In ihrer Interpellation wollten sie vom Regierungsrat wissen, ob er auch der Überzeugung ist, dass Wasserstoff ein zentraler Speicher für erneuerbare Energien werden kann und ob die Wasserstoffnutzung für den öffentlichen Verkehr sowie den Individualverkehr zu fördern ist.

Ebenfalls erkundigten sich die Grossräte danach, ob der Regierungsrat das Projekt von Postauto nicht aktiv versucht hat weiterzuführen und ob er sich vorstellen kann, ein neues Projekt wieder zu unterstützen. Auch stellten sie die Frage, welche zusätzlichen finanziellen Mittel es bräuchte, um Wasserstoff-Postautos in allen Aargauer Städten zu betreiben.

In seiner jetzt vorliegenden Antwort weist der Regierungsrat auf die Bedeutung der Energiespeicherung – insbesondere der Stromspeicherung – hin. «Mit Ausnahme von Pumpspeicherkraftwerken stehen heute noch keine geeigneten Saisonspeicher für elektrische Energie zur Verfügung», führt der Regierungsrat aus. «Die Speicherung von Energie in Form von Wasserstoff hat entsprechendes Potenzial und stellt einen möglichen Lösungsansatz zum Erhalt der Versorgungssicherheit dar.»

Obwohl die Versorgungssicherheit in erster Linie Aufgabe der Energiewirtschaft und des Bundes sei, könne der Kanton die Erfüllung dieser Aufgabe durch geeignete Rahmenbedingungen wesentlich beeinflussen. Dass die Technologie funktioniert, zeige das Beispiel am Kraftwerk Aarau mit den Projektpartnern H2 Energy AG und Coop Mineralöl AG. Der produzierte Wasserstoff wird an die öffentliche Wasserstoff-Tankstelle in Hunzenschwil transportiert und kann von dort bezogen werden. Vonseiten des Bundes, fügt der Regierungsrat an, wird die Wasserstoffnutzung dahingehend gefördert, dass im Vergleich zu fossilen Treibstoffen keine Mineralölsteuerabgaben und auch keine Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgaben entrichtet werden müssen.

Postauto-Geschäftsleiter Reto Huber steuert ein Brennstoffzellenpostauto durch Brugg

Postauto-Geschäftsleiter Reto Huber steuert ein Brennstoffzellenpostauto durch Brugg

Dazu Stimmen von ); Patrick Zingg, Leiter Postauto-Region Nordwestschweiz, und Daniel Moser, Stadtammann Brugg. (1. Februar 2018)  

Der Regierungsrat bedauert zwar, dass der Versuchsbetrieb mit den Brennstoffzellenpostautos beendet worden ist. Der Entscheid sei aber Sache von Postauto gewesen. Diese machten als Gründe die hohen Beschaffungs-, Betriebs- und Wartungskosten geltend. Es hätten, so die Bilanz, Erkenntnisse gewonnen werden können in Bezug auf Wasserstoffantriebe. Die Vor- und Nachteile respektive Schwachstellen seien erkannt worden.

Eigene Projekte gibt es nicht

Kurz: In Bezug auf den angestrebten Erkenntnisgewinn sei das Projekt in Brugg ein Erfolg gewesen. «Es hat sich aber gezeigt, dass insbesondere der Fahrzeugmarkt aktuell noch nicht auf der gewünschten Lieferkapazität ist und individuelle Tankstellen kostenintensiv sind», hält der Regierungsrat fest. «Eine flächendeckende Einführung von Wasserstoff-Postautos ist erst sinnvoll, wenn preiswerte und erprobte Fahrzeuge auf dem Markt sind.» Die 5-jährigen Projektgesamtkosten in Brugg, rechnet der Regierungsrat vor, betrugen rund 18 Mio. Franken. Die Betriebskosten waren damit etwa dreimal so hoch wie bei Dieselfahrzeugen.

Neue Projekte könne der Kanton im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützten, stellt der Regierungsrat fest. Allerdings: «Die Lancierung eigener Projekte ist nicht vorgesehen, dies ist Sache der Energiewirtschaft.»