Familienartikel

Dieses kleine Dorf gibt sich besonders familienfreundlich

Alles unter einem Dach: Schule, Tagesstruktur und Mittagstisch. Im Sommer 2012 wurde die Schule mangels Schülern geschlossen.Archiv/CM

Alles unter einem Dach: Schule, Tagesstruktur und Mittagstisch. Im Sommer 2012 wurde die Schule mangels Schülern geschlossen.Archiv/CM

Elfingen hat den Familienartikel mit 66 Prozent Ja-Stimmen-Anteil angenommen. Das Dorf machte mit der freiwilligen Einführung von Tagesstrukturen gute Erfahrungen. Die Schulschliessung liess sich aber damit nur verzögern und nicht verhindern.

«Das ist wieder mal typisch», antwortet Gemeindeammann Brigitte Büchli aus Elfingen auf die Frage, was ihr bei der Bekanntgabe des Abstimmungsresultats über den Familienartikel als Erstes durch den Kopf gegangen sei. Die Statistik zeigt: Nur gerade drei Gemeinden im Bezirk Brugg und eine Gemeinde im Bezirk Laufenburg haben am Sonntag dem Bundesbeschluss über die Familienpolitik zugestimmt.

Die drei Gemeinden Brugg, Windisch und Frick haben die Vorlage mit je rund 51 Prozent Ja-Stimmen-Anteil gutgeheissen. Am deutlichsten nahm aber das kleine Dorf Elfingen – idyllisch zwischen Bözen, Sulz und Mönthal gelegen – den Familienartikel an. Mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 66 Prozent respektive mit 55 Ja- zu 28 Nein-Stimmen.

Interessanterweise zeigt sich das Bild in den Nachbargemeinden genau umgekehrt. In Bözen und Mönthal haben die Stimmbürger den Familienartikel mit je 64 Prozent Stimmenanteil abgelehnt. Wie kam es also zu diesem deutlichen Ausreisser in Elfingen?

Gute Erfahrungen gemacht

«Wir machten mit der freiwilligen Einführung der Tagesstrukturen gute Erfahrungen», so Gemeindeammann Büchli. Auch der pensionierte Gesamtschullehrer, Gerhard Dietiker, vermutet, dass die positiven Erfahrungen mit den Tagesstrukturen ausschlaggebend für das deutliche Resultat in Elfingen waren.

«Die Stimmbürger verstanden, worum es bei dieser Vorlage geht, und wussten, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine gute Sache ist», so Dietiker. Bei der Einführung in Elfingen im Jahr 2005 habe man die Kinder von 8 bis 17.30 Uhr betreuen können. Insbesondere alleinerziehende Mütter hätten dieses Angebot als Entlastung geschätzt, so Dietiker.

Später konzentrierte sich das Angebot auf den Mittagstisch. «Es gab Zeiten, da assen 50 Prozent der Schüler in der Schule», sagt Dietiker. Die Räumlichkeiten des früheren Kindergartens hatten eine Küche, die sich für den Mittagstisch bestens eignete.

Schule nach 292 Jahren geschlossen

Um den sinkenden Schülerzahlen entgegenzuwirken, besuchten auch Schüler aus der Region die Gesamtschule in Elfingen, an der Dietiker während 43 Jahren als Lehrer wirkte. «Der kleine Rahmen unserer Schule und die Altersdurchmischung im Klassenzimmer kamen bei den auswärtigen Schülern gut an», sagt Dietiker. Trotz Tagesstrukturen konnte die Schulschliessung nach 292 Jahren nicht mehr verhindert werden. Die verbleibenden acht Schüler besuchen seit letztem Sommer die Schule im Nachbardorf Bözen.

Auch Doppelverdiener seien froh gewesen, wenn sie ihre Kinder abgeben konnten, so Gemeindeammann Büchli. «Leider haben wir seit der Schulschliessung keine Tagesstrukturen mehr», sagt Büchli mit Bedauern und ergänzt: «Tagesstrukturen sind ein Bedürfnis für Eltern. Neuzuzüger kamen auch deshalb nach Elfingen.»

Dietiker fasst die Annahme des Familienartikels in der 270-Seelen-Gemeinde so zusammen: «Was die Leute kennen, bereitet ihnen meistens keine Angst mehr.»

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