FHNW
Dieser Mann bringt Wissenschaft und Religion zusammen

Christian Bühler ist reformierter Pfarrer, Olivia Forrer katholische Theologin und Chemikerin: Ab 1. Oktober sind beide für die Studierenden an der Fachhochschule Nordwestschweiz im Campus Brugg-Windisch da.

Elisabeth Feller
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Christian Bühler weiss sehr gut, welch bedrängende Fragen junge Menschen beschäftigen können. ef

Christian Bühler weiss sehr gut, welch bedrängende Fragen junge Menschen beschäftigen können. ef

Sieht man ihn – grauweiss melierter Haarschopf, helle Augen, Freizeit-Hemd – denkt man sofort an Natur. Wald und Wasser gibt es im Campus Brugg-Windisch, der neuen Wirkungsstätte des Theologen Christian Bühler, allerdings nicht. Dafür einen Raum der Stille im vierten Stock, der einlädt etwa über das Verhältnis des Menschen zur Natur, über soziale Gerechtigkeit oder gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen nachzudenken.

Der Mensch und seine Stellung in der Welt, die er möglicherweise kritisch hinterfragt und deswegen verändern will – damit, aber auch mit Ethik, Beratung und Seelsorge, Forschung und Entwicklung, Spirituellem, Kultur, Aus- und Weiterbildung setzt sich Christian Bühler auseinander.

Das ist ein weites Feld, aber für den Baselbieter – seit fünf Jahren Studienleiter des Tagungszentrums Leuenberg – gleichwohl keines, vor dem er zurückschreckt. Bühler ist mit Erfahrungen reich gesegnet: Während 14 Jahren war er Pfarrer in der Kirchgemeinde Gelterkinden-Rickenbach-Tecknau. Dort hat er unterschiedlichste Menschen betreut; hat sie in schwierigen Situationen ermutigt und mit ihnen Schönes gefeiert.

Nun wird er ein anderes Terrain betreten: Ab 1. Oktober betreut Bühler mit Olivia Forrer die ökumenische Fachstelle Religion Campus Brugg-Windisch. Seine katholische Kollegin, Chemikerin und Theologin, ist bereits seit Herbst 2012 in der Fachstelle tätig – mit Christian Bühler wird diese nun auf 140 Prozent erweitert. Finanziell getragen wird sie von der Reformierten und der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau.

Fachhochschule und Religion: Daran denkt man kaum im ersten Moment. Braucht es überhaupt eine ökumenische Fachstelle? Wird missioniert? Um bei der letzten Frage anzufangen: «Nein», sagt Bühler entschieden: «Wir missionieren nicht. Wir wollen einfach für junge Menschen, die hier studieren und in Problemsituationen stecken, unterstützend da sein.»

Christian Bühler selbst hat in jungen Jahren – als er in Indien unbeschreiblicher Armut begegnete – einschneidende Erfahrungen gemacht, die ihn in eine Sinnkrise stürzten und ihn schliesslich bewogen, «in der Kirche zu arbeiten». Er weiss also, welch bedrängende Fragen junge Menschen belasten können. «Olivia Forrer und ich wollen ihr Vertrauen in ihre Zukunft stärken und sie in ihrer persönlichen Lebensgestaltung unterstützen. Wir wollen ihnen aber auch zeigen, dass sie sich auf Menschen verlassen können.»

Bühlers Kollegin Olivia Forrer beschreibt die Fachstelle Religion «als eine für Grenzfragen». Die Theologin spricht von «Grenzen, an die jede und jeder irgendwann in seinem täglichen Leben einmal stösst, und die unter Umständen unerträglich werden». Mit dem eingangs umrissenen, vierfachen Leistungsauftrag (Dienstleistung, Lehre, Forschung und Weiterbildung) versucht das ökumenische Team, die Bedürfnisse von deutlich mehr Studierenden zu erfüllen. Christian Bühler und Olivia Forrer stehen jedoch auch Lehrbeauftragten und weiteren Angestellten der FHNW zur Verfügung. Konkret: Das Team gestaltet Kurse, Exkursionen sowie Anlässe der Fachhochschule mit. Wie dies in der Praxis mit Studierenden und Lehrbeauftragten aussieht, wird sich weisen. Bühler ist jedenfalls gespannt auf seine neue Aufgabe, die ihn während dreier Tage in der Woche von Gelterkinden nach Brugg pendeln lässt – kribbelig ist er deswegen nicht. «Allerdings», sagt er lächelnd, «braucht es schon eine gewisse Akzeptanz.»

Als Studienleiter auf dem Leuenberg hat der Theologe bisher Bildungsveranstaltungen an den Schnittstellen von Kirche, Gesellschaft und Wissenschaft ausgerichtet. Solche gebe es in Brugg/Windisch doch bestimmt auch, sagt Christian Bühler und blickt zum Campus hinüber: Ein Koloss, in dem vieles selbstverständlich Platz findet. Zum Beispiel die Fachstelle Religion.

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