Habsburg
"Dorfkönig" gestürzt: Habsburger wählen Gemeindeammann überraschend ab – das sind die Gründe

Überraschung an der Wahlversammlung am Donnerstagabend in Habsburg: Die Wahlberechtigten wählten den bisherigen Gemeindeammann Hansedi Suter ab. Der ehemalige Schlossherr galt als eine Art Dorfkönig.

Janine Müller und Claudia Meier
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Hansedi Suter vor dem Schloss Habsburg. (Archiv)

Hansedi Suter vor dem Schloss Habsburg. (Archiv)

Seit neun Jahren ist Hansedi Suter in Habsburg Ammann. Er besitzt zudem sechs Mehrfamilienhäuser mit dreissig Wohnungen im 430-Seelen-Dorf und ist bekannt als ehemaliger Schlosswirt. Letztes Jahr war Suter in den Schlagzeilen, weil er einen Bürger anzeigte, der ihn in einem Robidog-Streit körperlich angriff und ihm mit dem Tod drohte.
Nun musste Suter am Donnerstagabend eine bittere Niederlage einstecken. An der Wahlversammlung, die gemäss Gemeindeschreiberin Daniela Weibel sachlich und ohne Gehässigkeiten über die Bühne ging, wurde er für die Amtsperiode 2018–21 nicht mehr gewählt. 110 von den 330 Wahlberechtigten waren anwesend. 26 gaben Suter als Gemeindeammann die Stimme (das absolute Mehr lag bei 54 Stimmen). Werner Rüegsegger, bisheriger Gemeinderat, holte 78 Stimmen und ist somit als neuer Gemeindeammann gewählt. Auch als Gemeinderat erreichte Hansedi Suter die geforderten Stimmen nicht. 30 Anwesende wählten ihn (absolutes Mehr: 54).

Enttäuscht, aber gefasst

Einen Tag danach – an seinem 65. Geburtstag notabene – zeigt sich Hansedi Suter gegenüber der AZ zwar enttäuscht über das Resultat, aber auch gefasst. Er nimmt die Entscheidung hin, sagt, dass die andere Gruppe wohl besser mobilisieren konnte. Suter findet mehrere Gründe, warum er wohl nicht wiedergewählt wurde.

«Die Abwahl hängt einerseits mit der Robidog-Geschichte zusammen. Man hat mich in dieser Sache gebeten, meine private Anzeige zurückzuziehen. Das habe ich nicht gemacht, weil für mich mit dem Angriff eine Grenze überschritten wurde. Das machte man mir zum Vorwurf», erklärt der Noch-Gemeindeammann. «Weiter empfinde ich die Abwahl auch als persönliche Abrechnung von Urs Widmer, der stets gegen mich als Gemeindeammann war.»
Urs Widmer war Suters Vorgänger. Während elf Jahren sass er im Gemeinderat, sieben davon als Ammann. Auf die persönliche Abrechnung angesprochen sagt Widmer: «Wenn es nur eine Sache zwischen mir und Hansedi Suter gewesen wäre, hätte dieser doch bestimmt mehr Stimmen erhalten.» Tatsächlich hätten aber die meisten Habsburger, die Suter nicht wählten, einen persönlichen Grund dafür gehabt. Es sei bezeichnend für Habsburg, dass die schmutzige Wäsche nicht in der Öffentlichkeit gewaschen wird.

«Jetzt können wir neu anfangen»

Widmer wirkte in einem Komitee mit, das neue Gemeinderäte suchte. «Es war ein Krampf und wir führten viele Gespräche», betont er. Das Komitee konnte Vizeammann Renate Trösch überzeugen, sich doch nochmals wählen zu lassen. «Sonst hätten wir keine Frau mehr im Gemeinderat», sagt Widmer. Letzte Woche flatterte in alle Haushaltungen ein Flugblatt, auf dem das Komitee mit vier Namen auf den notwendigen Wechsel hinwies. Suter habe in eigener Sache auch ein Flugblatt verteilt, allerdings nicht in alle Haushaltungen, so Widmer. Mit dem Ausgang der Wahlen sei das Komitee zufrieden: «Jetzt können wir neu anfangen.»
Hansedi Suter sieht seine Zukunft in Habsburg. Einerseits will er sich weiterhin um die Liegenschaften kümmern, bei denen er auch die Garten- und Reinigungsarbeiten vornimmt. Andererseits wohnen seine beiden Töchter mit zwei Enkeln in Habsburg. Die Nähe zu diesen ist Suter wichtig. Und nicht zuletzt fühlt er sich in seinem Hausteil wohl. Er blickt stolz auf seine Zeit als Gemeindeammann zurück. «Ich hinterlasse eine Gemeinde, die funktioniert», sagt er. «Der Steuerfuss ist für 2018 bei 82% budgetiert, die Strassen und Abwasserleitungen sind gemacht, die Asylproblematik haben wir mit Mülligen gelöst. Die Gemeinde steht gut da.» Auf dem könne der neue Gemeinderat ab der nächsten Legislatur aufbauen.