Es schien aufwärtszugehen mit der Musikgesellschaft Villigen: Mit Coni Baldinger stiess letzten März ein erfahrener und kompetenter Dirigent zum kleinen Amateurensemble. Das Repertoire der Musiker wuchs, wurde anspruchsvoller, und auch der Applaus der Konzertbesucher schien stetig lauter zu werden. Erst vor wenigen Wochen feierte der Verein sein 150-jähriges Bestehen mit einer eindrücklichen Jubiläumsaufführung, für die die Musikgesellschaft zehn neue Stücke einstudiert hatte.

Acht Musiker trotzen dem Zerfall

Doch die Klänge sind wieder düsterer geworden. Nach nur knapp einem Jahr gab Coni Baldinger bekannt, die acht Musiker mangels Zukunftsaussichten Ende April zu verlassen. «Er ist ein sehr ambitionierter Dirigent», sagt Daniel Schneeberger, Vizepräsident und Posaunist der Villiger Musikgesellschaft.

Mit den Amateurmusikern aus Villigen würde Baldinger in den kommenden Jahren nie an kantonalen oder eidgenössischen Musikfesten teilnehmen können. «Er möchte einen solchen Weg mit einem Verein gehen, das müssen wir respektieren», bedauert Schneeberger den Entscheid des Dirigenten. Unter dessen Leitung habe die Musikgesellschaft einige Fortschritte gemacht, wie der Vizepräsident erklärt: «Die Chemie bei den Proben hat gestimmt. Man hat uns im Dorf wieder mehr wahrgenommen.»

Trotz der Hiobsbotschaft halten die acht Musikanten und ihr Fähndrich am Verein fest. «Wir glauben fest daran, die Musikgesellschaft erhalten und wieder beleben zu können», sagt Schneeberger.

Nur: Dafür braucht sie dringend musikbegeisterten Neuzugang und eine musikalische Leiterin oder einen musikalischen Leiter, welche die Geduld aufbringen, mit einem kleinen Dorf-Ensemble etwas aufzubauen. «Weil wir nur acht Amateurmusiker sind, spielt praktisch jeder eine Solostimme», erklärt der Vizepräsident. «Da hört man jeden einzelnen Ton, ob er passt oder nicht. Darum muss der Bestand an Musikern dringend wieder erhöht werden.»

Um den Verein vor dem Zerfall zu retten, sucht die Musikgesellschaft ambitionierte Musikerinnen und Musiker aus Villigen, die auf verschiedensten Instrumenten das Dorfleben klanglich mitgestalten möchten. «Euphonium, Posaune, Klarinette – da lassen wir alle Türen offen», sagt Schneeberger und fügt an: «Auch einen Keyboardspieler könnten wir uns für den Basisklang unseres Ensembles gut vorstellen.»

Nun liegt es an den Einwohnern

Auf die Frage, warum die Villiger sich nicht mit einem anderen Verein, beispielsweise der Musikgesellschaft im benachbarten Remigen, zusammenschliessen, erklärt Schneeberger: «Remigen spielt ein anspruchsvolleres Repertoire als wir.» Trotzdem habe man sich gefunden und erhalte von Remigen musikalische Unterstützung beim einen oder anderen Anlass.

Es liegt also an den Einwohnerinnen und Einwohnern von Villigen, die Musikgesellschaft wieder zum Erklingen zu bringen. Wer seinen Teil zur Rettung des Traditionsvereins beitragen möchte, kann dies jeden Donnerstagabend tun. Dann proben die Musikanten im Untergeschoss der alten Turnhalle in Stilli, hoffen auf ambitionierte Neuzugänge und darauf, dass die Musikgesellschaft noch viele Jahre für hoffnungsvolle Klänge in Villigen sorgen darf.