Windisch
Dirigent Pascal Gruber: «Wer bei uns ist, soll gerne hier sein»

Der gebürtige Wettinger Pascal Gruber leitet seit 2012 die renommierte Musikgesellschaft Eintracht Windisch – und das mit Erfolg. Mit ihr gibt er am Sonntag ein Kirchenkonzert.

Elisabeth Feller
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Die Musikerinnen und Musiker sind voll dabei: Die Musikgesellschaft Eintracht Windisch bei ihrem Konzert im Frühling dieses Jahres. Max Weyermann/az-Archiv

Die Musikerinnen und Musiker sind voll dabei: Die Musikgesellschaft Eintracht Windisch bei ihrem Konzert im Frühling dieses Jahres. Max Weyermann/az-Archiv

Max Weyermann/az-Archiv

Die Anfrage kam überraschend. Ob er Lust habe, die Musikgesellschaft Eintracht Windisch ab 2012 zu übernehmen? Pascal Gruber sagte ja – seither sind der Dirigent und die MG ein Herz und eine Seele. Sie passen hervorragend zusammen, gerade weil sie altersmässig unterschiedlich sind: Dem 27-jährigen Dirigenten steht die 101-jährige Musikgesellschaft gegenüber.

Angst vor der traditionsträchtigen Institution habe er nicht gehabt, sagt Gruber. Weshalb auch? Er ist kein unbeschriebenes Blatt, schliesslich hat er jahrelang die MG Stetten geleitet.«Musik ist in unserer Familie gang und gäbe», erklärt der gebürtige Wettinger seine Leidenschaft.

Die Musikgesellschaft Eintracht Windisch

Die Musikgesellschaft Eintracht Windisch wurde am 20. Juni 1912 gegründet. Derzeit weist sie 47 Aktivmitglieder auf. Die Musikgesellschaft spielt in der Stärkeklasse 2 in Harmoniebesetzung unter der musikalischen Leitung von Pascal Gruber und Roman Wernli. Die Proben finden jeden Montagabend im Probelokal im Dorfschulhaus Windisch statt. Am Sonntag, 3. November findet das traditionelle Konzert in der Reformierten Kirche Windisch um 17 Uhr statt; Eintritt frei, Kollekte. Es dirigiert Pascal Gruber; durch das Programm führt Barbara Büchli. Die MG Eintracht Windisch spielt folgende Werke: «Conzensus», «The Baron of Dedem», «African Symphony», «A Highland Rhapsody», «Crazy Music in The Air», «Yorkshire Ballad», «A Celtic Impression» und «Arnhem». (AZ)

Gerade, weil die Musik in seinem Leben fest verankert ist, nimmt der Dirigent vieles auf sich.Für den Rettungssanitäter beim Kantonsspital Baden ist das Vereinen von Beruf und Freizeit alles andere als einfach. Deshalb ist Pascal Gruber froh, in Roman Wernli «einen sehr guten Vizedirigenten» neben sich zu wissen.

Jüngeres Publikum ansprechen

Selbst wenn der Dirigent noch überaus jung ist, merkt man ihm die lange, tiefe Vertrautheit mit Blasmusik an. Die breite Bevölkerung setze diese automatisch mit Marschmusik gleich,sagt er, aber: «Man soll sie zwar spielen, aber nicht nur sie allein. Wir erweitern unser Repertoire mit Swing, Rock und Pop, um damit ein jüngeres Publikum ins Boot zu holen.»

Längst nicht alle Hits eignen sich jedoch für eine Blasmusik; umso sorgfältiger muss die Auswahl getroffen werden, um im Konzert möglichst viele Geschmäcker zu treffen. Das gelingt der MG Eintracht immer wieder, weshalb ihre Konzerte lebhaften Zuspruch finden – gerade bei jungen Menschen.

Exakt wie im altersmässig gemischten Publikum sitzen auch in der Musikgesellschaft erprobte Spieler neben Novizen. «Die Älteren brennen darauf, ihre Erfahrungen an Jüngere weiterzugeben», unterstreicht Gruber und fügt stolz hinzu: «Wir haben glücklicherweise keine Nachwuchssorgen.»

Wie das, wo andere Musikgesellschaften explizit eine solche beklagen? Gruber führt das auf einen speziellen Umstand zurück: Die Musig-Würm. Sie gingen 1997 aus den Jungbläsern hervor und stehen seither unter Leitung der MG Eintracht.

Mit den Musig-Würm sichert die «Eintracht» dem Verein die Zukunft. Für Pascal Gruber ist das nicht die einzige «gute Sache». Es gibt noch eine andere. «Junge Menschen, die in der Schule voll gefordert sind, haben bisweilen kaum Zeit für die Proben. Deshalb dürfen sie bei uns auch nur eine Stunde mitwirken.»

Dieser partnerschaftliche Umgang auf Augenhöhe schweisst die Musiker und ihren Dirigenten zusammen.

Das Niveau stabilisieren

Wohin will dieser die MG Eintracht steuern? Pascal Gruber lacht: «Es gibt keinen offiziellen Businessplan. Mir geht es primär darum, das aktuelle Niveau zu stabilisieren. Wichtig ist zudem: Alle, die zu uns kommen, sollen gerne bei uns sein. Kameradschaft und Gemeinschaft ist für die Spielerinnen und Spieler sehr wichtig. Ich, als Dirigent, nehme die musikalische Seite ein.» Pascal Gruber lacht, sagt: «Jetzt muss ich weiter.»