Brugg
Drei Balkanjuwelen in einer langen Filmnacht im Odeon

Die Filmnacht hat im Cinema Odeon Tradition. Bisher fand sie stets im Frühling statt. Ab 2012 wird es indessen auch eine im Herbst geben. Den Anfang dazu macht die Balkannacht vom kommenden Samstag.

Elisabeth Feller
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«Wie komme ich von hier oben wieder auf die Erde runter?» Szene aus Emir Kusturicas Spielfilm «Chat noir, chat blanc». ZVG

«Wie komme ich von hier oben wieder auf die Erde runter?» Szene aus Emir Kusturicas Spielfilm «Chat noir, chat blanc». ZVG

Im Frühling wittern die Brugger Filmfans Morgenluft: Dann findet nämlich die Filmnacht im Cinema Odeon statt. Sie beginnt stets am frühen Abend und endet um 2 Uhr morgens oder sogar noch später. Weil die Billette im Frühling stets wie frische Semmeln weggingen, wird es nun eine zweite Filmnacht geben – und zwar im Herbst.

«Er hat zwei Gesichter»

Den Anfang macht die Balkannacht vom kommenden Samstag. Unterscheidet sich der Anlass im Herbst von jenem im Frühling? «Ja», betont Andrea Arezina, die mit Stephan Filati vom «Odeon» die Herbstnacht konzipiert hat. «Diese wird künftig ausschliesslich Filmen aus bestimmten Ländern oder Gegenden gewidmet sein», sagt die junge Frau, die selbst eine leidenschaftliche Kinogängerin ist.

Filmnacht Balkan im Odeon

Das Cinema Odeon Brugg präsentiert am 29. September die Filmnacht Balkan. Die lange Nacht beginnt um 17.45 Uhr mit einem Apéro. Gezeigt werden danach drei Spielfilme: «Chat noir, chat blanc» von Emir Kusturica, ab 18.15 Uhr. Von 20.45-21.45 Uhr ist Pause mit Buffet; ab 21.45 Uhr folgt der Film «Das Fräulein» von Andrea Staka; 23.30 Uhr ist Pause mit Dessert. Als letzter Film folgt «Parada» von Srdjan Dragojevic ab 00.15 Uhr. Infos und Reservation unter www.odeon-brugg.ch (AZ)

Weshalb ausgerechnet der Balkan? Ein kleines Lächeln umspielt die Lippen von Andrea Arezina: «Ich stamme aus Bosnien. Deswegen interessiert es mich, welche Filme aus meiner Heimat oder den umliegenden Ländern stammen.» Vielleicht hat die junge Frau die Frage vorausgeahnt, denn plötzlich sagt sie: «Der Balkan ist hierzulande leider immer wieder negativ besetzt. Dabei birgt er so viel Interessantes. Doch wie jedes andere Gebiet der Welt, hat auch er zwei Gesichter: Ein schönes und ein weniger schönes.»

Abtauchen in eine spezielle Welt

Welcher der drei gezeigten Filme (siehe Box) ihr am nächsten ist, verrät Andrea Arezina – Noblesse oblige – nicht. Sie hat jedes Werk gesehen und findet für jedes treffliche Worte. Emir Kusturicas Balkanjuwel aus dem Jahr 1998 «Chat noir, chat blanc» charakterisiert sie als Komödie mit einer wunderschönen Liebesgeschichte – «perfekt als Auftakt»; Andrea Stakas Spielfilm «Das Fräulein» über drei aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Frauen bezeichnet sie als schwerere Kost. Srdjan Dragojevics «Parada» wiederum schildert Arezina als ein Werk, welches das für den Balkan nach wie vor heikle Thema Homosexualität aufgreife – das aber auf eine denkbar skurrile Art und Weise.

Drei Filme an einem Abend – weshalb tun sich Menschen das an? Andrea Arezina: «Weil sie es lieben, tief in eine Welt einzutauchen, die ihnen so lediglich der Film bieten kann.» Altersmässig ist das Publikum jeweilen ganz durchmischt. Dieses reist übrigens nicht allein aus der Region nach Brugg, sondern auch von Zürich – einer Stadt, die als ausgewiesenes Filmmekka gilt. «Wer einmal hier in Brugg war, wird wiederkommen», sagt Andrea Arezina lächelnd und erwähnt die «vielen positiven Reaktionen, die wir stets bereits in den Pausen der Filmnacht bekommen». Das sporne an – nicht zuletzt im Hinblick auf neue Zuschauerinnen und Zuschauer. Und: Wo sind diese? Nun, das bahnhofsnahe «Odeon» könnte eine interessante Anlaufstelle für filminteressierte Studierende am Campus werden. Und dieser wird im Herbst 2013 eröffnet.