Ein grosser Sammler sei er eigentlich nicht. «Ich bin selber erschrocken, als ich die Plaketten gezählt habe», sagt Romano Chiecchi gut gelaunt. Die Frohnatur aus der Brugger Altstadt hat über Jahre hinweg immer wieder die Fasnacht unterstützt und jeweils die goldene, teuerere Version der jeweiligen Plaketten gekauft. Dass daraus eine eindrückliche Sammlung von 84 Fasnachtsplaketten entstanden ist – 61 davon aus Brugg, einige hat er doppelt – überrascht ihn. «Da habe ich ja viel Geld ausgegeben», sagt er und lacht.

In seiner traditionsreichen Messerschmiede zeigt er die Plaketten, die geordnet nach der Jahreszahl zusammen aufgehängt sind. Seine erste Brugger Fasnachtplakette stammt von 1975, damals noch simpel gehalten als blaues Anhängsel. Die späteren Plaketten sind aufwendiger verarbeitet mit schönen eingravierten Sujets und den jeweiligen Mottos. «Mitmache, nid nur zueluege» etwa aus dem Jahr 1978, «Brugger Häx rumoret» von 1979 oder «700 Johr Fäscht adee...», als des zehntägigen Stadtfests zum 700-Jahr-Jubiläum des Brugger Stadtrechts 1984 gedacht wurde. 1986 gab es eine Plakette zum Jubiläum der Gründung der «Konfettispalter» zehn Jahre zuvor. Bis heute organisiert der Verein die Fasnacht in Brugg.

Einige humorvolle Sujets

Es gibt einige lustige Sujets wie das von 1994, auf dem ein Bild von einem Kleinkind mit Gaukler-Hut eingraviert ist, das am Bein aus einem Babywagen gehoben wird. Darunter prangt der Spruch «Jungi a Chare!». 1997 hiess es dann «Brugg für d’Frösch», 1998 war «Alles Schrott», 2002 «Schlof Städtli, schlof», wohl mit Bezug auf die verschlafene Altstadt. 2004 hiess es ironisch «Brugg – e steirichi Stadt», eingraviert war ein Gaukler auf einem königlichen Thron und unter ihm auf dem Boden jede Menge Steine.

Weitere Fasnachtssujets brachten humorvolle Kritik an das Stadtgeschehen, etwa dasjenige von 2005, das Bezug auf die damalige Schliessung des Bezirksspitals nahm. «Brugg – wo alles zusammen schliesst!», hiess es da, eingraviert war ein Gaukler, der mit einem Patienten auf einem Boot davon rudert, wobei ihm als Paddel eine Krücke dient. 2011 wurde das Parkreglement thematisiert mit einem «Parkgeier», der ein Polizistenhut auf hat und mit seiner Kralle eine Parkuhr festhält. 2017 war das Fiasko der «Rigoletto»-Oper das Thema. Und letztes Jahr schliesslich stellte man die neu gewählte Frau Stadtammann als eine «Wundertüte» dar.

Originelle Plaketten aus Frick

In seiner Sammlung finden sich auch etliche Plaketten von der Fasnacht in Frick, wo er oft als Marktfahrer einen Stand führte. Dabei zeigten sich die Fricker originell: Wer dort fünf Plaketten in Folge sammelte, hatte am Schluss die fünf Buchstaben für Frick zusammen. In anderen Jahren wurde jeweils eine leicht runde Plakette verkauft. Gemeinsam ergaben sie dann einen Kreis. Roberto Chiecchi hat auch vereinzelte Fasnachtsplaketten aus Biel von der Zeit, als er als Kunstturner im Sportzentrum in Magglingen BE trainieren ging und dort bei der Fasnacht vorbeischaute. Die besten Fasnachtserinnerungen aber verbindet er aber natürlich mit seiner Heimat Brugg, etwa als er als junger Lehrling noch beim Umzug mitgelaufen ist. «Wir führten damals eine Clown-Nummer auf und ich fuhr auf dem Einrad», erzählt er. Als Kadett bei der Stadtmusik spielte er in den 50er-Jahren auch die Trommel oder trat als Schlagzeuger auf in Jazz-Bands. In guter Erinnerung blieb ihm das frühere Beizlifest mit den Stadtturnern an der Fasnacht beim Freihof. «Wir hatten einen langen Tisch für uns, plauderten und tanzten.»

Heute sei er an der Fasnacht «nur noch Konsument», sagt er. Von seinem Balkon aus in der Altstadt verfolge er gemütlich den Umzug. «Dann gehe ich vielleicht bei den Männerturnern vorbei und hole mir eine Käseschnitte oder eine Wurst», sagt der sympathische Sammler aus Zufall.