Brugg

Dieses eindrückliche Bauwerk hat ein interessantes Innenleben

Die Pfeiler an den beiden Aare-Ufern mussten für die neue und viel schwerere Brücke mittels Betoninjektionen massiv verstärkt werden.

Die Pfeiler an den beiden Aare-Ufern mussten für die neue und viel schwerere Brücke mittels Betoninjektionen massiv verstärkt werden.

Die 19 Jahre alte Aarebrücke an der SBB-Linie Brugg–Basel scheint innen und aussen noch wie neu. Der pensionierte Lokführer Gregor Tomasi gewährt auf einer «bruggtour»-Führung einen Augenschein in den Hohlkasten unterhalb der Bahnschienen.

«Diese Brücke soll gemäss Garantie 100 Jahre halten», weiss Gregor Tomasi den Teilnehmern der «bruggtour»-Führung am Sonntagnachmittag zu berichten. Das ist zweieinhalbmal länger, als der seit 2005 pensionierte Lokführer auf dem SBB-Schienennetz unterwegs gewesen war. Auch als Initiant und Präsident der Stiftung Bahnpark Brugg und Besitzer einer eindrücklichen Modelleisenbahnanlage ist Tomasi weiterhin mit seinem einstigen Berufsfeld verbunden.

Anlässlich der Führung kann er punkto Wissen über die geschichtlichen und bautechnischen Hintergründe des Bahnwesens in der Region Brugg aus dem Vollen schöpfen. Er erwähnt die «Spanischbrötlibahn», welche ab 1847 zwischen Zürich und Baden verkehrte, und die 1856 eingeweihte Weiterführung nach Brugg. 1875 kam sodann von hier aus die Linie nach Basel mit der ersten Eisenbahnbrücke über die Aare hinzu. Diese aus Stahlträgern bestehende, einspurige Fischbauchträgerbrücke von Friedrich August Pauli wurde 1905 durch eine doppelspurige Halbparabelfachwerkbrücke ersetzt, was durch die von Anfang an für diese Möglichkeit ausgelegten Pfeiler erleichtert wurde.

Neubau für 30 Millionen Franken

1995 folgte sodann aus Lärmschutzgründen und wegen dem zunehmenden Kapazitätsbedarf auf der Nord-Süd-Linie der SBB die heutige Hohlkasten-Spannbetonbrücke als Ersatz für die damals 90-jährige Stahlkonstruktion. Die 233 Meter lange und 11 500 Tonnen schwere mit einem Radius von 480 Metern gebogene und gegen Umiken hin leicht ansteigende neue Brücke wurde auf unterwasserseitigen Hilfspfeilern neben der alten Verbindung realisiert. Anschliessend erfolgte mittels hydraulischen Pressen und Gleitlagern die Verschiebung auf die vorhandenen vier Pfeiler, welche aus Mägenwiler Kalkstein bestehen. Die Pfeiler an den beiden Aare-Ufern hatten im Hinblick auf das gegenüber der vorherigen Konstruktion rund sechsmal höhere Gewicht mittels Betoninjektionen massiv verstärkt werden müssen. Die Totalkosten für den Neubau beliefen sich auf 30 Millionen Franken.

59 Steinstufen auf der Südseite führen hinauf zum Einstiegsloch an der Unterseite des eleganten Bauwerks. Das Innere des Brückenkastens ist wesentlich geräumiger als man bei der Betrachtung von aussen vermuten würde. Gregor Tomasi hat an einer Wand einen kleinen Infostand mit Plänen aufgebaut, anhand derer er die Konstruktion erklärt. «Die vier Teile des Hohlkastens sind längs und quer mit armdicken Spannseilen verankert. Sie sorgen für den Zusammenhalt und die Tragfähigkeit und geben der Brücke gleichzeitig die nötige Flexibilität, sich unter den auf sie einwirkenden physikalischen Kräften im Zentimeterbereich zu bewegen.» Dazu gehören hauptsächlich Temperatureinflüsse und die darüber fahrenden Züge.

Wichtig ist, dass keine Risse entstehen

Während der beinahe zweistündigen Führung wird die Brücke, welche die Seile am Widerlager auf der Nordseite mit 1200 Zugkraft zurückhalten, von mehreren Kompositionen überquert, was im Innern des Hohlkastens je nach deren Gewicht schwächere oder stärkere Vibrationen und dumpfes Donnergrollen erzeugt. Gregor Tomasi: «Speziell wichtig ist auch, dass in der Brücke keine Risse entstehen, sodass keine Feuchtigkeit eindringen kann.» Nun, das Innere des Hohlkastens ist denn auch äusserst sauber gearbeitet und extrem trocken, und die Temperatur bleibt während des ganzen Jahres ziemlich konstant.

Ein spezielles Detail: Vor dem Ausstieg stechen an der Decke des Brückenkörpers zwei Katzen-Reliefs ins Auge, welche dem Vernehmen nach von einem Baumitarbeiter hier angebracht worden sind. Vermutlich sind sie als eine Art «Schutzpatrone» gedacht, denn die Vierbeiner mit der lateinischen Bezeichnung «Felis» gelten als Symbol für Klugheit, Weisheit und Glück.

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