Windisch
Diskussion ums Dohlenzelg: Kritikern passt nicht, dass das Schulhaus abgebrochen werden soll

Das Schulhaus Dohlenzelg in Windisch soll abgerissen werden. Das hat die städtebauliche Studie ergeben, die kürzlich an einem Infoabend vorgestellt wurde. Das passte ein paar Anwesenden nicht. Der Zürcher Architekt Antti Rüegg, früher mal wohnhaft in Windisch, machte an diesem Abend, aber auch in einem Leserbrief an die AZ, seinem Ärger Luft.

Janine Müller
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Das Dohlenzelg-Schulhaus ist architektonisch zwar wertvoll, allerdings ist die Bausubstanz in schlechtem Zustand. Eine Sanierung ist keine Option. jam

Das Dohlenzelg-Schulhaus ist architektonisch zwar wertvoll, allerdings ist die Bausubstanz in schlechtem Zustand. Eine Sanierung ist keine Option. jam

Janine Müller

Im Leserbrief fordert er, dass vor einem Abriss des Schulhauses ein Fachgutachten den kulturellen Wert des Gebäudes untersucht. Die Gemeinde hat dies nicht gemacht. Die Gründe dafür sind vielfältig. «Im Rahmen der Schulraumplanung wurden vom beauftragten Planungsbüro alle Schulbauten bezüglich Bau, Energie und Architektur untersucht», sagt Vizepräsidentin Rosi Magon. «Das Untersuchungsergebnis für das Schulhaus und die Turnhalle Dohlenzelg kam zum Schluss, dass das Ensemble architektonisch wertvoll ist.»

Sanierung nicht wirtschaftlich

Hingegen habe die Untersuchung zum baulichen Zustand der Einzelbauteile und die energetische Einstufung der Gebäudehülle sowie der Energieträger Heizung und Warmwasser einen sehr schlechten Wert ergeben. In der Zustandsanalyse heisst es: «Der schlechte bauliche Zustand bedarf einer dringenden Gesamterneuerung, die jedoch nicht wirtschaftlich sein wird.» Im Schlussbericht stehen dem Vorteil für die architektonische Qualität etliche Nachteile gegenüber.

Bei einer Sanierung könnte der zusätzliche Raumbedarf nicht gedeckt werden, die Schulräume würden den heutigen Richtlinien nicht besprechen (keine Gruppenräume), eine Verbesserung der Schulorganisation wird nicht erreicht, die Turnhalle entspricht mit den Spielfeldgrössen nicht den heutigen Normen, die Kosten pro Quadratmeter wären für eine Sanierung etwa annähernd so hoch wie ein Ersatzneubau und der Energiestandard geringer als bei einem Ersatzneubau. «Aus all diesen Gründen wurde verzichtet, ein Fachgutachten einzuholen», sagt Rosi Magon. «Der Einwand von Antti Rüegg ist von einer einseitigen architektonischen Sicht geprägt.» Für die habe sie auch Verständnis, «ist er doch Architekt und nicht Einwohner von Windisch und somit kann er den Prozess der Schulraumplanung, der bereits Mitte 2015 gestartet wurde, nicht kennen».

Der Gemeinderat Windisch hat nach Konsultation der Begleitgruppe mit Vertretungen aus Gemeinderat, Schule, Abteilung Planung und Bau sowie Fachplaner, aber auch von einer Echogruppe mit Vertretern des Einwohnerrats entschieden, die Variante «Grosse Mitte» der Architekten Ebinger Kuwatsch aus Zürich weiterzuverfolgen (die AZ berichtete). Der Projektierungskredit wird im Herbst dem Einwohnerrat vorgelegt. Auch dieses Vorgehen kritisiert Architekt Antti Rüegg. Er sagt, dass das Vorgehen, das ausgewählte Projekt als Siegerprojekt zu bezeichnen, submissionsrechtlich nicht zulässig ist.

Auftrag öffentlich ausgeschrieben

Diesen Vorwurf lässt Rosi Magon nicht gelten. «Die Gemeinde hat einen nichtanonymen Studienauftrag auf simap.ch nach den Regeln der Norm SIA 143 ausgeschrieben mit der Möglichkeit eines Folgeauftrags.» Dabei vorgesehen ist, dass die Ergebnisse am Schluss publiziert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. «Inzwischen wurde der Entscheid des Gemeinderats zur Direktvergabe des Architekturauftrags den drei Teilnehmern eröffnet und die Publikation in die Wege geleitet.»

Auch GLP-Nationalrat Beat Flach, Jurist beim Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein, meint auf Nachfrage der AZ: «Diesem Vorgehen ist nichts auszusetzen. Die Gemeinde Windisch ist juristisch korrekt vorgegangen.» Der Leserbriefschreiber irre sich. «Der Auftrag wurde öffentlich ausgeschrieben, auch im Amtsblatt.» Der Studienwettbewerb nach der SIA Norm 143 sei genau für solche Fälle wie in Windisch entwickelt worden.

Wie der Gemeinderat Windisch im Geschäft Dohlenzelg weiter vorgehen will, ist noch nicht bekannt. Mitte September wird die Botschaft an den Einwohnerrat vorliegen, die Aufschluss geben wird.