Man hat sich schon fast daran gewöhnt: Der Jahresbericht der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) berichtet jeweils über ein weiteres erfolgreiches Jahr der erfolgreichen Hochschule. Das gilt grundsätzlich auch für den jüngsten Bericht über das Jahr 2018. Die FHNW hat wiederum die Vorgaben des Leistungsauftrages grossmehrheitlich erfüllt. Zu diesem Schluss kommt auch der Regierungsrat.

Einzig eine Entwicklung fällt negativ auf: Im Campus Brugg-Windisch ging die Zahl der neueintretenden Studierenden drastisch zurück. Innerhalb eines Jahres sank auf dem Campus Brugg-Windisch die Zahl der Studienanfänger um 16 Prozent.

Starke Konkurrenz

Wie lässt sich dieser überraschende und doch deutliche Rückgang erklären? Dominik Lehmann, Leiter Kommunikation FHNW, relativiert. Der Rückgang sei zwar unerfreulich, aber nicht besorgniserregend und auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen. «Einer dieser Faktoren ist die wachsende Konkurrenz zwischen den Fachhochschulen, welche jeweils zu unterschiedlichen Zeitpunkten neue Angebote positionieren.»

Die FHNW hat auch bereits erste Massnahmen beschlossen. So bietet sie neue Studiengänge an; im Herbst 2019 startet an der Hochschule für Technik in Brugg-Windisch der neue Bachelor-Studiengang Data-Science und die Hochschule für Wirtschaft bietet ihren Studiengang Wirtschaftsinformatik in Englisch ab 2019 auch am Campus Brugg-Windisch an. Zudem will man den Kontakt mit den abgebenden Institutionen auf der Sekundarstufe II intensivieren.

Verstärkt werden soll auch das Marketing. Gezielt will die FHNW diejenigen Ortschaften und Regionen kontaktieren, in welchen eine Abwanderung von Aargauer Studentinnen und Studenten an auswärtige Fachhochschulen festgestellt wird.

Die Frage, ob sich der Negativtrend auch im neuen Studienjahr 2019 fortsetzt, will Dominik Lehmann noch nicht beantworten. «Die aktuellen Anmeldezahlen sehen gut aus», sagt er. Aus Erfahrung wisse man aber, dass bezüglich Anmeldezahlen bis nach den Sommerferien noch starke Schwankungen möglich seien. Deshalb werde die FHNW die Anmeldezahlen erst am 15. Oktober veröffentlichen.

Für die Fachhochschule ganz allgemein gilt: Der Wettbewerb ist härter geworden. Nach einer intensiven Wachstumsphase hat sich die Entwicklung der Studierendenzahlen der FHNW auf hohem Niveau stabilisiert. Die Pädagogische Hochschule, die Hochschule für Technik und die Hochschule für Wirtschaft konnten indes den geplanten Zuwachs an Neueintritten aus Nicht-Trägerkantonen nicht realisieren. Auch diese eine Auswirkung des verstärkten Wettbewerbs unter den verschiedenen Hochschulen.

«Um erste Wahl für ein praxisnahes Studium zu sein, müssen wir uns daher verstärkt anstrengen», schreibt Direktionspräsident Crispino Bergamaschi im Jahresbericht.

Finanziell gut unterwegs

In der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung erwirtschaftete die FHNW einen Rekordwert von 56,5 Millionen Franken. Auch im Bereich Weiterbildung konnte die FHNW die Erträge erneut leicht auf 48,2 Millionen Franken steigern. In seiner Botschaft an den Grossen Rat attestiert der Regierungsrat der FHNW, dass sie die im Leistungsauftrag festgehaltenen Ziele mehrheitlich erreicht habe. Zum ersten Mal seit Jahren sind die Durchschnittskosten pro Studierende leicht von 26 300 auf 27 000 Franke gestiegen. Diese Durchschnittskosten liegen aber noch immer unter den Vorgaben des Leistungsauftrages.

Bei einem Gesamtaufwand von 477,5 Millionen Franken schliesst die FHNW mit einem Aufwandüberschuss von 11,7 Millionen ab. Hauptgrund für das negative Ergebnis ist eine Rückstellung in der Höhe von 11,1 Millionen Franken zugunsten der Vorsorgelösung.

Mit dem Entwicklungsschwerpunkt «Hochschullehrer 2025» will sich die FHNW gezielt mit den Auswirkungen des digitalen Wandels für das Lehren und Lernen auseinandersetzen. Ziel ist es, die Studien und Weiterbildungsangebote, aber auch die Lehr- und Lernformen der FHNW, in die digitale Zukunft zu überführen und damit den künftigen Anforderungen der Studentinnen und Studenten, der Arbeitswelt und der Gesellschaft zu entsprechen.