Brugg
Dozenten wurden zu Studierenden und trainierten in der Turnhalle

Rund 80 Sportdidaktiker aus der ganzen Schweiz reisten diese Woche nach Brugg, um während zweier Tagen einen breiteren Einblick in Methoden der Bewegungspädagogik zu bekommen. Es war das erste Mal, dass die Tagung in Brugg/Windisch stattfand.

Manuel Hediger
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Dozierende in der Zuhörerrolle
Tanzen auch für Knaben
Workshop Bewegungsabenteuer
Dozierende der pädagogischen Hochschule bilden sich weiter
Tanzen mit Einkaufstüten

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Manuel Hediger

Die Aufgabe von Dozierenden an pädagogischen Hochschulen (PH) besteht darin, angehende Lehrpersonen auszubilden. An der Tagung für Dozierende Bewegung und Sport an PHs (DOBS) nehmen sie jedoch quasi die Rolle von Studierenden ein: Rund 80 Sportdidaktiker aus der ganzen Schweiz reisten diese Woche nach Brugg, um während zweier Tagen einen breiteren Einblick in Methoden der Bewegungspädagogik zu bekommen. Es war das erste Mal, dass die Tagung an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg/Windisch (FHNW) stattfand.

Sport im Sinne der Gesellschaft

Das Motto zum diesjährigen Event lautete: «Im Sportunterricht Gesellschaftswerte trainieren.» In einem Einstiegsreferat zeigte die Leiterin der Professur Bewegungsförderung und Sportdidaktik Elke Gramespacher die unterschiedlichen Interessenstendenzen zwischen den Geschlechtern im Sportunterricht auf: Knaben begeistern sich eher für körperbetonte Spielsportarten und Wettkampf, Mädchen für Ausdruck und Gestaltung. Gerade beim Sportunterricht auf den Stufen, wo Mädchen und Knaben zusammen unterrichtet werden, sei aber wichtig, dass dadurch keine hierarchische Unterordnung der Mädchen erfolgt. «Sportlehrer müssen gezielt mit den individuellen Interessen und Fähigkeiten der Jugendlichen umgehen können und sich von geschlechterbezogenen Vorurteilen lösen», so Gramespacher.

Guido Perlini, Sportdidaktiker an der PH FHNW in Zofingen und Mitglied des Organisationskomitees der DOBS-Tagung, führte die Sachlage auf einer anderen Ebene aus: «Nicht jeder Knabe ist stark und nicht jedes Mädchen tanzt gut.» Jeder Mensch könne seine eigene Rolle im Sport entdecken und sich darauf fokussieren. Und: Mit gewissen Elementen im Unterricht könne man sogar sozialen Missständen vorbeugen: «Tanzen hat eine gewaltpräventive Wirkung. Dabei ist der Einsatz von Musik bereits in der Unterstufe wichtig.»

Weiterbildung auch in der Praxis

Im Sportausbildungszentrum Mülimatt ging es nach einem theorielastigen Vormittag mit Praxis weiter. In vier verschiedenen Workshops übten die Dozierenden interessante Unterrichtsmuster ein. Unter der Leitung vom ehemaligen Judo-Nationalmannschaftsmitglied Markus Wellenreiter lernten sie beispielsweise verschiedene Kampfformen kennen. «Die Didaktiker können so aus eigener Erfahrung ableiten, welche Formen sich für den Unterricht eignen», sagte Perlini. Die Dozierenden sind aber nicht den langen Weg nach Brugg gereist, um sich die hiesige Kultur entgehen zu lassen: Am frühen Abend wurden sie durch den Windischer Legionärspfad geführt und das anschliessende Essen fand in Habsburg auf der Schlossterrasse statt.