Windisch
Dieses Theatermenü mundet dem Publikum

Man nehme ein Volkslied, erweitere dieses zu einer Geschichte mit Menschen, die Herz und Schmerz kennen – das Stück ist fertig. Rico Spring inszeniert im Königsfelder Park das 8. Aargauische Freilicht-Spektakel «Im Aargau sind zwöi Liebi»

Elisabeth Feller (Text)und Chris Iseli (Fotos)
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8. Aargauische Freilicht-Spektakel
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Fabrikant Karl von Ballmoos setzt alles auf eine Karte. Ob das gut ausgeht?
Gumei (Gute) und Böbu (Böser) wollen Karl von Ballmoos beeinflussen.

8. Aargauische Freilicht-Spektakel

So einfach verhält es sich nicht. Das weiss Rico Spring – Autor, Regisseur und Spiritus Rector des Aargauischen Freilicht-Spektakels – aus langjähriger Erfahrung. Ein Theatermenü, das allen mundet, muss mit Bedacht komponiert sein: «Im Aargau sind zwöi Liebi» ist ein leckeres Menü.

Zwei Familien versöhnen sich

Rico Spring hat viele und vieles aktiviert, um den Innenhof des Königsfelder Hauptgebäudes so zu beleben, dass die Spannung nie nachlässt. Ab und zu werden die ebenso in Innen- wie Aussenräumen situierten Szenen unterbrochen für feine Einlagen des Aargauer-Chors, aber auch für einen Schwinger-Wettkampf in stiebendem Sägemehl. Dieses Glanzstück integriert der Regisseur geschickt in eine Romeo-und-Julia-Geschichte modernen Zuschnitts.

Wie bei Shakespeare versöhnen sich auch bei Spring am Ende zwei verfeindete Familien: Allerdings reichen sie sich die Hände nicht über den Särgen ihrer Kinder wie bei Shakespeare, sondern am Familientisch der von Ballmoos.

Rico Spring versteht sich auf einen guten Stoff und auf die Kunst, Pointen zu setzen. Obgleich die Geschichte in der Gegenwart angesiedelt ist, schwingt ein Quäntchen Nostalgie mit. Schuhfabrikant Karl von Ballmoos (Beat Unternährer) ist ein Patriarch, der in Schwarz und mit schwarzem Hut ins Geschäft geht. Nach einem heutigen CEO sieht Karl von Ballmoos jedenfalls nicht aus.

Der Patron verlangt unbedingten Gehorsam – auch von seiner bildhübschen Tochter Anna (Sabrina Dichne), die den Schuhmacherssohn Michael Renggli (Thomas Krebs) seit Kindertagen liebt. Das passt Vater Ballmoos nicht, ergo muss Anna den aufgeblasenen Stefan Grunder (Roland Meyer) heiraten, der die Firma Ballmoos fast in den Ruin treibt. Doch am Ende strecken Vater und Sohn Renggli ihre Hände zur Versöhnung aus und holen die Ballmoos’ ins Boot einer neuen Firma.

Ende gut, alles gut – auch für jene, die erst nach vielen Irrungen und Wirrungen zueinanderfinden. Rico Springs Stück ist leicht geschürzt, weist aber manch kleinen, trefflichen Seitenhieb auf heutiges Finanzgebaren auf. Solches wird kontrastiert von den privaten Nöten und Sehnsüchten der vielen Figuren, die ein starkes Ensemble liebevoll charakterisiert. Kurzum: «Im Aargau sind zwöi Liebi» ist wie geschaffen, um einen Sommertag mit Witz und Charme abzurunden.

Freilicht-Spektakel 27. Juli bis 25. August; www.freilicht-spektakel.ch

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