Windisch

Dorffest steht auf der Kippe: Diskussionen um Budget sorgen für Rücktritt von OK-Präsident

Im Jahr 2022 sollen der Zapfenstreich (im Bild der Anlass 2016) und das Jugendfest in Windisch mit einem Dorffest verbunden werden.

Im Jahr 2022 sollen der Zapfenstreich (im Bild der Anlass 2016) und das Jugendfest in Windisch mit einem Dorffest verbunden werden.

Eine Motion, die von der Gemeinde finanzielle Unterstützung forderte, wurde nicht überwiesen. Nun tritt der OK-Präsident per sofort zurück. Trotz den Diskussionen um das Budget scheint das Windischer Dorffest 2022 aber noch nicht verloren zu sein.

Der Wunsch nach einem Fest in Windisch ist gross. Vor gut zwei Jahren wurde die Idee konkreter: Ein Dorffest im Jahr 2022 soll es werden, verbunden mit dem Zapfenstreich und Jugendfest. Die einheimischen Vereine haben ihre Unterstützung zugesagt. Ein Organisationskomitee formierte sich mit Dave Roth als Präsident. Am Wochenende gab der ehemalige Einwohnerratspräsident nun aber den sofortigen Rücktritt aus dem OK bekannt.

Hintergrund ist die Einwohnerratssitzung von letztem Mittwoch. An dieser wurde eine Motion der Einwohnerräte Toni Burger (CVP) und Goran Marinkovic (SP und OK-Mitglied) nicht überwiesen. In der Motion forderten die beiden Einwohnerräte, dass zum Budget vom Jugendfest 2022 zusätzlich 30000 Franken aufgenommen werden. Zudem soll der Gemeinderat im Budget 2022 unter «Entschädigungen an Gemeinde» 20000 Franken für Leistungen der Gemeinde (Bauamt, Wasser, Abwasser, Abfall und Sekretariatsarbeiten) aufnehmen.

Das Problem: Das OK ist kein Verein

Das Dorffest-OK erwartete von den Einwohnerräten und vom Gemeinderat, dass sie zum Dorffest stehen und wohlwollend hinter der Idee stehen. Entsprechend bitter enttäuscht waren die Motionäre wie auch die Mitglieder des OK, als der Einwohnerrat die Motion – wenn auch knapp – mit 17 Nein- zu 15 Ja-Stimmen nicht überwies. Kritisiert wurde, dass das OK kein Verein ist und entsprechend über kein Konto verfügt, auf das die Gemeinde einzahlen könnte. Gemeindepräsidentin Heidi Ammon (SVP) sagte zu Beginn der Debatte: «Der Gemeinderat unterstützt die Idee des Dorffests. Das Komitee soll aber einen Verein gründen. Einer Privatperson können wir kein Geld zusprechen.»

SVP-Einwohnerrat Philipp Ammon meinte: «Die ganze Fraktion freut sich auf ein Fest. Die Unterstützung steht nicht zur Diskussion. Wir verstehen aber nicht, warum es als Motion daherkommt. Denn jeder Verein muss ein Budget vorlegen, wenn er Unterstützung beantragt.» So sah es auch die FDP. Aus den Reihen der SP kam die Befürchtung, dass das Dorffest das Jugendfest zu sehr konkurriert. Das sei nicht der Fall, beschwichtigte Marinkovic. Ins eigene Fleisch geschnitten haben sich die beiden Motionäre dann, als sich zeigte, dass sie bezüglich Vereinsgründung nicht auf dem gleichen Stand sind. So meinte Toni Burger, dass eine Vereinsgründung kein Thema sei, Goran Marinkovic hingegen bestätigte, dass dies angegangen werden soll. Das sorgte im Gemeindeparlament für unnötige und zusätzliche Verwirrung.

«Möglicherweise habe ich dünnhäutig reagiert. Aber nach dem Entscheid  des Einwohnerrats ist mir die Freude  vergangen.» - Dave Roth, Ex-OK-Präsident Dorffest.

«Möglicherweise habe ich dünnhäutig reagiert. Aber nach dem Entscheid des Einwohnerrats ist mir die Freude vergangen.» - Dave Roth, Ex-OK-Präsident Dorffest.

Jedenfalls hatte der Entscheid des Einwohnerrats zur Folge, dass Dave Roth – er war an der Sitzung als Besucher anwesend – am Wochenende den sofortigen Rücktritt als OK-Präsident kommunizierte. Auf Anfrage der AZ sagte er gestern Montag: «Es scheint am politischen Willen für ein solches Fest zu mangeln. Die Argumentation bezüglich Vereinsgründung fand ich persönlich an den Haaren herbeigezogen.» Wenn man etwas freiwillig mache, dann müsse man auch Lust und Freude daran haben. «Möglicherweise habe ich dünnhäutig reagiert», meinte er. «Nach dem Entscheid des Einwohnerrats ist es mir aber vergangen.»

Mit seinem Entscheid löste Dave Roth im OK allerdings etwas aus, das er keinesfalls beabsichtigt hatte. So wollen die Zuständigen des Vereins Zapfenstreich Windisch ihre Arbeit ebenfalls an den Nagel hängen. Am Mittwoch soll der Onlineauftritt eingestellt werden. Das wurde auf der Social-Media-­Plattform Facebook bekanntgegeben. «Ich verstehe die Frustration der Verantwortlichen, es wäre aber sehr schade, wenn jetzt Bestehendes, das super funktioniert, aufgegeben wird», so Roth.

Positive Signale seitens des Gemeinderats

Der Entscheid sorgte auch auf Facebook für Diskussionen. So meldete sich Einwohnerrat Philipp Ammon: «Schade, wenn der Verein Zapfenstreich aufgeben will.» Er habe die Diskussion im Einwohnerrat anders erlebt. «Der gesamte Einwohnerrat Windisch war bereit, dieses Geld für ein Fest auszugeben. Ich und auch andere haben persönlich vor der Einwohnerratssitzung mit dem OK Kontakt aufgenommen und gesagt, es müsse einen Verein gründen, damit es überhaupt möglich ist, ihm Geld zukommen zu ­lassen.» Eine andere Person schrieb: «Ich verstehe euren Frust! Nur leider wird zu schnell aufgegeben und alles hingeschmissen. Wieso macht ihr nicht eine Denkpause und analysiert Alternativen?»

Tatsächlich scheint das Windischer Dorffest 2022 noch nicht verloren. Gestern meldete sich Gemeindepräsidentin Heidi Ammon bei der AZ und gab bekannt, dass man dem OK eine zweite Chance geben möchte und die Anfrage um finanzielle Unterstützung in einem zweiten Anlauf sauber und umsetzbar angehen will. «Ein Dorffest ist für die Exekutive wie die Legislative unbestritten eine gute Idee», betonte sie. Dave Roth will in den nächsten zwei Wochen noch eine OK-Sitzung einberufen, um das weitere Vorgehen zu klären.

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