Habsburg
Drei Päpste für die Lachmuskeln sind zwei zu viel

Unterhaltsame Geschichtsvermittlung und kulinarische Spezialitäten gab es auf Schloss Habsburg mit «Drei Päpste, Huren und ein König».

Vera Frey
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Salomé Jantz zieht als Teufel die Strippen.
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«Drei Päpste, Huren und ein König»
Sandra Lucco wickelt als Hure Imperia alle um den Finger.
Auch der Papst kann den Künsten von Imperia nicht wiederstehen.
Zwei Zürcher Kriegsknechte (Salomé Jantz und Samuel Kübler) nehmen Baden ein.
Das ganze Ensemble von links: Sandra Lucco, Samuel Kübler, Salomé Jantz, Thomas Baumgartner, Bettina Urfer.

Salomé Jantz zieht als Teufel die Strippen.

Vera Frey

«Herzlich willkommen in Konstanz, im gottesfürchtigen Sündenpfuhl», so die Begrüssung von «Närrin» Salomé Jantz im Weinkeller von Schloss Habsburg, wo zur Premiere des historisch inspirierten Theaterstücks der Apéro kredenzt wurde. Tatsächlich genoss das Konzil in Konstanz, zu dem König Sigismund 1414 zwecks Wiederherstellung der kirchlichen Einheit geladen hatte, bereits bei Zeitgenossen einen zweifelhaften Ruf.

Imperia, nach den satirischen Erzählungen des französischen Schriftstellers Honoré de Balzac die erfolgreichste Hure während des Konzils, wickelte schnell sowohl die Päpste, wie auch den König um den Finger und zettelte um ihres eigenen Vorteils willen manche Intrige an. Sopranistin Sandra Lucco verkörperte diese Rolle mit Charme, Stimmgewalt und einer guten Portion Erotik. Lieder wie «Diamants are a girls best friends», «Von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt» und «O mio babbino caro», die gefühlvolle und präzise Begleitung von Pianistin Bettina Urfer sowie die lichttechnische Untermalung durch Thomas Baumgartner ergänzten die gesprochene Handlung, die zusammengefasst eigentlich schnell erzählt ist.

Drei Päpste sind zwei zu viel

Papst Johannes XXIII. (fluchend und auch erotischen Abenteuern nicht abgeneigt, gespielt von Samuel Kübler) würde, wie seine zwei Gegenspieler, eigentlich gerne weiterhin an der Macht bleiben. Zusammen mit Friedrich IV., dem Herzog von Österreich, plant er deshalb die Flucht aus Konstanz. Während König Sigismund lange rat- und ahnungslos bleibt, zieht im Hintergrund nicht nur Imperia, sondern auch der Teufel (Salomé Jantz mit Mut zur Hässlichkeit und hervorragend gespielt) höchstpersönlich seine Strippen. Gleichzeitig nutzen die Eidgenossen die Gunst der Stunde und fallen in den Aargau ein.

Dass Theater manchmal auch ganz ohne Worte auskommt und dabei trotzdem höchst amüsant sein kann, bewies die Szene mit Salomé Jantz und Samuel Kübler als Eidgenossen, genauer gesagt als Zürcher Kriegsknechte. Konnte sich das Publikum bereits bei der gesprochenen Szene ganz im Stil von Ex-Bachelor Vujo Gavric («Ey weisch Mann, voll Mann...») vor Lachen kaum halten, brachen die letzten Dämme beim lautlosen Verzehren von Berner (!) «Meitschibei», bei der die Zuschauerinnen und Zuschauer im vollen Rittersaal die Gedanken der Schauspieler an ihren Gesichtern ablesen konnten. Neben den Lachmuskeln wurde an diesem Abend aber auch der Magen gut beschäftigt. Das dreigängige Menü mit einer «Königsplatte» als Höhepunkt, das zwischen den einzelnen Teilen des Theaters serviert wurde, mundete ebenso wie der Wein aus eigenem Anbau (oder die italienische Variante).

«Drei Päpste, Huren und ein König» 17., 21., 25. und 28. Juni sowie am 04. Juli jeweils ab 19.00 Uhr und sonntags jeweils ab 17.00 Uhr auf Schloss Habsburg.