Brugger Fasnacht
Dieses Mal bringen sie das Publikum zum Vibrieren

Schnitzelbänkler und Kabarettist sorgen mit träfen Sprüchen in einer liebevoll dekorierten mittelalterlichen Burg und in einem stimmungsvollen Gewölbekeller für beste Unterhaltung.

Claudia Meier (Text) und Michael Hunziker (Fotos)
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Bei ihnen herrschen klare Verhältnisse: Die drei Wüehlmüüs setzen dieses Jahr ganz auf Schwarz-Weiss. Gleich in zwei Versen machen sie Titus Meier zum neuen Stadtammann.
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Brugger Schnitzelbänke 2016
«Wir sind d’Oschterzäpfe» sagt er beim Betreten der Bühne. Während des 20-minütigen Auftritts bleibt er aber ausnahmsweise alleine und präsentiert die grösste Themenpalette an diesem Abend.

Bei ihnen herrschen klare Verhältnisse: Die drei Wüehlmüüs setzen dieses Jahr ganz auf Schwarz-Weiss. Gleich in zwei Versen machen sie Titus Meier zum neuen Stadtammann.

Michael Hunziker

Zweite Gotthard-Röhre, Durchsetzungsinitiative, fragwürdiger Polizeieinsatz, Fusionsabsichten oder Late Service public: An Themen und Anekdoten mangelte es den Brugger Schnitzlerbänklern auch dieses Jahr nicht. Der Verein Värslischmitte verwandelte das Salzhaus mit viel Liebe zum Detail in eine mittelalterliche Burg mit Hofküche. Den Auftakt zum sogenannten Hexengericht machte am Donnerstagabend Kabarettist Edgar Zimmermann. Er nahm die Politiker mit ihren leeren Wahlversprechungen auf die Schippe und zeigte, wo sich im Leben überall Abgründe auftun.

Ein Löwe sorgte für Irritation
Getreu dem diesjährigen Motto der Konfettispalterzunft «40 Johr Schwarzwiss» waren d’ Wüehlmüüs unterwegs. Schwarz-weiss gestalteten sie nicht nur die Helgen, die sie einzeln aufgerollt in einem grossen Korb mitbrachten, schwarz-weiss waren auch ihre Kostüme. Gleich drei verschiedene Outfits führten die grauen Mäuse vor. Als auf einem Helgen ein Löwe erschien, waren sich zwei Gäste aber nicht auf Anhieb einig, ob es sich um das Wappen von Umiken oder Windisch handelte. Der Vers über die roten Zahlen und das Controlling schaffte dann endgültig Klarheit, dass es um Windisch ging. Opus C Voll war die erste Guggenmusik an diesem Abend, die im vollbesetzten Salzhaus einheizte.

Messung wird aufgezeichnet
Etwas familiärer ging es im Laternli der Rrätz-Clique zu und her: warmes Licht, ein paar Tische, eine kleine Bühne und in der Ecke eine Schar Hexen. Der 39-Jährige aus Windisch sorgte mit der Mundharmonika für musikalische Einlagen. Während er hin und her hüpfend über das Bistro-Wägeli der SBB, die SVP und den «grossen Soft-Gun- Skandal uf em Bözberg» referierte, schnappten die Hexen ihre Besen, verabschiedeten sich anständig und huschten zum Auftritt im Salzhaus.

Nun war der Platz frei für die 3 vo Brugg, die als Ingenieure, sofort orange Kabel verlegten, um die Vibration im Raum genau zu messen. Wie das geht, hatten sie in den letzten Monaten bei den seismischen Messungen in der Region Jura Ost mitbekommen. Nach erfolgreicher Messung luden die drei Ingenieure die Gäste ein, das Glas zu heben und im Chor mit vereinten Kräften zu Ehren des neuen Bundesrats zu singen: «Trink trink Parmelin trink, lasse die Sorgen in Bern, meide den Kummer und meide den Schmerz, dann ist das Leben ein Scherz.» Für ein ebenso hochkarätiges Schlussbouquet im Laternli war der einsame Oschterzapfe verantwortlich.

Ehrlich und ohne schleimen: Sie gefallen mit ihren Reimen

An der Värslischmitte im Salzhaus oder im Laternli der Rrätz-Clique wird herzhaft gelacht – eine kleine Kostprobe

D’Wüehlmüüs starten eine Initiative und wagen einen mutigen Blick in die Zukunft:

China chauft Firme, billigi und die tüüre
und kein in dr Schwyz tuet drgege stüüre.
Uns macht das Angst. Mir mache nid mit.
Uns Wüehlmüüs bechöme d Chinese nid.

D Brugger Fasnacht gits scho lang.
Mit dr Eröffnig chöme nid alli zgang.
D Stadtkanzlei, zum Bischpil, echli Niete,
tüen dr Rathussaal an Architekte vermiete.
Es git zu däm Saal kei Alternative,
drum starte mer e Durchsetzigsinitiative.

Vom Ortsteil Schinznach schrybt e Maa
e Brief, dä chunnt im Stadthuus a.
Dr Amme schickt e Antwort zrugg:
Freundliche Grüsse – Titus Meier – Bad Brugg

Dr Migroslade isch renoviert.
Dr Schönscht in dr Schwyz wird gross plagiert.
Mir finde, es wär doch jetz no nätt,
wenn Brugg au sone Verwaltig hätt.

Der 39-Jährige thematisiert einen Polizei-Einsatz, die Wirren in Oberwil-Lieli sowie die Fusionsbemühungen in der Region Brugg:

D’Polizei tuet sich rüeme als «Hälfer und Fründ»
sit em Wienachtsmärt glaubt das
nümm jedes Chind:
En guete Brugger i Handschälle,
e truurigi Gschicht!
Sind ächt die Type ganz obe no dicht?

