Brugg

Dieser Rockstar hat zwei Seiten

Gilberto Melendez, 37, ist Sänger der Band Maxxwell. Der gebürtige Venezolaner kam 1986 nach Brugg.

Gilberto Melendez, 37, ist Sänger der Band Maxxwell. Der gebürtige Venezolaner kam 1986 nach Brugg.

Maxxwell-Sänger Gilberto Melendez sagt, was ihn mit Venezuela verbindet und warum er auf der Bühne ein ganz anderer Mensch ist

«Strassenköter-Rock»: So bezeichnet der Brugger Gilberto Melendez den Sound der Band Maxxwell. Der 37-Jährige, der von Freunden und Verwandten Gilbi genannt wird, ist seit 2014 der Sänger der Luzerner Band. Im letzten Jahr ging sie als Vorgruppe der deutschen Metal-Band Kissin’ Dynamite und der Metal-Legende Doro auf Tournee. «Im Ausland sind wir bekannter als hier in der Schweiz», sagt er und lacht.

Als Rockband mit Metaleinschlag, wie sich die Band selbst beschreibt, sei es schwer, in der Schweiz erfolgreich zu sein. «Das fängt beim Röstigraben an und hört bei den Leuten auf», sagt er. Die Band spielte bis jetzt nur im deutschsprachigen Raum der Schweiz. «Es ist blöd, dass wir schon in über zehn Ländern Konzerte spielen durften, aber noch nicht einmal in allen Teilen der Schweiz auftreten konnten.»

Der Trailer zur Maxxwell-Tour

Der Trailer zur Maxxwell-Tour

Mit dem Song «Independent» vom neuen Album.

Deshalb würde sich Maxxwell wünschen, auch einmal in anderen Gebieten des Heimatlands zu spielen. Das Publikum in der Schweiz beschreibt der Sänger als eher kalt: «Ich brauche hier viel mehr Energie, um den Konzertbesuchern einzuheizen.» In Deutschland hat die Band dafür den Exoten-Bonus.

Grossvater war Nestlé-Direktor

Der gebürtige Venezolaner kam 1986 mit seiner Familie nach Brugg. «Wir verliessen das Land damals aus politischen Gründen. Da meine Mutter Schweizer Wurzeln und noch einen Teil der Familie hier hat, war es naheliegend, dass wir in die Schweiz gehen», erklärt er. Sein Grossvater, der damals in Luzern wohnte, sei Direktor der Firma Nestlé mit Sitz in Venezuela gewesen.

Später zog dieser nach Kolumbien, wo seine Tochter, Gilbis Mutter, geboren wurde. Heute leben der Vater und einige Verwandte des Sängers in Venezuela. Der Sänger wuchs in Lauffohr auf und wohnt heute in Brugg. «Ich bin eine Wasserratte und ein Naturbursche. Für mich ist es toll in Brugg. Ich habe die drei Flüsse. Am liebsten spaziere ich im Sommer im Wald oder grilliere mit Freunden am Fluss», sagt der 37-Jährige. Gilbi wurde die Musik praktisch in die Wiege gelegt: «Mein Vater hat immer gerne gesungen und meine Mutter spielte Klavier.»

Schon früh stand Gilbi dann auf der Bühne. «Ich spielte Theater und träumte davon, auf eine Schule für Schauspiel, Tanz und Gesang zu gehen.» Erst in der Schweiz sei er dann auf den Geschmack des Rocks gekommen. «Ich entdeckte meine Leidenschaft für Queen, während meine Freunde zu Hip-Hop tanzten. Zudem konnte ich alle Lieder der Jackson 5 singen und dazu tanzen», sagt Gilbi und lacht.

In seiner Jugendzeit gründete er schliesslich seine erste Band. Eigentlich ist der Sänger, der als erster männlicher Empfangsmitarbeiter der ISS arbeitet, privat eher ruhig. «Ich bin ein Mensch, der lieber zuhört, als spricht.» Das sei auf der Bühne ganz anders: «Dort bin ich eine richtige Rampensau. Ich gebe dann Vollgas und bin ein anderer Mensch.»

