Brugg
Dr.-Marie-Heim-Vögtlin-Weg: So kam es zum «Bindestrichweg»

Einwohnerrätinnen erwirkten Benennung eines Wegs nach der ersten Schweizer Ärztin Marie Heim-Vögtlin. Sie war eine Bahnbrecherin für die Berufsbildung der Frau und eine Verfechterin des Frauenstimmrechts.

Edgar Zimmermann (Text und Foto)
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Der Dr.-Marie-Heim-Vögtlin-Weg ist wegen einer Baustelle nicht durchgehend passierbar.

Der Dr.-Marie-Heim-Vögtlin-Weg ist wegen einer Baustelle nicht durchgehend passierbar.

Edgar Zimmermann

Mit einer Sondermarke würdigt die Post aus Anlass des 100. Todestags Marie Heim-Vögtlin, die Bahnbrecherin für die Berufsbildung der Frau und Verfechterin des Frauenstimmrechts in unserem Land war. Dass ihr Name seit 1992 auch als Brugger Strassenbezeichnung dient, war der Grünen-Fraktion im Einwohnerrat zu verdanken.

1991 stellten die Einwohnerrätinnen der Grünen, Christina Bürgin, Monique Frey, Daniela Hauser und Ursi Renold einen Film zusammen. Der Titel: «Brugger Weg – weg vom Herd?» Der Anlass: 20 Jahre zuvor war das Frauenstimmrecht in der Schweiz eingeführt worden. In diesem öffentlich vorgeführten Film waren Interviews mit Brugger Frauen integriert, die Auskunft gaben, was ihnen die Politik und das Stimmrecht bedeuten. Die Initiantinnen wollten zudem aufspüren, warum das Frauenstimmrecht erst so spät eingeführt wurde und die Frauen so lange unterprivilegiert und von der Bildung in grossem Masse ausgeschlossen waren.

Die Gruppe organisierte weitere Anlässe, auch in den folgenden Jahren. Beispielsweise Frauenstadtrundgänge zu Stationen bedeutsamer hiesiger Frauen, die trotz ihrer Verdienste nie eine besondere Würdigung erhielten, derweil verdienstvolle Männer mit der Benennung von Strassen, Häusern oder Plätzen ausgezeichnet wurden.

Petition gab den Anstoss

Zu den verdienstvollen Frauen zählt Marie Heim-Vögtlin. Ursula Renold (heute ETH-Forschungsleiterin Bildungssysteme und Fachhochschulratspräsidentin FHNW) hatte sich schon früh mit Berufsbildungsfragen befasst, so auch in ihrer Lizenziats- und Doktorarbeit. In einem Gespräch mit dieser Zeitung zeigte sie auf, dass ihr Marie Heim-Vögtlin mit ihrem Kampf um ein Studium und eine Ausbildung zur Ärztin denn auch grossen Eindruck machte. Diese kämpfte nicht nur für sich – sie wurde zu einer Bahnbrecherin für die Berufsbildung der Frau und einer Verfechterin des Frauenstimmrechts.

Das Grünen-Quartett beschloss in Erinnerung an dieses Wirken, mit erweiterter Unterstützung unter dem Namen «Frauen Brugg/Windisch», Unterschriften zu sammeln und eine Petition einzureichen mit dem Begehren, Marie Heim «die längst verdiente Ehrung zu erweisen und eine Strasse nach ihr zu benennen». Der Stadtrat Brugg nahm das erfreulich breit mitgetragene Begehren positiv auf und wählte für die Benennung – in Ermangelung anderer namenloser Wege – die kurze Fusswegverbindung Museumstrasse-Altenburgerstrasse.

Renold: «Wir hätten uns eine gewichtigere Verbindung gewünscht, zumal keine angrenzende Liegenschaft von diesem Weg aus erschlossen wird, sodass auch heute noch keine einzige Liegenschaft diese Adresse trägt. Wir beantragten als Alternative, eine wichtigere Strasse umzubenennen, doch lehnte die Behörde dies leider ab.»

Im August 1992 fand die Einweihung des «Dr.-Marie-Heim-Vögtlin-Weg» statt, im Volksmund schon bald «Bindestrichweg» genannt. Auch anderswo erhielten Strassen den Namen der ersten Schweizer Ärztin: in Bözen, Zürich – und sogar in Berlin, im sogenannten Schweizer Viertel.

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