Die Brugger Altstadt ist bei weitem nicht die einzige, die ein Problem mit dem Lädelisterben hat. In Baden und Aarau ist das genauso ein Thema wie in Basel und sogar Zürich. Die Gründe dafür sind schnell gefunden: der Onlinehandel, der Einkaufstourismus. Doch was können Städte tun, um ihren Innen- und Altstädten wieder mehr Leben einzuhauchen?

Diese Frage wurde am Donnerstag im Rahmen der Generalversammlung des Schweizerischen Gemeindeverbands (SGV) im Campussaal Brugg-Windisch auf einem Podium diskutiert. Ihre Meinung kundgetan haben: Barbara Horlacher, Frau Stadtammann Brugg; Edna Epelbaum, CEO Cinevital AG und Präsidentin Schweizerischer Kinoverband; Hannes Germann, SVP-Ständerat Schaffhausen; Thomas Bretscher, Inhaber Retail Impulse GmbH sowie Martin Schläpfer, Leiter Wirtschaftspolitik der Migros. Vor der Diskussion teilte jeder Podiumsteilnehmer in einem Impulsreferat seine Gedanken mit.

Barbara Horlacher meinte beispielsweise, dass die Vielfalt und die Qualität der erhältlichen Waren in einer Altstadt genauso entscheidend sind wie eine genügende Anzahl an Gastrobetrieben. Eine Aussenbestuhlung der Restaurants sei wichtig, dazu komme natürlich ein attraktives, sauberes Stadtbild. «Einkaufen in der Altstadt muss ein Erlebnis sein.»

Kreative Gestaltung hilft

In dieselbe Richtung referierte Thomas Bretscher. «Wir brauchen den Detailhandel und die Gastronomie in den Altstädten.» Denn der Detailhandel sei ein Treffpunkt für die Menschen. Und: «Eine Stadt ist nur so gut wie ihr Zentrum.» Dieses müsse belebt werden, unter anderem mit einer attraktiven Gestaltung. «Seien Sie kreativ», mahnte er die anwesenden Gemeindevertreter. Die Schlagwörter: Aufenthaltsqualität schaffen, Aufenthaltsdauer verlängern, Frequenzen erhöhen. Dass ein attraktives Ortszentrum wichtig ist, unterstrich auch SVP-Ständerat Hannes Germann. «Ortskerne stiften Identität und verleihen einer Gemeinde einen eigenen Charakter», sagte er. «Das Ortszentrum steht somit auch für ein Gefühl der Verbundenheit der Menschen mit der Gemeinde, in der sie leben. Die Begegnung und das Erlebnis vor Ort können wir nicht online kaufen.» Es brauche dafür nicht nur den Detailhandel und die Gastronomie, sondern auch Co-Working-Spaces, Parkanlagen, Kultur und Veranstaltungen oder die Verwaltung.

Martin Schläpfer wiederum enervierte sich über die Ladenöffnungszeiten. «Brauchen wir so viele Tankstellenshops, wie es heute gibt?», fragte er. «Warum nicht einfach die Öffnungszeiten grundsätzlich liberaler gestalten?» Der Onlinehandel finde schliesslich auch rund um die Uhr und an Wochenenden statt. «Fussballspielen und Partys gehen am Wochenende, aber einkaufen – keine Chance», sagte er.

Die Quintessenz der anschliessenden, aus Zeitgründen kurzen Diskussion lautete: Die Gemeinden sollten alles tun für attraktive öffentliche Plätze, für einen attraktiven öffentlichen Raum. In ihrem Schlusswort appellierte Barbara Horlacher an die Anwesenden: «Gehen Sie in Ihrem Dorf, in Ihrer Stadt lokal einkaufen. Unterstützen Sie das Gewerbe vor Ort.»