Tournee sorgt für Gänsehaut

Mit einem Freund aus seiner Kinderzeit gründete der Sänger die Band Gonoreas. Aufgrund einiger Differenzen stieg Gilbi jedoch aus. 2014 sah er, dass die Band Maxxwell auf der Suche nach einem Sänger war. «Ich ging vorbei und sang ihnen vor. Es passte einfach», sagt er. Er sei nervös gewesen, als neuer Sänger einer bestehenden Band aufzutreten. «Aber ich hatte ‹Bühnenweh›. Ich wollte das einfach machen.»

Bis heute bereut er die Entscheidung nicht. «Unsere Teamarbeit funktioniert super. Ich kann endlich auf dem professionellen Level Musik machen, auf dem ich schon immer wollte. Ich war bereits in vielen Bands. Die Arbeitsweise von Maxxwell gefällt mir am besten. Alle sind sehr fokussiert», freut sich Gilbi.

Dennoch gründete er vor einem Jahr eine weitere Band mit neuem Namen Gods of Silence. «Ich wollte einfach noch mehr Musik machen und liebe es, wenn mir meine Freiheiten gelassen werden. Deshalb gibt es nun auch die zweite Band. Dabei gilt jedoch Maxxwell first», erklärt der Sänger selbstsicher. Für ihn stehe die Musik an erster Stelle. «Für uns Jungs von Maxxwell gilt das für alle», verbessert er sich.

Mit ihrem Tourbus, den sie durch den Gewinn bei einer Schweizer Gameshow finanzierten, reisen sie jeweils am Wochenende an die Konzerte. Unter der Woche gehe jeder normal arbeiten.

«Bei längeren Auslandaufenthalten mit vielen Konzerte muss ich freinehmen», sagt der Sänger. Besonders die letzte Tournee habe es der Band angetan. «Es gab einige Highlights für uns. Erstens die Freundschaft, die mit den Jungs von Kissin’ Dynamite entstand, oder auch der Auftritt in Prag, wo alle Leute mitgesungen haben. Das war ein absoluter Gänsehaut-Moment», sagt Gilbi. Auch von seiner Familie erfahre er viel Zuspruch. «Mein Bruder besucht unsere Konzerte oft.»

Er will von Musik leben können

Im Moment arbeitet Maxxwell gerade an neuen Songs für das Album, das dieses oder nächstes Jahr erscheinen soll. «Wir nehmen uns für das Album viel Zeit», betont Gilbi. Zu viel wolle er noch nicht verraten. Nur so viel sei gesagt: Die Songs von Maxxwell werden härter. Er selbst kann keine Noten lesen. Die Band spiele ihm die Melodie vor, für die er dann einen Text schreibt und die Gesangsmelodien macht. «Der Text kann über eine Alltagssituation oder völlig erfunden sein. Wir haben eine gesunde Mischung auf dem Album. Es muss ja auch nicht immer alles politisch und ernst sein», sagt der Sänger.

Die Ideen gehen ihm auf jeden Fall nicht aus. «Vielleicht jodle ich ja bald für einen Song. Das wäre auch so eine Idee von mir», erzählt der 37-Jährige. Er habe viele Geschichten zu erzählen. Seine Freundin wolle sogar, dass er endlich ein eigenes Buch schreibe. «Ich habe schon mehrmals angefangen. Aber dann habe ich gleich wieder alles gelöscht», sagt Gilbi.

Leider sei die geplante Skandinavien-Tour im Januar abgesagt worden. «Es war ein Fehler des Promoters. Das ist natürlich sehr schade. Die Flüge und das Auto wurden schon gebucht», erklärt er. Jedoch sei im Sommer bereits die nächste Tournee der Band geplant. «Uns wurden bereits 15 Konzerte bestätigt. Davon sind drei oder vier in der Schweiz», freut sich der 37-Jährige. Der Sänger möchte jedoch nicht für immer nur Musiker sein. «Ich wäre auch sehr gerne Vater.»

Für die Zukunft wünsche er sich und der Band, von der Musik leben zu können. «Ein grosser Traum von uns wäre es, einmal im Hallenstadion spielen zu können. Fürs erste würde aber auch das Hofstattfestival in Brugg reichen, das – wortwörtlich – direkt vor meiner eigenen Haustüre stattfindet», sagt Gilbi mit einem Lächeln im Gesicht.

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