Z’Oberwil-Lieli isch de Glarner gsi de King,
mit der Jeanne d’Arc Gündel het er’s
nümme so ring.
Er wott abschotte, usgränze, bliibe stur,
doch im Dorf gilt jetz d’Willkommens-Kultur . . .

E Romanze-n-im Eigenamt mit Härz:
Lupfig goht uf Bruutschau z’Schärz!
Mit Schinznach-Bad tuet flirte Brugg:
Ach, chäm doch Brugg uf Windisch zrugg . . .!

Die Rollator Grosis sorgen sich um die Schliessung der Berufsschule, um Kolonnen und die Fasnacht:

Für mis Hirntraining mach i en Kurs bim BWZ
Jetzt wännd’s das schlüsse, das isch ned nett!
Denn sind die hilfsbereite Schüeler nümm do,
hilft niemmer, wenn öper mit dem Auto
die falschi Underfüherig het gnoh!

Di Dütsche sägend, es chömed immer meh,
en langi Kolonne cha mer a der Grenze gseh!
Nei, es handlet sich ned um d’Flüchtlingsmasse,
es sind d’Schwiizer, wo eres Gäld im Schwoobeland
verprasse.

Set 40 Johr sind’s halb schwarz und halb wiss,
händ s’Konfetti gspaltet, send debi g’altet
und säged, jetzt gahts nümmen uf die Art und Wiis.
Jetzt isch Zyt für en neue Wind!
Bringed neui Lüt und zwar gschwind!
Schliesslech isch Fasnacht, es muess öpis goh,
Chumm Hugo, jetzt fiired mer, jetzt bisch jo no do!

Di 3 vo Brugg sind als Inscheniöre mit dem Motto «Nit vergässe – mir chönned alles mässe!» unterwegs:

Mir 3 sind 3 Inscheniöre
händ en Bildschirm no mit Röhre
leged Kabel quer durchs Land
d Maschine starte mir vo Hand
Vibrations-Schwingige
gspürsch vo do bis Binnige
eusi Mässig die macht Sinn
vo Huuse, Stilli bis uf Linn
mir 3 Kenner tüend alles mässe
nur Brugg und Windisch, chasch vergässe
dr Computer seit eus do: shit!
Fusionsschwingige gits do nit

Die industrielli Revolution
4 Punkt Null, isch kei Fiktion
Computer Roboter – digital
ersetze d Mensche, s isch fatal
nur d Schnitzbänk chönnt no lache
si müesse d Värs nümm sälber mache

dr Müller und dr Giacobbo
die höred uf, do si mir froh
aus die Maus, die müesse goh
mir wüssed scho, wär jetzt wird cho
und d Ischaltquote stiegt e soo
drum hei mir 3, das übernoo

Laternenumzug zum Storchenturm.
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Laternenumzug zum Storchenturm mit der Guggenmusik Opus C Voll
Fasnachtseröffnung im Salzhaus - Zunftmeister Hugo Schmid (links) nimmt die Schwarz-Weiss-Brille von Stadtammann Daniel Moser entgegen
Fasnachtseröffnung im Salzhaus - Zunftmeister Hugo Schmid (links) erhält den Stadtschlüssel von Stadtammann Daniel Moser
Keiner zu klein, ein Fasnächtler der Zwäsi-Gugge zu sein
Fasnachtseröffnung im Salzhaus - Zunftmeister Hugo Schmid (links) nimmt die Gratulationen von Stadtammann Daniel Moser entgegen
Fasnachtseröffnung im Salzhaus - die Rollator Grosis gratulieren der Konfettispalterzunft
Fasnachtseröffnung im Salzhaus - ein bestens gelaunter Zunftmeister Hugo Schmid
Beim Storchenturm spielt die Rrätz-Clique
Beim Storchenturm spielen Opus C Voll aus Riniken auf
Brugg Fasnachtseröffnung 2016
Beim Storchenturm lesen die Hexen Brugg die Leviten
Beim Storchenturm spielt die Brugger Zwäsi-Gugge auf
Beim Storchenturm spaltet Zunftmeister Hugo Schmid das Konfetti

Laternenumzug zum Storchenturm.

Michael Hunziker

Ob die Oschterzäpfe dieses Jahr einer Sparrunde zu Opfer fielen, ist nicht bekannt. Im Alleingang und fast ohne Pause lässt der Zapfen tief in die Seele blicken:

Kein Atommüll im Bözberg – en KAIBe gueti Sach.
Ond kei Löcher im Reakter,
höggschtens eis im Dach,
kei Doppelspuur im Gotthardtunnel
wärdi denn deet gmacht.
Das esch das won ich so träum, & was träumed
ehr znacht?

Letsch Sommer, wies im Büechli schtoot –
esch das eine gsii,
die Sonne ond das Klima – heiss- ond schöner
chönnts ned sii,
do han au ich chlii Schatte gsuecht
ond au erfolgriich gfunde,
all 2 Stund’ vom Zeppelin – för öppe 3 Sekunde.

Z’Nacht a de Bar do starrt er lang
uf ehres Hinderteil,
si chert sech ond er tänkt vo vor’
esch si ned minder geil,
er heissi Robert – ond si seit ganz knapp «Heidi»,
«Läck, das Arsch!» – das tänked schliesslech beidi.

Bem Schwiizer Fernseh do stiigt de Druck
zum Spare,
drom wot mer d’Programmchöschte
langsam abefahre,
ond e 5 Johr, ich säg euch, s’wird ned glatter,
do gsesch de ganz Tag d’Wiederholig vom Bestatter.

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