Wenn der Spätdienst im Spital erst um 1 Uhr in der Früh endet anstatt um 23 Uhr; wenn die Fachfrau Gesundheit bereits um 14.30 Uhr erneut zum Dienst antritt – «dann kann es streng werden, aber die Begeisterung für die Musik und die fröhlichen und erwartungsvollen Gesichter der Musizierenden machen dies längst wieder wett».

Das sagt Sabrina Fehlmann, die 25-jährige Dirigentin der Musikgesellschaft (MG) Hausen. Wie sie ist ihr gleichaltriger Kollege Guido Staudacher ebenfalls «angefressen» von der Musik. Auch der Student investiert viel in die Dorfmusik Mandach. «Der grösste Aufwand besteht aber nicht im Dirigieren», sagt er, «sondern in der Vorbereitung und Organisation.»

«Wir wollen allen etwas bieten»

Diese Arbeit sei zeitaufwendig: «In Mandach proben wir einmal pro Woche; vor grossen Auftritten intensivieren wir noch unsere Probentätigkeit. Für das Jahreskonzert, das morgen stattfindet, haben wir rund 20 Proben absolviert.» Staudacher ist selbst Instrumentalist in der Dorfmusik Mandach. «Derzeit sind wir auf der Suche nach einem Dirigenten, darum sitze ich jetzt nicht in den Reihen der Musikanten», sagt der Student.

Am 5. und 6. April schlägt die grosse Stunde für zwei traditionsreiche Musikgesellschaften und zwei junge Menschen, die wissen: Nur nicht stehen bleiben; stets offenen Sinnes Neues wagen, auf dass die Musikprogramme «für alle etwas bieten», wie Guido Staudacher betont.

Bei Sabrina Fehlmann hört sich das so an: «Wir wollen jeden Mann und jede Frau; Jung und Alt ansprechen. So kann gerade ein schöner Marsch die ältere Generationen an Feste erinnern, während die Jungen sich von der Euphorie der Älteren anstecken lassen.» Die junge Frau kennt die Konzert-Dramaturgie aus dem Effeff. Deshalb fehlt «in keinem Programm ein Marsch oder ein Stück im Dreivierteltakt.

Aber auch Aktuelles wie Gangnam-Style oder die Titelmelodie aus dem letzten James-Bond-Film sind dabei», sagt Sabrina Fehlmann bestimmt. «Würden wir stets dasselbe Repertoire spielen, würde dieses irgendwann den Reiz verlieren», ergänzt Guido Staudacher.

«Ein Stück muss drei Hürden nehmen, um in unserem Konzertprogramm aufzutauchen. Es soll den Neigungen der Musizierenden entsprechen und die technischen Schwierigkeiten müssen beherrschbar sein. Erst wenn wir glauben, dass ein Stück vom Publikum geschätzt wird, nehmen wir es ins Programm auf.»

Dass sich die beiden 25-Jährigen derart für die Musikgesellschaften starkmachen, muss Gründe haben. Welche?

«Einzigartig«

Sabrina Fehlmann ist mit 13 Jahren in die MG Villnachern eingetreten und spielt dort bis heute Flöte. Als «einzigartig» bezeichnet Guido Staudacher «die stilistische Bandbreite in einem Musikverein. Professionelle Musikformationen können sich dies gar nicht leisten, da sie einem Anspruch nach Perfektion verpflichtet sind.» «Musikgesellschaften kennen kaum Altersgrenzen», sagt Sabrina Fehlmann, «in der MG Hausen spielen 11- bis 76-Jährige mit.»

Überdies kämen in den MG völlig unterschiedliche Menschen zusammen. «Die Reinigungskraft sitzt beispielsweise neben dem Arzt.»

Das Dirigieren haben Sabrina Fehlmann und Guido Staudacher von der Pike auf gelernt. Sie hat unter anderem den 1. Dirigentenkurs des Musikverbandes absolviert und nimmt Unterricht beim Posaunisten, Arrangeur, Komponisten und Chorleiter Rolf Urech; er hat bei mehreren Lehrern Dirigierunterricht besucht.

«Von Proben und Konzerten, die von guten Dirigenten geleitet werden, kann man sehr viel lernen», sagt Guido Staudacher.

Aber das Wichtigste sei: Selbstbewusstsein. «Ohne Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist es unmöglich, zu dirigieren.»

Jahreskonzerte Musikgesellschaft Hausen, 5. April, 20.15 Uhr, Mehrzweckhalle. Dorfmusik Mandach, 5. April, 20.15 Uhr; 6. April, 14 Uhr, Turnhalle.