Brugg

Digitale Welt: «Das Wühlen im Schlamm kann noch nicht digitalisiert werden»

Die Lehrerschaft diskutierte angeregt über die digitalen Medien in den Schulzimmern. ZVG

Die Lehrerschaft diskutierte angeregt über die digitalen Medien in den Schulzimmern. ZVG

Die Digitalisierung ist an Schulen ein Thema, das zu reden gibt. An der Weiterbildung der Brugger Schulen erklärte der Zukunftsforscher Georges T. Roos dieses Spannungsfeld zur Herausforderung für die Bildung und sprach über «Megatrends».

Beschleunigung. Globalisierung. Gesundheit. Wertewandel. Dies sind alles sogenannte «Megatrends». Faktoren oder Themen, die unsere Gesellschaft innerhalb mehrerer Jahrzehnte langsam, aber tiefschürfend verändern. Normalerweise widmen sich diesem Phänomen Zukunftsforscher. Gestern Mittwoch waren es jedoch die Lehrkräfte aller Brugger Schulen, die sich mit Megatrends und deren Auswirkungen auf das schulische Umfeld beschäftigten.

An Altbewährtem festhalten?

Nach einer Begrüssung von Peter Merz, dem Gesamtschulleiter der Schulen in Brugg, folgte bereits der Höhepunkt des Morgens: Georges T. Roos, Zukunftsforscher, zeigte in seinem dichten Referat auf, wie verschiedene Megatrends auch einen direkten Einfluss auf Schule und Bildung haben können. «Das Lebenstempo ist gestiegen – wir erleben heute pro Zeiteinheit mehr Ereignisse als früher», hielt der Luzerner fest.

Gleichzeitig würden wir heute Zeiten der «zwanghaften Entschleunigung» wie beispielsweise Stau, Krankheit oder Arbeitslosigkeit kennen. Die Schule könnte der Ort sein, wo diese Be- und Entschleunigung im Gleichgewicht gehalten wird. «Hier besteht aber auch eine Herausforderung», so Roos. Ein Megatrend, der dann später auch in den Gesprächsrunden ein brennendes Thema werden sollte, war die digitale Vernetzung und der Fortschritt der Technik, von der Zukunftsforschung als «Smartness» bezeichnet.

Heute werden pro Tag 15 Petabytes Daten gesammelt – das ist eine Zahl mit 15 Nullen. Dies seien vor allem «unstrukturierte Daten», also Daten-Rohmaterial, das noch ausgewertet werden müsse, so der Zukunftsforscher. Nach dem gut einstündigen Megatrend-Vortrag verschoben sich die 160 Lehrpersonen in verschiedene Räumlichkeiten, um dort zusammen zu diskutieren und auszutauschen.

Die Gespräche zeigten, dass sich viele Lehrerinnen und Lehrer vor Herausforderungen gestellt sehen, wenn im schulischen Umfeld die digitale auf die analoge Welt trifft. So meinte eine Lehrperson: «Es braucht immer noch Erfahrungen zum Anfassen – praktisch gelernter Stoff bleibt so viel eher haften.» Eine Kollegin zog nach: «Das Wühlen im Schlamm kann jedenfalls noch nicht digitalisiert werden.»

Die «Abhöggli-Gesellschaft»

Es wurde auch beraten, ob sich die Schule der Digitalisierung der Welt unterwerfen soll oder nicht: «Müssen wir uns denn nach den gewünschten digitalen Unterrichtsmethoden der Schüler richten oder auf analogen Mitteln wie Wandtafel & Co. beharren?», warf eine Lehrerin in die Runde.

Von einem Mathematiklehrer wurde die «Abhöggli-Gesellschaft» kritisiert. «Es geht nur darum, von einer Aufgabe zur anderen zu hetzen. Die Kinder können sich heute gar nicht mehr lange konzentrieren», sagte er. Und fügt an: «Und die Schüler haben Mühe, überhaupt noch einen Zirkel richtig in der Hand zu halten.

Dafür sind sie dann Experten, wenn es ums Technikhandling und Softwareprogramme geht.» Nach einer abschliessenden Plenumsrunde in der Turnhalle war der Weiterbildungshalbtag zu Ende – und die Lehrpersonen konnten endlich wieder ihre Smartphones hervorzücken.

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