Tiefenlager

Diskussion beginnt: Wo wird die Verpackungsanlage für Brennelemente realisiert?

Mit Sondierbohrungen – hier der Bohrplatz «Bözberg 1» – wird der Untergrund untersucht.

Mit Sondierbohrungen – hier der Bohrplatz «Bözberg 1» – wird der Untergrund untersucht.

Die Suche nach einem Standort für ein Tiefenlager für radioaktive Abfälle dauert an. Die Regionalkonferenz Jura Ost muss ihre Jahresplanung anpassen.

Die Coronapandemie hat Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft genauso wie auf die Umwelt und die Kultur – und auf die Regionalkonferenz Jura Ost. Die Sitzungs- und Versammlungstätigkeit musste für einige Zeit weitgehend sistiert, die Jahresplanung angepasst werden. Eine Anfang März im Salzhaus Brugg vorgesehene Veranstaltung, an der sich die Regionalkonferenz Jura Ost einer breiten Öffentlichkeit vorstellen wollte, wurde gestrichen.

Auf der Suche nach einem Standort für ein Tiefenlager für die radioaktiven Abfälle vertritt die Regionalkonferenz die Interessen der Region Jura Ost (Bözberg). Im Verlauf der nächsten Monate, heisst es im Zwischenbericht zur Vereinstätigkeit, wird die provisorische Stellungnahme zu den vorgeschlagenen Oberflächeninfrastrukturen ergänzt und bereinigt – unter Einbezug der Fachgruppen sowie unter Berücksichtigung der Anliegen besonders betroffener Organisationen und Einrichtungen wie Paul-Scherrer-Institut (PSI) oder Zwischenlager Würenlingen AG (Zwilag). Die Abgabefrist ist vom Bundesamt für Energie von Ende dieses Jahres auf das erste Quartal 2021 verlängert worden.

Das Verfahren befindet sich aktuell in Etappe 3

Diesen Monat beginnt zudem die überregionale Diskussion über eine mögliche externe Brennelemente-Verpackungsanlage. Im Zentrum steht laut Regionalkonferenz Jura Ost die grundsätzliche Frage, ob die Verpackungsanlage für hochradioaktive Abfälle innerhalb oder ausserhalb der Standortregion realisiert werden soll.

Zur Erinnerung: Die Suche nach einem Standort für ein Tiefenlager für radioaktive Abfälle verläuft in der Schweiz in drei Etappen. Die aktuell laufende dritte Etappe, die im 2019 begonnen hat, dauert voraussichtlich zehn Jahre. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) konkretisiert in dieser unter anderem die Oberflächeninfrastruktur in den verbliebenen Standortgebieten.

Vertieft auf eine Eignung als Standort für ein Tiefenlager untersucht werden noch die Regionen Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost. Diese sind aufgefordert, sich zur Lage und zur Ausgestaltung möglicher Oberflächeninfrastrukturen – wie beispielsweise Lüftungsschächte – zu äussern.

Zu den Untersuchungen gehören auch Bohrungen

Die Nagra legte im Mai 2019 Diskussionsvorschläge vor. Die Beurteilung der Vorschläge erfolgte durch ein Bewertungsinstrument, das von der Regionalkonferenz eigens für diesen Zweck erarbeitet wurde. Auf der Grundlage der Bewertungsergebnisse ist Ende des letzten Jahres die provisorische Stellungnahme verfasst worden.

Zu den Untersuchungen der Nagra gehören weiter auch Sondierbohrungen. Die erste Bohrstelle «Bözberg 1» in der Nähe der Weiler Ursprung und Vierlinden ist seit Ende April in Betrieb. Während sechs bis neun Monaten wird bis rund 1000 Meter in die Tiefe gebohrt. Aktuell sind etwa 500 Meter erreicht. Im Verlauf dieses Sommers beabsichtigt die Nagra, die zweite Sondierbohrung zu starten am Standort «Bözberg 2» unweit der Landwirtschaftsbetriebe Äbertsmatt und Ried­acker. (mhu)

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