Windisch
Doppelstockzüge für Moskau rollen auf der Strasse durch den Aargau

Mitten in der Nacht auf Donnerstag kommt es in Windisch zu einer spektakulären Aktion im Auftrag des Bahnbauers Stadler Rail. Ein Doppelstöcker-Wagen wird durch den Aargau zum Schiffsverlad in Muttenz gebracht.

Max Weyermann
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Schwertransport in Windisch
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Geschafft - weiter führt die Fahrt Richtung Hausen
Gegen die eigentliche Fahrtrichtung kurvt der Lastenzug recht zügig durch den Kreisel und entschwindet nach kurzer Zeit den Blicken der Beobachter
Der Lastenzug ist 50 Meter lang, 4,2 Meter breit, 5,2 Meter hoch und total 125 Tonnen schwer
Der Lastenzug braucht Platz, die Strassensignalisationen müssen kurzzeitig entfernt werden

Schwertransport in Windisch

Max Weyermann

Von den insgesamt 25 Zugkompositionen, welche der russische Bahnbetreiber Aeroexpress bei Stadler Rail in Altenrhein bestellt hat, werden die ersten vier in der Schweiz gebaut und durch den Aargau zum Schiffsverlad in Muttenz gebracht. In der Nacht auf Donnerstag ist der zweitletzte Transport dieses Jahres über die Bühne gegangen.

Es ist 2 Uhr. Sechs Bahn-Freaks stehen, zum Teil mit Kameras ausgerüstet, seit Mitternacht beim Harmonie-Kreisel in Windisch und warten geduldig auf den Schwertransport aus Richtung Baden. Sie rätseln darüber, wie der 50 Meter lange, 4,2 Meter breite, 5,2 Meter hohe und total 125 Tonnen schwere Lastenzug mit seinen elf Achsen die noch nicht ganz fertiggestellte Abzweigung in die Hauserstrasse mit noch offenen Mittelstreifen meistern wird.

Einige Minuten später ist diese Frage beantwortet, das Zugfahrzeug und der 45 Tonnen wiegende, in Aluminium-Leichtbauweise gefertigte Doppelstöcker-Endwagen auf dem Tiefladeanhänger kurven gegen die eigentliche Fahrtrichtung durch den Kreisel und entschwinden nach kurzer Zeit den Blicken der Beobachter.

Autobahn ist keine Option

Für den Transport der in der Schweiz gefertigten vier Züge ist die Firma Emil Egger AG mit Hauptsitz in St. Gallen verantwortlich. Pascal Hofer, zuständiger Projektleiter: «Die insgesamt 20 Wagen werden einzeln von Altenrhein nach Muttenz gebracht. Für die wegen der komplizierten Routen total 280 Kilometer lange, mittels 3D-Laser-Verfahren minuziös vermessene Strecke benötigen wir jeweils bis zu 27 Stunden, respektive drei Nächte, weil am Tag nicht gefahren wird.»

Auf den Autobahnen ist die Verschiebung infolge der Höhe nicht möglich, und der Schienentransport kommt wegen den grossen Abmessungen ebenfalls nicht infrage. Der Weg durch den Aargau führt jeweils von Endingen via Untersiggenthal–Siggenthalerbrücke–Windisch–Hausen–Möriken–Niederlenz–Rupperswil–Aarau nach Erlinsbach.

Einsatz in Moskau

Nach dem Schiffsverlad in Muttenz werden die komplettierten Züge einzeln auf dem Rhein nach Amsterdam gebracht und von dort auf einem Küstenmotorschiff via Nord-/Osteekanal bis nach Sassnitz auf der Insel Rügen transportiert, wo der Umschlag auf eine Breitspur-Gleisfähre erfolgt.

Von Litauen wird das Rollmaterial auf der Breitspur-Strecke nach Minsk gezogen, wo im 2013 eingeweihten Stadler-Werk die Inbetriebsetzungsarbeiten auf dem Programm stehen. Der letzte Transport des Jahres 2014 auf der Route durch den Aargau erfolgt mit dem 14. Wagen in der Nacht auf nächsten Dienstag. Der vierte Zug mit sechs Wagen wird sodann Anfang 2015 nach Weissrussland geliefert.

Die neue Fabrik in Minsk produziert die weiteren 21 Kompositionen. Eingesetzt werden die insgesamt 25 Doppelstock-Züge mit ihren total 118 Wagen ab 2015/16 auf den S-Bahn-Linien zwischen dem Moskauer Stadtzentrum und den drei internationalen Flughäfen Sheremetyevo, Vnukovo und Domododevo.